Manipulation US-Kläger wollen Bosch Mittäterschaft im VW-Abgasskandal nachweisen

Erst VW, jetzt Bosch: US-Kläger wollen nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen den Autozulieferer juristisch belangen, weil er am VW-Abgasskandal aktiv beteiligt gewesen sein soll. Das könnte teuer werden.

Bosch-Werbung an der Messe in Stuttgart
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Gerade erst hat sich der Autokonzern Volkswagen im Skandal um manipulierte Abgaswerte seiner Dieselautos in den USA mit fast 15 Milliarden Dollar freigekauft. Nun nehmen die Anwälte der US-Kläger den Zulieferer Bosch ins Visier.

Die zuletzt vor Gericht verhandelte Sammelklage gegen VW werde aufgrund neuer Informationen erweitert und damit nun konkret gegen Bosch und Konzernchef Volkmar Denner gerichtet, sagten Insider. Neue Beweise aus dem VW-Prozess lieferten den nötigen Stoff, um Bosch eine Mittäterschaft nachzuweisen. Demnach hat Volkswagen im gerade abgeschlossenen Verfahren Schriftwechsel mit Bosch-Managern vorgelegt, die den Stuttgarter Zulieferer belasten. "Unterlagen belegen, dass Bosch wusste, wofür die Software zur Motorsteuerung genutzt werden sollte", sagte ein Informant.

Im Prozess gegen Volkswagen waren 22 Kanzleien beteiligt, die auch stellvertretend für weitere Anwälte Ansprüche mehrerer tausend betroffener Autobesitzer vertreten. Unter diesen Anwaltskanzleien arbeiteten einige nun die Klageänderungsschrift aus, hieß es. Sie basiert auf der ursprünglichen Klage, die sich gegen VW und Bosch richtete, und erweitert diese um zusätzliches Beweismaterial. Sie solle in den nächsten Monaten an den zuständigen US-Richter Charles Breyer gehen. Breyer hatte die Verhandlungen bisher auf Volkswagen als Haupttäter konzentriert. Im Laufe dieses Verfahrens tauchten nun die neuen Dokumente auf, die Bosch gefährlich werden könnten.

Bosch weist bislang zurück, von den Manipulationen gewusst zu haben. Ein Konzernsprecher sagte: "Bosch beabsichtigt, sich in den Zivilgerichtsverfahren entschieden gegen die erhobenen Ansprüche zu verteidigen."

Angesichts des Wirbels, den der US-Prozess um Volkswagen gemacht hat, droht Bosch ein Kampf, der Image und Kasse des Unternehmens empfindlich schaden würde. In weltweit elf Millionen Dieselfahrzeugen hat VW eine Software eingesetzt, durch die auf den Prüfständen der Fahrzeugtester Messwerte für Abgaswerte geschönt wurden. In den USA sind davon rund 475.000 Zwei-Liter-Motoren betroffen, für die Bosch die Software geliefert hatte. Weltweit stellen die mit Bosch-Programmen ausgestatteten Autos die weitaus größte Mehrheit.

Kläger wollen neue Beweislage nutzen

Die im Prozess gegen Volkswagen laut informierten Personen aufgetauchten Schriftwechsel zwischen Europas größtem Autokonzern und seinem Zulieferer Bosch bereiteten die Basis, aufgrund derer die Kläger nun die Klageschrift nachbessern und so den Prozess neu aufrollen wollen. Bosch habe von VW eine Haftungsfreistellung gefordert, weil der geplante Einsatz der Software rechtlich unzulässig sei, sagt eine informierte Person. In dem speziellen US-amerikanischen Discovery-Verfahren, das bei VW angewandt wurde, müssen die Beteiligten umfangreiche Unterlagen zum Fall herausgeben. Bosch und Volkswagen lehnten einen Kommentar zur gegenseitigen Kommunikation ab.

In der ursprünglichen Klage gegen Volkswagen, aufgrund derer der Autokonzern im größten Vergleich der Automobilgeschichte zehn Milliarden Dollar an Entschädigungen für betroffene Autobesitzer zahlen will, war auch stets Bosch genannt als ebenfalls Beschuldigter. Doch mangels Beweisen und aufgrund der klaren Abwehrhaltung des Konzerns in diesem Fall fokussierten sich die Vergleichsverhandlungen allein auf den Hauptschuldigen VW. Bosch war nicht nachzuweisen, dass der Konzern als Mittäter oder Mitwisser agiert hat.

Hat Bosch ausreichend vorgesorgt?

Bisher fühlte sich Bosch offenbar sicher. Mehr als eine pauschale Behauptung, in die VW-Manipulationen bei Dieselmotoren involviert gewesen zu sein, konnten die Kläger bis dato nicht aufstellen. Für einen Prozess in den USA hat sich der Konzern bisher nicht extra abgesichert. 650 Millionen Euro Rückstellungen hat der Konzern gemacht - allerdings für sämtliche rechtlichen Risiken aus allen anstehenden Themen. Sollte der Konzern einen hohen Vergleich aushandeln müssen, könnte es Bosch daher hart treffen.

Auch Anwälte, die geschädigten Autobesitzern in Deutschland eine Entschädigung erstreiten wollen, sehen die Gefahr für Bosch. "Wir beschäftigen uns jetzt vor allem mit der Tatbeteiligung von Bosch", sagte Christopher Rother, Leiter des deutschen Büros von US-Staranwalt Michael Hausfeld. Denn die Sammelklage sei weiterhin gegen Bosch anhängig. Darüber hinaus ermittelt die Stuttgarter Staatsanwaltschaft seit Ende 2015 wegen des Verdachts auf Beihilfe zum Betrug.

US-Gerichtsexperten gehen davon aus, dass Bosch bei einem Vergleich die Zahlung eines mindestens dreistelligen Millionenbetrags drohe. Dies zeigten die Erfahrungen anderer Prozesse. Es könne jedoch gut in die Milliarden Dollar gehen.



insgesamt 275 Beiträge
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habenix 02.07.2016
1.
Bosch ist den Amis natürlich ein Riesen Dorn im Auge, da Bosch eine Stiftung ist und sich die Finanzindustrie nicht an Bosch bereichern kann.
4frankie 02.07.2016
2. Es geht nur ums Geld zu Gunsten der klammen USA
Es geht nur ums Geld zu Gunsten der klammen USA und zu Lasten Deutschlands und seiner Unternehmen, wie dieser Satz zu Beginn des Berichts belegt: "Gerade erst hat sich der Autokonzern Volkswagen im Skandal um manipulierte Abgaswerte seiner Dieselautos in den USA mit fast 15 Milliarden Dollar freigekauft." Wenn es um die Umwelt ginge, dürfte keine einzige us-amerikanische Monster-Dreckschleuder mehr gefahren werden; jedes Auto von VW, und sei es noch so "dreckig", ist für die Umwelt besser. Es ist ein Wirtschaftskrieg, der auch zur Einnahmenverbesserung bei den Amis beitragen soll. Mehr nicht.
Sixpack, Joe 02.07.2016
3. Made in Germany...
damit ist alles eigentlich gesagt über das Verhalten von Politik + Wirtschaft in diesem Land!
paddern 02.07.2016
4. Es ist ein Zulieferer...
er liefert das bestellt Material. Die beschränkten Amis erwarten hier mehr von einem Autozulieferer, als von ihren eigenen Rüstungsfirmen... Da wird nicht der Hersteller der Bolzen (Schusswaffen) für einen Export in ein unsicheres Land belangt. Zulieferer -> steht nicht in der schuld für Missbrauch
joG 02.07.2016
5. interessant, dass trotz der....
....Warnung Boschs an Vw in den früheren Unterlagen, dass der Einsatz der Software illegal sein könnte, sie in so vielen Autos illegal eingesetzt werden konnte, ohne Boschs wissen. Es ist undenkbar, dass Bosch nicht wusste, dass es kriminelle aktivitäten versorgte.
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