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Abgasskandal: VW ruft Manager zum Krisentreffen

Porsche-Kundenzentrum Leipzig: 400 VW-Top-Manager zum Krisentreffen geladen Zur Großansicht
DPA

Porsche-Kundenzentrum Leipzig: 400 VW-Top-Manager zum Krisentreffen geladen

Volkswagen-Chef Müller hat 400 Top-Manager zum Krisentreffen nach Leipzig bestellt. Die Themen: Rückrufe, Sparziele und die Folgen des Abgasskandals. Von deutschen und US-Behörden droht neuer Ärger.

Krisentreffen bei Porsche: Der neue Volkswagen-Konzernchef Matthias Müller will seine Führungsmannschaft auf den Kampf gegen die Folgen des Abgasskandals einschwören. Dazu versammeln sich der Nachrichtenagentur dpa zufolge 400 Top-Manager des Mehr-Marken-Konzerns bei Porsche in Leipzig.

Dort wird Müller über die Ermittlungen, die anstehenden Rückrufe und die verschärften Sparziele informieren. Nach Jahren der Feierlaune in einem Konzern auf Rekordkurs dürfte die Stimmung unter den Führungskräften diesmal angespannt sein. Nach SPIEGEL-Informationen sind mindestens 30 VW-Manager in den Skandal verwickelt, VW teilte mit, die Zahl entbehre "jeglicher Grundlage".

Während Müller seine Spitzenmanager über die nächsten Schritte informiert, droht dem Konzern weiteres Ungemach: In den USA ermitteln jetzt auch die obersten Wettbewerbshüter gegen Volkswagen. Die Handelsbehörde FTC teilte am Mittwochabend mit, sie habe sich den Untersuchungen anderer US-Behörden angeschlossen.

US-Handelsbehörde ermittelt wegen irreführender Werbung

Schon jetzt ermitteln die US-Umweltbehörde EPA sowie das US-Justizministerium gegen den Wolfsburger Autokonzern. Volkswagen droht wegen der 500.000 von dem Abgasskandal betroffenen Dieselfahrzeuge in den USA eine Strafzahlung in Höhe von bis zu 18 Milliarden Dollar.

Die FTC ermittelt nun unter anderem wegen irreführender Werbung. In den Vereinigten Staaten ist Diesel-Treibstoff teurer als normales Benzin. VW hatte daher in den USA für seine Dieselfahrzeuge mit dem Hinweis auf den geringeren Schadstoffausstoß geworben.

Kraftfahrtbundesamt plant Zwangsrückruf

Zudem verliert das Kraftfahrtbundesamt (KBA) angesichts immer neuer Enthüllungen die Geduld mit Volkswagen. Die Flensburger Behörde zwingt Volkswagen zum Rückruf von 2,4 Millionen Fahrzeugen. "Wir ordnen den Rückruf an", sagte ein KBA-Sprecher am Donnerstag. Die von VW vorgeschlagene freiwillige Reparatur lehne die Zulassungsbehörde ab.

VW hatte der Behörde Anfang Oktober einen Plan dazu vorgelegt, die mit der Betrugssoftware ausgestatteten Fahrzeuge in Deutschland in Ordnung zu bringen.

VW hatte erklärt, bei diesem Motorentyp müssten auch Hardware-Teile nachgerüstet werden, weshalb die Reparatur erst im September 2016 beginnen könne. Laut "Bild" verlangt die Behörde nun eindeutige Fristen für die Vorlage der kompletten Aufklärung und für die technische Lösung.

EU-Kommission kündigt schärfere Abgastests an

EU-Binnenmarktkommissarin Elzbieta Bienkowska forderte den Autokonzern auf, alle Fakten so schnell wie möglich auf den Tisch zu legen. "Diese Affäre muss vollständig aufgeklärt werden, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen", sagte sie der "Bild"-Zeitung. Die Offenlegung sei "im Interesse Volkswagens und der gesamten europäischen Autoindustrie".

Bienkowska kündigte zudem die Verschärfung der Abgastests zur Zulassung neuer Fahrzeuge an. "Bis Ende des Monats werden wir neue Abgastests auf den Weg bringen", sagte sie. Dabei würden "die tatsächlichen Stickstoffemissionen im Straßenverkehr" gemessen. "Die Zeit der Labortests ist vorbei", so die EU-Kommissarin.

Volkswagen hatte im September eingeräumt, bei Umwelttests von Dieselfahrzeugen in den USA die Abgaswerte manipuliert zu haben. Durch eine entsprechende Software wurde bei den Tests ein niedrigerer Schadstoffausstoß gemessen als im Normalbetrieb. Die Software wurde weltweit in elf Millionen Dieselfahrzeuge eingebaut.

Mehr zum Abgasskandal bei VW lesen Sie hier.

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insgesamt 73 Beiträge
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1. Abwrackprämie,
Forist2 15.10.2015
wann muss die von VW zurückgezahlt werden ? Schließlich gab es die für Neuwagen mit weniger Schadstoffausstoß. Oder wird da ein Auge zugedrückt, während jeder kleine Sozialbetrüger gnadenlos von der Justiz verfolgt wird ?
2. Interessant
exbb 15.10.2015
welche Schritte andere Länder erwägen oder einleiten, während in D nichts passiert. Hier wird zur Aufklärung nichts beigetragen. Nur "Erwägungen". Der Korruptionssumpf in D ist unglaublich tief. Unter dem Deckmantel des Arbeitsplatzerhalts ist alles möglich. Ich kann über den Umgang mit diesem Skandal nur den Kopf schütteln. Zum Schluss trifft es ausschließlich die, die so gutgläubig waren sich einen VW zu kaufen.
3.
romeo_mike 15.10.2015
".... Nach SPIEGEL-Informationen sind mindestens 30 VW-Manager in den Skandal verwickelt, VW teilte mit, die Zahl entbehre "jeglicher Grundlage". ...." Da hat VW wohl recht. Das sind mit Sicherheit sehr viel mehr. Denn "darin verwickelt" sind nicht nur jene, die an dieser Art von "Lösung" aktiv mitgearbeitet haben sondern auch all jene, die von diesem Betrug gewusst und nichts unternommen haben.
4. voller
Hinrich7 15.10.2015
Hochmut reagierten die gesamte Automobilen auf Hinweise und Vorschläge, schon vor 10 Jahren lagen Patenanmeldungen von Außenstehenden vor , die dieses NOX - Problem anders lösen wollten. Die Auguren in der Industrie wußten es besser, was nützt jetzt noch die stille Genugtuung - nichts.
5. Ärger?
HansPa 15.10.2015
Ärger vom Kraftfahrbundesamt? Das ich nicht lache! Das ist doch die politische Vertretung der deutschen Automobilindustrie.
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