Wolfsburg - Im VW-Untreueprozess gegen die ehemalige Geliebte von Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert haben die Richter überraschend einen Freispruch angedeutet. Das Gericht halte es für "gut möglich", dass eine Beihilfe zur Untreue nicht nachzuweisen sein wird", sagte der Vorsitzende Richter Holger Kuhlmann. Es gebe "ernsthafte Zweifel". Allerdings schränkte er ein, dass die Beweisaufnahme noch nicht abgeschlossen sei. Daher sei weiter möglich, dass das Gericht noch zu einem anderen Urteil kommt.
In dem Verfahren geht es darum, ob die aus Brasilien stammende Adriana Barros wusste, dass ihr Millionen nicht zustanden, die Volkswagen ihr im Zuge der VW-Affäre überwiesen hatte - und ob sie das billigend in Kauf genommen hat. Barros bestreitet die Vorwürfe. Sie habe für Volkswagen Filme gedreht und bei den Reisen zu Treffen mit dem Geliebten sei sie davon ausgegangen, dass Volkert bezahlte. Die beiden waren sieben Jahre lang ein Paar.
Volkert sagte vor Gericht, er habe mit Arbeitsdirektor Peter Hartz vereinbart, dass Frau Barros einen sogenannten Agenturvertrag bekommen sollte, der regelmäßige Zahlungen vorsah. Das sei seine Überlegung gewesen, nachdem er die Journalistin kennengelernt hatte. Seine Freundin habe zunächst nichts davon gewusst.
VW habe damals rund 400 Agenturen beschäftigt. Frau Barros, die in Brasilien eine kleine Filmproduktion aufbaute, sollte soziale und humanitäre Projekte dokumentieren. Reisen, auf denen sich beiden trafen, habe der Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer organisiert und sich um die Finanzierung gekümmert. "Es gab keinen Grund, da ständig nachzufragen", sagte Volkert - auch für ihn nicht.
Erinnerungslücken bei Volkert
Sieben Jahre, nachdem die Affäre im Frühsommer 2005 aufgeflogen war, und nach 22 Monaten Haft könne er sich nicht mehr an alle Einzelheiten erinnere, sagte Volkert. Häufig antwortete er mit dem Satz: "Das kann ich nicht ausschließen, weiß es aber nicht mehr." Auf die Frage, ob er sich vorstellen könnte, dass die Angeklagte durchschaut hat, wie ihre Abrechnungen mit VW im Einzelnen gehandhabt wurden, sagt er aber, das könne er sich nicht vorstellen.
Adriana Barros wird Beihilfe zur Untreue in 26 Fällen vorgeworfen. Sie habe rund 250.000 Euro einkassiert, ohne dass sie Leistungen dafür erbrachte, wirft die Anklage ihr vor. Außerdem seien weitere privat veranlasste Reise- und Hotelkosten zu Lasten von VW abgerechnet worden.
Barros war regelmäßig zu verschiedenen Orten rund um die Welt geflogen, um Volkert zu treffen, der dort als Weltkonzernbetriebsrat Sitzungen hatte. Der mächtige Ex-Betriebsratschef hatte ihr auch einen Vertrag zugeschanzt, aus dem ihr vierteljährlich hohe Zahlungen zuflossen. Sie habe dafür Filme für VW gedreht, sagte sie vor Gericht aus.
Das Verhältnis endete, als die VW-Affäre um Schmiergeld und falsche Spesenabrechnungen, Lustreisen und Partys auf Firmenkosten im Frühsommer 2005 aufflog. Volkert war der einzige von 14 Beschuldigten in dem Skandal, der ins Gefängnis musste. Gut ein Jahr und neun Monate nach Antritt seiner Strafe kam er Anfang September vergangenen Jahres wieder frei.
cte/dpa
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