Mögliche Milliarden-Strafe US-Klage belastet VW-Aktie

Neue Turbulenzen an der deutschen Börse: Die VW-Aktie ist am Vormittag regelrecht abgestürzt. Dem Autokonzern drohen wegen Verstoßes gegen Umweltgesetze neue Strafzahlungen in Höhe von mehreren Milliarden Dollar.

VW-Logo in Wolfsburg: Klage gegen Volkswagen
DPA

VW-Logo in Wolfsburg: Klage gegen Volkswagen


Eine drohende Milliardenstrafe im VW-Abgasskandal hat den Aktien des Autobauers am Dienstag zugesetzt. Der Kurs sank zeitweise um mehr als vier Prozent. Damit war VW der größte Verlierer im Dax.

Das US-Justizministerium hatte Volkswagen wegen dessen Abgasmanipulationen verklagt. Sollte die Zivilklage Erfolg haben, drohen Strafzahlungen in Höhe von bis zu 90 Milliarden Dollar.

"Nach den zuletzt wieder etwas besseren Nachrichten rund um VW ist die Klage-Ankündigung eine Erinnerung daran, dass der Abgasskandal noch nicht ausgestanden ist", schrieben die Experten von Goldman Sachs in einem Kommentar.

Der Analyst Holger Schmidt geht davon aus, dass die Strafzahlung für Volkswagen am Ende weit unter den nun im Raum stehenden 90 Milliarden Dollar liegen dürfte. Die Summe sei eher theoretischer Natur, schreibt er.

Da das Justizministerium Volkswagen beschuldige, gegen vier Paragrafen verstoßen zu haben, komme man rein rechnerisch auf eine Maximalsumme von 90 Milliarden Dollar - vorausgesetzt, der Autobauer werde wegen aller Verstöße schuldig gesprochen und müsste dafür pro Auto jeweils die Maximalstrafe strafen. "Letztlich kann man über die tatsächliche Höhe möglicher Strafzahlungen derzeit aber nur spekulieren", sagt Schmidt.

Klar scheine aus seiner Sicht allerdings, dass die USA entschlossen sind, aus dem Fehlverhalten von VW ihren Nutzen zu ziehen und die Position des Konzerns in Amerika weiter zu schwächen.

Die Aktien von Volkswagen zählten auch im gesamten vergangenen Jahr zu den großen Verlierern an der Börse. Mit einem Abschlag von knapp 28 Prozent zählten sie zu den schwächsten Dax-Werten.

ssu/Reuters



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 87 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
herm16 05.01.2016
1. ja,
Goldmann Sachs dann ist alles klar.
prophet46 05.01.2016
2. Abzocke
Wenn diese 90 Mrd. $ Strafzahlung wirklich wirksam würden, wäre VW vermutlich technisch pleite und die Aktionäre, vor allem der Porsche/Piech-Clan würden ihre gesamten Einlagen verlieren, das Unternehmen müsste wie unlängst GM vom Staat aufgefangen werden. Es ist unzweifelhaft, dass die Amerikaner ihre verschiedenen "Acts" als Kampfwaffe u.a. gegen unliebsame Konkurrenz einsetzen. Zuletzt war es BP, die absurde 50 Mrd. € für den Ölunfall im Golf abdrücken mussten (Clear Water Act). Jetzt wird VW mit dem "Clear Air Act" wohl ausgenommen. Wäre ja alles i.O., wenn Amerika die gleichen Maßstäbe für sich gelten lassen würde. Das tun sie aber nicht. Für die Finanzkrise 2008 könnte Amerika von der übrigen kapitalistischen Welt mit Hunderten Milliarden in Haftung genommen werden. Die Klageindustrie in den USA dürfte übrigens neben dem Bankensektor einer der profitabelsten Geschäftszweige sein und Strafzahlungen entwickeln sich zunehmend zum berüchtigten Geschäftsmodell des amerikanischen Staates.
auweia 05.01.2016
3. Reziprozität
Ok. VW hat betrogen, Strafe, auch Geldstrafe, muß sein. Aber warum nur landet das Geld in den Kassen der US-Administration? Hätten Deutschland, oder meinetwegen die EU die Kohle nicht besser verwenden können? Ein entsprechendes Unternehmensstrafrecht fehlt in D und EU. Wenn das mal da ist wäre eine vergleichbare Klage aus Brüssel auch gegen US-Multis möglich (etwa aus Datenschutzgründen) und dann könnte das Geld mal in die andere Richtung fließen. Und die Schwächung von Microsoft oder Google oder Apple (oder Huawei) nehmen wir gerne in Kauf.
L!nk 05.01.2016
4.
Wenigstens die Amis nehmen das ernst. Vom Verhalten unserer Regierung bin ich wirklich entsetzt. Im großen Stil Kunden betrügen und Umwelt verpesten - (aber wehe, es pinkelt jemand an einer Raststätte in die Büsche).
windpillow 05.01.2016
5. Turbulenzen? - Wurscht!
Da die -einestages- tatsächliche zu zahlende Strafe für VW wahrscheinlich nur ein Bruchteil der heute vom US-Justizministerium geforderten Strafe sein wird, nehme ich an, daß der VW-Konzern danach mit Lügen und Betrügereien munter weitermachen wird, denn eine irgendwann -mögliche- neue Strafe, kann aus der VW-Portokasse bezahlt werden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.