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Übermächtiger VW-Konzernlenker: Vom Piëch verfolgt

Ferdinand der Mächtige: VW-Patriarch Piëch demontiert Konzernchef Winterkorn Zur Großansicht
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Ferdinand der Mächtige: VW-Patriarch Piëch demontiert Konzernchef Winterkorn

Eine Äußerung von ihm kann Karrieren zerstören. Wenn VW-Patriarch Ferdinand Piëch spricht, dann knapp, kühl und wohl kalkuliert; wer sich seinen Unmut zuzieht, hat verloren. Jetzt hat der "Göttervater" seinen Ziehsohn, Konzernchef Winterkorn, verstoßen.

Zu Martin Winterkorn, schrieb das "manager magazin" vor ein paar Jahren, kam das Glück in Gestalt des Ferdinand Piëch. Vor mehr als 30 Jahren hatte Piëch den jungen Manager von Bosch zu Audi geholt, jetzt steht Winterkorn an der Spitze von Volkswagen und wird mit dem höchsten Gehalt aller Dax-Vorstände entlohnt. Über ihm steht als Aufsichtsratschef allerdings immer noch: Piëch.

Und jetzt scheint ihn das Glück zu verlassen.

Jahrelang schien kein Blatt zwischen die beiden Männer zu passen, sie besprachen sich zu zweit und schienen sich bedingungslos zu vertrauen. Winterkorns Weg sei vorgezeichnet, hieß es bei Beobachtern: Bis 2018 bleibe er Konzernchef, falls das Sparprogramm wirkt, könnte er eventuell etwas früher an einen Jüngeren übergeben. Piëch würde sein Mandat bis 2017 erfüllen, hieß es immer, danach werde er wohl als Aufsichtsratschef abtreten. Nachfolger, das schien klar, dürfte Winterkorn werden

Das sagt jetzt keiner mehr.

Das Ende der Vertrauensbeziehung läutete Ferdinand Piëch mit einem der für ihn typischen, knappen Sätze ein: "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn", sagte der VW-Patriarch dem SPIEGEL. Und serviert seinen Ziehsohn damit gleichsam aus der Ferne ab. Piëch-Sentenzen dieser Art sind Legende. Im Jahr 2009, mitten im Übernahmekampf mit Porsche, sagte Piëch auf die Frage, ob der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking sein Vertrauen genieße: "Zur Zeit noch. Streichen Sie das 'noch'!"

Seinen Nachfolger an der Konzernspitze, Bernd Pischetsrieder, servierte Piëch auf ähnliche Weise ab: Auf Nachfragen zur Vertragsverlängerung des VW-Chefs lächelte Piëch nur und schwieg - während Pischetsrieder neben ihm saß.

Wenig später antwortete er dann doch: Im Aufsichtsrat sei das Stimmenverhältnis zehn zu zehn, sagte er im Frühjahr 2006 dem "Wall Street Journal". Die zehn Arbeitnehmervertreter seien gegen Pischetsrieder. Und er kenne kein deutsches Unternehmen, in dem jemand an der Spitze überlebe, der diese zehn Stimmen gegen sich hat. Ein Dreivierteljahr später war Pischetsrieder Geschichte.

Ein technikversessener Ingenieur und sein Lebenswerk

Piëch, der 77 Jahre alte Enkel des legendären Autokonstrukteurs Ferdinand Porsche, sieht VW als sein Lebenswerk, über das er bis zum Ende bestimmen will. Aus dem einstigen Übernahmekandidaten formte er einen Weltkonzern. Ferdinand Karl Piëch, so sein voller Name, war selbst von 1993 bis 2002 Konzernchef und überwacht das Unternehmen seitdem als Aufsichtsratschef.

Über Stationen bei Porsche und Audi kam Piëch nach Wolfsburg - und er ist jemand, der auch einen Motor zusammenschrauben kann. Piëch graduierte 1962 mit einer Arbeit über Formel-1-Motoren zum Diplom-Ingenieur. Der Maschinenbauer gilt als technik- und qualitätsversessen. Privat segelt er gerne, beschäftigt sich mit fernöstlicher Kultur und japanischer Ethik.

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Volkswagen: Imperium auf Rädern
Bei der am Ende für VW siegreichen Schlacht gegen Porsche galt Piëch als derjenige, der das gesamte PS-Imperium zusammenhalten konnte. Menschen, die Piëch gut kennen, beschreiben ihn als einen, der mit dem Nimbus des Machtmenschen zuweilen auch hadert. Er sei gar nicht so, wie die Medien ihn zeichneten, sagte er so manchem.

Managementmotto: Ein Einzelner an der Spitze lenkt alles

In der Öffentlichkeit erscheint er meistens in Begleitung seiner Ehefrau Ursula, genannt Uschi, mit der er drei Kinder hat. Rechtzeitig holte er sie in den VW-Aufsichtsrat, ebenso bei der VW-Renditeperle Audi. Seine Nachfolge soll sie aber nicht antreten. Die Entscheidung darüber falle erst im Jahr 2017, "kurz vor meinem Ausscheiden", hatte Piëch dem SPIEGEL gesagt. Allerdings ergänzte er: Die Kandidaten seien bereits im Unternehmen. Der Patriarch hat die Zukunft von VW wohl doch schon entschieden - aber behält seinen Plan noch für sich.

Die Familien Porsche und Piëch sind Großaktionäre bei Volkswagen, sie kontrollieren mehr als die Hälfte der VW-Stammaktien. Über das Erfolgsrezept für gelungene Konzernführung sagt Piëch in seiner Autobiografie: "Die Vorstellung einer höchstkarätigen inneren Mannschaft von fünf bis zehn Leuten, deren Zusammenspiel wiederum nur ein Einzelner im Detail lenkt, hat mich ein Leben lang nicht losgelassen." Dieser starke Fokus auf Einzelne, der sich in dem Tandem Winterkorn-Piëch ausdrückte, ist allerdings hoch umstritten.

In jüngerer Zeit drehten sich auch VW-interne Debatten um das Erfolgsrezept für die Führung des Auto-Imperiums. VW müsse Strukturen verstärkt infrage stellen, sagte VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh. Nicht alles lasse sich von Wolfsburg aus steuern.

Was nach der Ära Piëch kommt, ist seit Jahren eines der Top-Themen in der Autowelt - nach der Demontage Winterkorns ist die Antwort auf diese Frage ungewisser denn je.

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nck/dpa

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insgesamt 110 Beiträge
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1. kein Wunder
Anton Waldheimer 11.04.2015
Das einzige was mich wundert ist, dass Winterkorn und Piech es so lange geschafft haben. Das was Pischetsrieder und Bernhard geschaffen haben ist jetzt verbraucht und die von Piech eingesetzte Spitze wird wirksam. Man darf nicht vergessen, dass Piech als er Ende der neunziger Jahre abtrat auch einen kriselnden Konzern hinterließ, der jetzt wieder verpiecht ist.
2. stimmt so nicht
Anton Waldheimer 11.04.2015
Der Bericht stimmt so nicht, Pischetsrieder wurde damals verlängert, aber ein Jahr später von Piech in einer neuen und separaten Aktion gestürzt. Pischetsrieder (+ Bernhard) scheiterte(n) nicht an den Arbeitnehmern sondern an Piech, mit für VW sehr schmerzhaften Folgen.
3.
g.hilger 11.04.2015
dieser herr p. gehört meines erachtens aus dem verkehr gezogen. vor zig-jahren war die firma porsche mehr tot als lebendig, die insolvenz stand vor der tür. glückliche umstände haben zum überleben dieses unternehmens geführt. die familien porsche und piech wären heute das, was frau schickedanz jetzt ist. also, etwas bescheidenheit würde diesem herrn piech gut tun. zig jahrelang die erfolge von dem vorstand genossen und sich in dem erfolg dieser menschen, die ihr bestes geben, gebadet und kaum endet mal eine unternehmerische entscheidung nicht in dem erwarteten ergebnis, den daumen senken! pfuih herr piech!
4. Affentheater Made in Germany
huettenfreak 11.04.2015
Und genau deshalb werde ich nie einen Wagen aus dem VW-Konzern kaufen. Leute, schaut euch das gut an, dieses Affentheater bezahlt ihr alle mit. Dabei wäre es wichtig das Geld endlich wieder ins Produkt zu stecken. Hochmut kommt vor dem Fall...
5. Ewiges Leben
rentner2012 11.04.2015
hat auch der Patriarch nicht, ob er das weiß? Nach früherem Zorn habe ich heute nur noch Mitleid mit diesen so-bzw. selbsternannten Topmanagern.
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