VW, Daimler und BMW China rettet der deutschen Autoindustrie die Rekorde - noch

Jedes dritte deutsche Auto wird in China verkauft, nur deshalb konnten die Autokonzerne VW, Daimler und BMW 2018 einen Absatzrekord vermelden. Doch ausgerechnet in diesem wichtigsten Markt sieht es für die Zukunft düster aus.

VW-Fahrzeuge in Shanghai (Archivbild)
DPA

VW-Fahrzeuge in Shanghai (Archivbild)


China ist für die deutschen Autokonzerne zum Lebensretter geworden: 5,5 Millionen Pkw haben die Hersteller VW, Daimler und BMW im Jahr 2018 auf dem wichtigsten Automarkt der Welt verkauft. Das waren 35,6 Prozent ihres weltweiten Absatzes. Diese Zahlen gehen aus einer neuen Studie der Unternehmensberatung EY hervor.

Im Klartext bedeutet das: Jedes dritte Auto, das weltweit von einem deutschen Hersteller produziert wird, wird mittlerweile in China verkauft. Man kann die Bedeutung des dortigen Markts also gar nicht hoch genug einschätzen. Ohne China wären die immer neuen Rekorde der deutschen Autokonzerne in den vergangenen zehn Jahren kaum möglich gewesen.

Umso besorgniserregender ist für VW, Daimler und BMW die jüngste Entwicklung am chinesischen Automarkt: Erstmals seit mehr als 20 Jahren wurden 2018 in China nämlich weniger Autos als im Jahr zuvor verkauft. Um knapp vier Prozent brach der Gesamtabsatz dort ein - ein dramatischer Einschnitt in einem jahrelang boomenden Markt.

Für die deutschen Hersteller gab es 2018 in China nach neuesten Zahlen zwar noch ein kleines Plus von zwei Prozent - in den letzten drei Monaten des Jahres ging es aber auch für sie stark nach unten, um rund sechs Prozent.

"Dunkle Wolken am Himmel"

Hintergrund ist die allgemein schwächelnde Wirtschaft in China. Im letzten Quartal des vergangenen Jahres wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gerade mal noch mit 6,4 Prozent - und damit so langsam wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Zum einen bremst der Handelsstreit mit den USA die Wirtschaft. Zum anderen beobachten Experten auch eine gewisse Sättigung auf vielen chinesischen Märkten: Irgendwann hat jeder aus der chinesischen Mittelschicht nun mal ein Auto und ein Smartphone gekauft. Da muss dann nicht gleich das nächste her. Zumal die chinesische Staatsführung den Autoboom in den vergangenen Jahren mit Steuervergünstigungen angeheizt hatte, die mittlerweile ausgelaufen sind.

Was aber bedeutet das für die deutschen Autohersteller? Besonders wichtig ist China für den VW-Konzern, der 40 Prozent seiner Pkw inzwischen dort absetzt. Daimler und BMW kommen auf 28 beziehungsweise 26 Prozent. Ein Ende dieser Entwicklung würde aber alle drei hart treffen.

"Angesichts des sehr schwachen Jahresendes auf dem chinesischen Pkw-Markt bereitet sich die Branche auf ein schwieriges Jahr 2019 vor", sagt Peter Fuß, Partner bei EY. "Es ist derzeit völlig unklar, ob der Absatzrückgang anhält, oder ob sich der Markt wieder erholt. Wir sehen dunkle Wolken am Himmel, wissen aber nicht, ob es tatsächlich ein Gewitter gibt."

Vieles wird wohl davon abhängen, ob es der chinesischen Führung gelingt, die Wirtschaft insgesamt wieder auf Kurs zu bringen. In den vergangenen Jahren hatte sie das Wachstum auch dadurch gebremst, dass sie die ungehemmte Kreditvergabe und damit den Schuldenaufbau der Unternehmen und Verbraucher eindämmte. Nun könnte sie die Zügel wieder etwas lockerer lassen.

"Die chinesische Regierung hat bereits in früheren Schwächephasen eingegriffen und etwa mit Steuervergünstigungen den Neuwagenmarkt angekurbelt", sagt EY-Partner Fuß. "Und derzeit sieht es so aus, dass es wieder milliardenschwere Konjunkturprogramme geben könnte, von denen dann auch der Pkw-Markt profitieren dürfte."

stk



insgesamt 64 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Beijinger 10.02.2019
1. Ich habe mir gerade
einen neuen Audi Q5 L 4,0 TSFI bei einem Pekinger Audi Dealer gekauft, satter Neuwagenrabatt und für den 8 Jahre alten A5 Sportback mit 122 k auf der Uhr gab es auch einen akzeptablen Preis. Z.Zt. also klarer Käufermarkt, völlig anders als in 2011, als ich den A5 kaufte. Auf die Frage nach einem Rabatt hat mich der Verkäufer seinerzeit nur mitleidig angelächelt und mich gefragt, ja, wollen sie jetzt den A5 kaufen, wenn nicht, da stehen schon andere Kunden.
udo l 10.02.2019
2. Ein Fehler in der Wachstumsphilosophie
wird wohl immer noch verdrängt. Irgendwann ist der Markt gesättigt. Auch wenn es im Chinageschäft im Moment wohl die momentane Wirtschaftsschwäche ist, so täuscht doch dies nicht darüber hinweg, dass die alten Geschäftsfelder Europa und auch schon z.T. die USA kein wirklichen wachsenden Markt mehr hergeben. Wie lange dürfte wohl ein Auto noch benutzt werden, um immer weiter wachstum zu generieren? 5 Jahre? oder vielleicht doch nur 4 oder besser nur 3Jahre?
juba39 10.02.2019
3. Wieder nur die halbe Wahrheit!
Es fehlt nämlich völlig die zunehmende eMobilität in China. Und wenn wir schon von Staatswirtschaft in China reden.Nach der Einführung von knallharten Quoten für eAutos kam eine dringende Bitte um Ausnahmen für deutsche Anbieter, die einfach nicht genug eAutos liefern konnten. Glaubt noch jemand, nach dem ständig drohendem Aus für Huawei, wieder mal auf US-Druck, daß die Chinesen noch einmal solchen Rabatt gewähren werden? Ich würde es zumindest der deutschen Autoindustrie wünschen, einmal Protektionismus a la USA kennenzulernen. Vermutlich wird es dann sehr schnell gehen, mit der Zulassung von Huawei für 5G! (Zumal ja nachweislich von denen weniger Gefahr ausgeht, als von Cisco und Co.)
michael.romannowski 10.02.2019
4. ökologischer Umbau
China wird gerade ökologisch umgebaut. da wird es schwer für die deutschen Schummelautos. ein attraktives E-Auto fehlt und sich ein Hybrid gibt's auch nicht.
Dr. Kilad 10.02.2019
5. Verstehe ich nicht (mehr):
Warum fängt man trotzdem mit China einen Handelskrieg an? Bereits bei der KUKA fand sich niemand außer den Chinesen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.