Dieselskandal Porsche SE zu Millionenzahlungen verurteilt

Die VW-Dachgesellschaft Porsche SE soll in der Dieselaffäre die Anleger zu spät informiert haben. Dafür verurteilt das Landgericht Stuttgart die Holding nun zu Schadensersatz in Millionenhöhe.

Logo von Porsche SE (Archiv)
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Eine Zivilkammer des Landgerichts Stuttgart hat die VW-Dachgesellschaft Porsche SE in drei Fällen zu Schadensersatz in Höhe von insgesamt rund 50 Millionen Euro verurteilt.

Die Holding habe im Zuge des VW-Dieselskandals gegen Publizitätspflichten verstoßen, teilte Richter Fabian Reuschle mit. Der frühere VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn habe seine Pflichten mindestens grob fahrlässig verletzt.

Die Kanzlei Nieding + Barth erstritt eigenen Angaben zufolge 3,2 Millionen Euro für den Pensionsfonds der britischen Stadt Wolverhampton. Den von Rechtsanwalt Josef Broich vertretenen Anlegern habe das Gericht 44 Millionen Euro zugesprochen, teilte deren Partnerkanzlei Tilp mit. Die Kläger werfen Porsche SE vor, sie im September 2015 zu spät über den Dieselskandal und dessen finanzielle Folgen für VW informiert zu haben.

Porsche SE will in Berufung gehen

Die Entscheidungen sind noch nicht rechtskräftig. Porsche SE hält die Mehrheit der Anteile an Europas größtem Autohersteller.

Die Porsche SE wies die Klagen als unbegründet zurück und hatte bereits früher mitgeteilt, gegen ein Schadensersatzurteil Rechtsmittel einlegen zu wollen. Zur Zeit des Dieselabgasbetrugs war VW-Chef Martin Winterkorn zugleich Vorstandschef der Porsche SE, über welche die Familien Porsche und Piech ihre Stimmrechtsmehrheit an Volkswagen halten.

Das Gericht folgte den Anwälten zufolge der Argumentation der Kläger, wonach Winterkorns Wissen als VW-Chef auch der Porsche SE bekannt gewesen sein müsste. Eine Gewinnwarnung hätte es schon im Mai 2014 geben müssen.

Die Holding dagegen erklärte, es bestehe eine Verschwiegenheitspflicht zwischen den Vorständen der beiden Unternehmen, sodass Winterkorn die Holding über VW-Interna nicht in Kenntnis setzen musste.

Vor dem Landgericht Stuttgart sind mehrere Schadensersatzklagen von Anlegern gegen die Porsche SE anhängig. Offen ist nach wie vor, ob die Verfahren überhaupt in Stuttgart verhandelt werden dürfen oder eigentlich dem Musterverfahren in Braunschweig zugerechnet werden müssten.

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brt/dpa/Reuters

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