Revirement VW-Aufsichtsrat zieht Beratungen vor - Sanz' Posten wackelt

Der Aufsichtsrat von Volkswagen hat seine Beratungen über die Neuordnung des Vorstands um einen Tag vorgezogen. Nach SPIEGEL-Informationen muss jetzt auch Einkaufschef Garcia Sanz um seinen Posten fürchten.

VW-Werk in Wolfsburg
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VW-Werk in Wolfsburg


Wenn alles so läuft, wie sich die Konzernstrategen im Hintergrund das wünschen, könnte VW -Markenchef Herbert Diess bereits am heutigen Donnerstag zum Nachfolger des amtierenden Vorstandsvorsitzenden Matthias Müller bestimmt werden.

Wie der SPIEGEL aus Kreisen um den Aufsichtsrat erfuhr, wird das Revirement sogar noch umfangreicher ausfallen, als bisher bekannt. Konkret geht es um eine mögliche Ablösung von Francisco Javier Garcia Sanz, der für das Ressort Beschaffung zuständig ist.

Auf der Habenseite könne der Manager seine Erfolge in den Verhandlungen mit den US-Behörden im Zusammenhang mit dem Abgasskandal ins Feld führen. Auf der anderen Seite sei er aber für die massiven Probleme mit dem Zulieferer Prevent verantwortlich. 2016 war die Produktion in einigen VW-Werken beinahe zum Erliegen gekommen, weil Sanz keine Einigung mit Prevent erzielen konnte - oder eine zu starke Abhängigkeit von dem einen Lieferanten zugelassen hatte.

Einkaufsvorstand Francisco Javier Garcia Sanz
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Einkaufsvorstand Francisco Javier Garcia Sanz

Gunnar Kilian könnte Personalvorstand werden

Auch seine großzügige Inanspruchnahme der firmeneigenen Flugbereitschaft ist den Verantwortlichen noch in Erinnerung. Ende vergangenen Jahres hatte Sanz knapp 950.000 Euro an den Konzern zurückgezahlt, nachdem Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch die Reiseabrechnungen für unstatthaft erklärt hatte.

Lkw-Geschäft soll nach München umziehen

Eine weitere Personalie betrifft Gunnar Kilian. Der bisherige Generalsekretär im Betriebsrat soll neuer Personalchef werden und damit Karlheinz Blessing folgen. Möglich ist auch, dass Vorstandschef Müller im Konzern bleibt und eine neue Funktion erhält. Der reguläre Vertrag des 64-Jährigen läuft noch bis 2020.

Auch eine Neufassung wichtiger Strukturen sei angedacht, bekräftigten Quellen aus dem Umfeld des Konzerns. Wie konkret diese Pläne bereits auf der Aufsichtsratssitzung diskutiert oder gar beschlossen werden könnten, blieb jedoch zunächst unklar.

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Konzernumbau: Herbert Diess' Weg an die Volkswagen-Spitze

Nach SPIEGEL-Informationen sollen die einzelnen Marken in vier Gruppen aufgeteilt werden - für Volumenmodelle (Kernmarke VW, Skoda, Seat), Oberklasse-Autos (Audi), Sportwagen unter dem Projekt-Namen "Super-Premium" (Porsche, Bugatti, Bentley, Lamborghini) und Nutzfahrzeuge (MAN, Scania, leichte Nutzfahrzeuge). In der Debatte ist seit Längerem auch eine separate Ausgliederung des Lkw-Geschäfts mitsamt eigenem Börsengang oder eine Holdingstruktur.

Bei den schweren Nutzfahrzeugen wiederum steht Konzernkreisen zufolge ein Umzug der Verwaltungszentrale von Braunschweig nach München an. Auch ein Börsengang der Sparte mit Scania und MAN gilt als möglich. Niedersachsens SPD-Ministerpräsident Stephan Weil hatte sich für einen Verbleib der Sparte in Braunschweig stark gemacht. München ist aber auch bereits die Heimat von MAN.

Entscheidungen delegieren

Am Dienstag hatte VW überraschend einen Umbau der Führungsetage angekündigt, die Angaben waren aber noch sehr vage geblieben. Aus Aufsichtsratskreisen hieß es, dem seit Herbst 2015 amtierenden Vorstandschef Müller werde intern Entscheidungsschwäche vorgeworfen. Der geplante Umbau soll demnach einen "Aufbruch" beim weltgrößten Autokonzern ermöglichen. Dies gehe unter Müller nicht schnell genug.

Der 59-jährige Diess galt bereits seit Längerem als ein möglicher Nachfolger Müllers. In seiner Zeit als Chef der Marke VW mit Modellen wie Golf oder Passat hat er die Effizienz bei den ertragsschwachen Wolfsburgern bereits verbessert. Er scheut auch Konflikte mit dem Betriebsrat nicht, gilt in Teilen der Belegschaft aber auch als umstritten.

Den letzten tiefgreifenden Umbau an der Konzernspitze hatte Volkswagen 2012 vollzogen. Damals vertiefte der Konzern unter anderem die Allianz seiner Nutzfahrzeuggeschäfte, baute die Aktivitäten in China aus und besetzte Dutzende Managementpositionen neu - bei VW selbst, aber auch bei Audi, den leichten Nutzfahrzeugen, Bentley und in anderen Bereichen.

"Dieselgate" erhöhte dann den Druck, Kosten einzusparen. 2015 wurde eine Trennung von Konzern- und Markenfunktionen angeschoben. Die Verantwortung der Vertriebsregionen wurde ebenfalls gestärkt. So schuf VW eine eigene Marktregion Nordamerika, wo die Kernmarke lange der Konkurrenz hinterherfuhr. Später rief Müller die "Strategie 2025" aus - ein Ziel war der Abbau des Zentralismus im VW-Reich. "Es ist jetzt auch möglich, die Dinge zu delegieren", sagte er 2016.

mik/sh/apr/dpa



insgesamt 7 Beiträge
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wolfi55 12.04.2018
1. Bei Sanz gibt es noch andere Gründe
Ist der nicht Vorstand vom VfL Wolfsburg und damit mit für die Misere verantwortlich? Erzähl mir niemand, dass so etwas nicht den Ausschlag gibt. Es geht bei Fußball nicht um Leben und Tod, es geht um viel mehr. Ehre und Selbstbestätigung ist das Zauberwort.
claus7447 12.04.2018
2.
VW und ihre Einkaufsvorstände. Mit Lopez fing die Misere an. Preise drücken auf Teufel komm raus. Noch heute hat die Brnche nicht verstanden, dass man sich im Regelfall mehrfach im Leben trifft. Aber was solls. Dies Konzerne sind der Ansicht, dass Liferanten eigentlich Geld bezahlen müssten, dass sie an sie liefern dürfen.
Fuscipes 12.04.2018
3.
Zitat von wolfi55Ist der nicht Vorstand vom VfL Wolfsburg und damit mit für die Misere verantwortlich? Erzähl mir niemand, dass so etwas nicht den Ausschlag gibt. Es geht bei Fußball nicht um Leben und Tod, es geht um viel mehr. Ehre und Selbstbestätigung ist das Zauberwort.
"Es geht bei Fußball nicht um Leben und Tod, es geht um viel mehr", das macht mich neugierig? Fußball ist alles Markenwerte und Leitbild des VfL Nachhaltig – wir sind nicht auf kurzfristige Erfolge und Partnerschaften ausgerichtet. Sie sollen vielmehr aus gesundem Wachstum entstehen. In unserer täglichen Arbeit achten wir darauf, Umweltressourcen zu schonen. https://www.vfl-wolfsburg.de/info/ueber-uns/fussball-gmbh/fussball-ist-alles.html Die Spielstätte der Wölfe Das Selbstverständnis dieser Leute hat Kratzer bekommen.
ambulans 12.04.2018
4. das
ist jetzt schon der zweite spanier (wieder einkauf!), der bei VW "auffällt" - zum glück bleibt die grundsätzliche entscheidungskompetenz ja wenigstens (wahrscheinlich) in westdeutscher oder österreichischer hand ...
Igla 12.04.2018
5. Die Zahlen sind exzellent.
Offenbar geht es um einen Machtkampf, in dem sogar hingenommen wird, dass die Zahlen sich verschlechtern. Ändern nur um zu ändern, ist Blödsinn.
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