Tests mit Dieselabgasen VW entschuldigt sich für Versuche an Affen

Zehn Affen wurden in einem US-Labor stundenlang Dieselabgasen ausgesetzt - um zu zeigen, wie gut Abgasreinigung made in Germany funktioniert. VW hat sich nun entschuldigt.

Verdrecktes Volkswagen-Logo am VW-Werk in Wolfsburg
DPA

Verdrecktes Volkswagen-Logo am VW-Werk in Wolfsburg


Wie unschädlich sind die angeblich sauberen Dieselmotoren aus Deutschland? Um diese Frage zu beantworten, hatte eine von Volkswagen, Daimler und BMW finanzierte Lobbygruppe eine Untersuchung in Auftrag gegeben. Dabei mussten zehn Affen stundenlang Dieselabgase einatmen.

Dafür hat Volkswagen nun um Entschuldigung gebeten. "Wir sind der Überzeugung, dass die damals gewählte wissenschaftliche Methodik falsch war. Es wäre besser gewesen, auf eine solche Untersuchung von vornherein zu verzichten", teilte der Konzern mit. Volkswagen distanziere sich klar von allen Formen der Tierquälerei. "Wir entschuldigen uns für das Fehlverhalten und die Fehleinschätzung Einzelner."

Die Tests mit den Affen waren Teil einer Studie, die beweisen sollte, dass die Diesel-Schadstoffbelastung dank moderner Abgasreinigung erheblich abgenommen hat. Das US-amerikanische Lovelace Respiratory Research Institute führte die Untersuchung durch, Auftraggeber war die von den deutschen Autobauern finanzierte Lobbyorganisation EUGT ("Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor"). VW war laut dem Studienleiter dabei federführend. Die 2007 von BMW, Daimler, Volkswagen und Bosch gegründete EUGT wurde Mitte 2017 aufgelöst.

VW-Großaktionär Niedersachsen teilte mit, die Vertreter des Landes im Aufsichtsrat drängten auf vollständige Aufklärung der Geschehnisse aus dem Jahr 2014, von denen sie durch die Medien erfahren hätten. Außerdem müsse sichergestellt werden, dass nie wieder vergleichbare Studien in Auftrag gegeben werden. "Zehn Affen stundenlang mutwillig Autoabgase einatmen zu lassen, um zu beweisen, dass die Schadstoffbelastung angeblich abgenommen habe, ist widerlich und absurd", sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD).

Die Experimente mit den Affen waren durch eine Recherche der "New York Times" öffentlich geworden. Die Zeitung berichtete, 2014 seien die Tiere vier Stunden lang in Räumen mit Auspuffgasen eines - mit manipulierter Abgastechnik ausgestatteten - VW Beetle eingesperrt gewesen.

ulz/dpa



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