Umrüstungen wegen Abgasskandal EU erhöht Druck auf Volkswagen

Bis wann sind alle vom Dieselskandal betroffenen Autos nachgerüstet? Auf diese Frage fordern EU-Behörden jetzt von Volkswagen eine verbindliche Antwort. Auch in der Schweiz wächst durch eine Klage der Druck.

VW-Diesel (Archiv)
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VW-Diesel (Archiv)


Im Diesel-Skandal erhöhen die europäischen Verbraucherschutzbehörden und die EU-Kommission den Druck auf Volkswagen Chart zeigen, alle gut acht Millionen betroffenen Fahrzeuge rasch zu reparieren. In einem gemeinsamen Schreiben an den Konzern fordern die Behörden, der deutsche Autobauer solle binnen eines Monats bestätigen, dass die Nachrüstung wie versprochen im Herbst 2017 abgeschlossen werde. Andernfalls drohten Schritte in einzelnen Mitgliedstaaten.

Den nationalen Verbraucherschutzbehörden sei aufgefallen, dass viele der Autos noch nicht nachgerüstet seien, teilte die EU-Kommission mit. Es geht um Autos, die wegen manipulierter Testverfahren die Vorgaben für ihre Zulassung eigentlich nicht erfüllen. Volkswagen müsse alle Wagen so instandsetzen, dass sie den Zulassungsregeln entsprechen, sagte EU-Kommissarin Vera Jourova.

Zudem müsse der Konzern eine Garantie abgeben, falls nach den Reparaturen Probleme aufträten. Die Kunden sollten einzeln und schnellstmöglich über die Reparatur informiert werden. Außerdem solle ihnen in allen Details dargelegt werden, wozu die Nachrüstung nötig ist, was sie bedeutet und was die Folgen wären, wenn das Auto nicht in die Werkstatt käme.

VW hatte zugesagt, bis Herbst 2017 alle mit Manipulations-Software ausgestatteten Fahrzeuge auf eigene Kosten zu reparieren und arbeitet laut eigenen Aussagen an der Umsetzung. "Die Verbraucherverbände können sicher sein, dass wir auch in den nächsten Monaten mit Nachdruck dafür sorgen werden, dass die Zusagen aus dem Aktionsplan eingehalten werden", sagte ein Unternehmenssprecher.

Klage in der Schweiz

Auch in der Schweiz gehen Verbraucherschützer gegen VW und den dortigen Generalimporteur Amag vor. Die Stiftung SKS reichte in Zürich wegen der Abgas-Manipulationen Klage ein. Rund 180.000 VW-Fahrer sollten nach ihrem Willen bis zu 7000 Franken (gut 6100 Euro) Schadensersatz erhalten, teilte die Stiftung mit. Der Vorwurf lautet auf Irreführung. VW und Amag hätten die Käufer widerrechtlich getäuscht.

Da es nach Schweizer Recht keine Sammelklagen wie etwa in den USA gibt, setzt die Stiftung zunächst auf eine sogenannte Verbandsklage. Richter sollen dabei feststellen, ob mit den Abgasmanipulationen schweizerisches Recht verletzt wurde. Bei einem positiven Bescheid folge die eigentliche Klage auf Schadenersatz, sagte SKS-Geschäftsführerin Sara Stalder.

Die Amag hatte die Vorwürfe schon in der vergangenen Woche zurückgewiesen. Weder liege eine widerrechtliche Täuschung vor, noch sei den Fahrern tatsächlich ein Schaden entstanden. Die Amag habe selbst erst im September 2015 aus den Medien von den Vorwürfen gehört und den Verkauf möglicherweise betroffener Neuwagen sofort gestoppt.



insgesamt 14 Beiträge
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hektor2 07.09.2017
1. Schade
So leid es mir um mögliche Arbeitsplatzverluste tut: VW gehört eine EU-Milliardenstrafe auf's Auge gedrückt und die verantwortlichen Manager/Ing. wegen des schweren Eingriffs in den Straßenverkehr in Haft! Für mich ist VW die unkaufbare Automarke, aber das ist sie schon, seit ich weiß, dass diese technisch mittelmäßigen und überteuerten Fahrzeuge dazu dienen, dem Management ausgedehnte Puff-Reisen zu finanzieren.
denkdochmal 07.09.2017
2. Ich würde gern...
die Motivation "der USA" für die Aktionen gegen deutsche Diesel-Hersteller erfahren. Bislang sind mir keinerlei ähnliche Maßnahmen gegen nichtdeutsche Diesel-Hersteller bekannt. Sei es wie es sei, man muß geradezu dankbar für diese Enthüllungen und die Verfolgung der Übeltäter sein, besonders wenn man sich anschaut, wie verwerflich man in D mit den Betrogenen umgeht und wie pfleglich die Verursachter behandelt werden. Das stellt mein Rechtsempfinden auf den Kopf. Fakt ist aber auch, das nichtdeutsche Hersteller, die Ähnliches auf dem Kerbholz haben, ermittelt, bekannt gemacht und auch angemessen zur Rechenschaft gezogen werden müsssen. Warum das bislang nicht geschieht, ist mir ein Rätsel. Besonders das Verhalten der sonst so "wachsamen" EU gegenüber diesem Sachverhalt macht stutzig.
ardbeg17 07.09.2017
3. @hektor 2 #1
nicht das Management, sondern der Betriebsrat bekam die Lustreisen. Damit wurde z.B. die Zustimmung zur Arbeitszeit-Flexibilisierung und vorübergehenden 4-Tage -Woche erkauft, als VW Anfang der 90er kurz vor der Pleite stand. Also schließen sie in ihr Abscheu die Gewerkschaftsseite mit ein.
spontanistin 07.09.2017
4. Mündige Verbraucher!
Nicht VW sondern der Fahrer der dreckigen Dieselfahrzeuge verursacht die Umweltverschmutzung und die hohen Schadstoffekonzentrationen in den Innenstädten - insbesondere im Kurzstreckenverkehr mit abgeschaltetem Abgasreinigungssystem sowie bei Thermofenster-Bedingungen. Daran ändert auch ein SW-Update nichts. Fahrverbote gibt es heute schon (Umweltzonen) und werden kurzfristig signifikant zur Problemlösung beitragen - neben Hardwarenachrüstungen wie von Twintec.
ganzeinfach 07.09.2017
5. Mehr Druck auf die Rosstäuscher
wäre nötig: Schon sind 2 Jahre ins Land, ohne dass ausser ein paar SW-Updates was getan worden wäre. Alles nur Blabla - und Ausreden ohne Ende. Dafür Werbe-Etat auf 150%, um von den echten Problemen abzulenken. Mit freundlicher Unterstützung des Bunds mit *Umwelt-Prämien* etc. Dafür die bisherigen Kunden im Regen stehen lassen und mit Rosstäuscher-Manier ein nächstes Mal über den Tisch zu ziehen. Zum Glück sind noch ein paar Organisationen aktiv, um die Klagen für die Verbraucher durchzuziehen. Ein paar Entschädigungen hier und ein paar dort - dann kommen schon noch ein paar Milliarden auf die schon bezahlten dazu. Leider hört man von den Staatsanwaltschaften in D gerade immer noch nichts Neues: da müssten doch schon ein paar mehr Fakten auf dem Tisch und ein paar Klagen auf dem Weg sein. Eigentlich liegts am Wähler, wo künftig die Reise (sic!) hingehen soll.
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