VW-Führungsstreit Drogeriekönig Roßmann kritisiert Piëch

Die öffentliche Demontage von VW-Chef Winterkorn durch Aufsichtsratschef Piëch wird auch in Unternehmerkreisen kritisch gesehen. "Das ist ein No-Go", sagt Drogerieketten-Boss Dirk Roßmann.

Unternehmer Dirk Roßmann (Archiv): Probleme müssen intern besprochen werden
DPA

Unternehmer Dirk Roßmann (Archiv): Probleme müssen intern besprochen werden


Der Familienunternehmer Dirk Roßmann hält die öffentlich vorangetriebene Demontage des Volkswagen-Chefs Martin Winterkorn durch den VW-Patriarchen Ferdinand Piëch für stillos. "Ich sage: Das ist ein No-Go, das geht gar nicht. Solche Probleme müssen intern besprochen werden, das darf nicht nach außen getragen werden", sagte der Gründer und Chef der Drogeriemarktkette Rossmann der Nachrichtenagentur dpa.

Piëch habe mit Sicherheit seine Gründe, womöglich Differenzen in der Konzernstrategie. "Aber: Das nach außen zu tragen, ist der falsche Weg. Und das, glaube ich, weiß Herr Piëch auch ganz genau", sagte Roßmann. "Dennoch tut er es." Fest steht für den 68-jährigen Unternehmer mit Blick auf Volkswagen: "Solche Streitereien in der Öffentlichkeit tun dem Unternehmen nicht gut."

Der VW-Aufsichtsratschef und Großaktionär Piëch war in der vergangenen Woche am Freitag mit dem Zitat "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn" im SPIEGEL von dem bestbezahlten Dax-Manager abgerückt. Fraglich ist nun, wie die Porsches reagieren, die zusammen mit den Piëchs die Mehrheit an Europas größtem Autobauer halten - öffentlich hatten der Familienzweig die Äußerungen Piëchs als "Privatmeinung" bezeichnet.

Dirk Roßmann glaubt nicht, dass die Winterkorn-Personalie einen Bruch der Familienflügel heraufbeschwört. "Die Porsches und Piëchs sind ja sehr nüchterne, rationale und strukturierte Menschen, die genau ihr Ziel haben und ihre Verantwortung kennen. Da habe ich überhaupt keine Sorge." Dem NDR-Hörfunk sagte Roßmann noch: "Man kann auch mal kontrovers sein, aber nach außen immer eine Einheit. Diese Spielregel hat VW momentan verlassen. Schade für den Weltkonzern VW."

nck/dpa



insgesamt 57 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Badischer Revoluzzer 16.04.2015
1. Also, ich habe das Interview
mit Piech und Pietschesrieder im Fernsehen gesehen, wo Piech seinem "Angestellten" zwei mal einfach das Wort abgeschnitten hatte. Das war so demütigend für Pietschesrieder aber anscheinend bezeichnend für Piech. So geht man nicht mitenander um. Hier fehlen die Grundlagen einer guten Erziehung. Pietschesrieder hatte den Umsatz um 80% gesteigert, hatte aber auch Piech-Entscheidungen zurückgenommen. Das war sein Fehler. Was Winterkorn falsch gemacht hat, weiß bisher wirklich noch niemand. Wahrscheinlich ist er Piech nicht tief genug in den A... gekrochen.
genugistgenug 16.04.2015
2. Serie: Wieso bist du nicht rechtzeitig gegangen....
zu dieser Serie scheinen die Aktivitäten von Piech zu gehören. Im Volksmund heißt das meistens 'jetzt reißt er mit dem Axxxxx alles ein, was jahrzehntelang aufgebaut wurde'. Aber immerhin sieht man wieder mal, welches Klima bei VW herrscht und kann daraus auf die Qualität der Produkte ableiten - Standard, nichts herausragendes, also Massenware und die kriegt man anderswo günstiger.
Extremophile 16.04.2015
3. Eine sehr gute Regel für gut funktionierende Unternehmen...
...ist es, angenehmes, also Lob, Anerkennung, Begeisterung, etc. laut und öffentlich vorzutragen, aber kritisches privat zu halten. Offenbar will Herr Piech hier Fakten schaffen im Stil von "Der oder ich" und dabei eine Situation erzwingen, die von allen Beteiligten eine schnelle Entscheidung abverlangt um das Unternehmen vor Schaden zu bewahren. Es steht zu befürchten, dass er damit durchkommt.
diorder 16.04.2015
4. Geheimbünde
Systemgerecht ist es schon. Solange die Wirtschaft nicht demokratisiert ist, muss es wohl so bleiben: Einige Wenige besitzen nahezu alles , lassen sich ihnen genehme Gesetze machen, vererben ohne Leistung der Empfänger und wollen nur ja keine Öffentlichkeit. Also wie wärs mit mehr Mitbestimmung, Einschränkungen beim Vererben, Vermögensbeteiligung, Gewinnbeteiligung für Arbeitnehmerschaft usw. Kurz: Mehr Demokratie wagen...
misterxyz0815 16.04.2015
5. Gilt nicht nur für Unternehmen
sonder auch für Teams, Projekte, Familien, Freundschaften etc. negative Dinge sollten immer nur in einem engen und vertrauten Kreis gezielt abdisskutiert, niemals jedoch in einer unkontrollierbar wabernden Öffentlichkeit breit getreten werden. Letztes wird vor allem von solchen Machtmenschen präferiert, die einerseits nach dem Recht des Stärkeren leben, ferner das vor allem als Instrument dazu nutzen ihr "vermeintlichen" Gegener zu vernichten klassicher kompetitiver Stil
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.