VW-Hauptversammlung Winterkorn sonnt sich im Erfolg

Volkswagen scheint unaufhaltsam auf dem Weg zur Weltspitze - nach einem Jahr der Superlative gestaltete sich die Hauptversammlung des Autobauers für die Konzernspitze entsprechend angenehm. Eine Entscheidung jedoch erregte den Unmut der Aktionäre.

VW-Chef Winterkorn auf der Hauptversammlung: 20 Milliarden Euro in der Kasse
dapd

VW-Chef Winterkorn auf der Hauptversammlung: 20 Milliarden Euro in der Kasse


Hamburg - Für Martin Winterkorn war es ein Tag zum Genießen: Auf der Hauptversammlung des Volkswagen-Konzerns in Hamburg holte sich der Vorstandschef den Applaus der Anteilseigner ab - Lohn für ein äußerst erfolgreiches Jahr. Der Autobauer wartete zuletzt mit fulminanten Quartalszahlen auf und ist auf dem besten Weg, den Sprung an die Weltspitze bereits erheblich früher als geplant zu schaffen. Angepeilt war dieser eigentlich erst für das Jahr 2018.

Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU), der das Bundesland als zweitgrößten Anteilseigner im Aufsichtsrat vertritt, gab sich begeistert: "VW fährt der Konkurrenz davon. VW ist auf der Überholspur." In der Tat sind die Zahlen beeindruckend: 2010 war für Volkswagen Chart zeigen das bislang erfolgreichste Jahr. Das operative Ergebnis lag bei 7,1 Milliarden Euro, der Konzern verkaufte 7,2 Millionen Fahrzeuge.

Das rasante Wachstum setzte sich in den ersten drei Monaten 2011 mit einem Umsatzplus von 30,8 Prozent auf 37,5 Milliarden Euro fort. Das Unternehmen erwirtschaftete mit 1,7 Millionen Euro einen mehr als dreimal so hohen Überschuss wie im Vorjahreszeitraum. Rund 20 Milliarden Euro hat der europäische Branchenprimus jetzt in der prallgefüllten Kasse. Bis 2015 will der Konzern 53,5 Milliarden Euro in die eigene Zukunft stecken. Vorstandschef Winterkorn betonte, VW habe "finanziell ausreichend Kraftstoff im Tank".

Die Märkte in China, Indien und Russland bleiben nach Einschätzung der VW-Spitze Wachstumstreiber. Auch in das neue US-Werk in Chattanooga, das am 24. Mai eröffnet wird, setzt sie große Hoffnungen.

Seat bleibt Problemkind

Skeptische Einschätzungen, wonach die Größe des Konzerns riskant werden könnte, wollte Winterkorn nicht teilen. "Unser Ziel ist es nicht allein, der größte Autobauer zu werden. Volkswagen will ökonomisch und ökologisch die Nummer eins werden", sagte er.

Dennoch sieht der Konzernchef auch Risiken: Steigende Rohstoffpreise, zunehmender Wettbewerbsdruck und politische Unsicherheiten machten die Rahmenbedingungen in manchen Regionen schwieriger, erklärte Winterkorn. Auch das langjährige Problemkind Seat kann keine Entspannung melden. Einkaufsvorstand Francisco Javier Garcia Sanz verortet die Hauptursache dafür in den Marktstrukturen: "Die Folgen der Wirtschaftskrise sind in Spanien noch spürbar." Erst 2013 könne die Tochter wieder mit einem positiven Ergebnis rechnen.

Bei wichtigen Vorhaben kommen die Wolfsburger zudem nicht recht voran: etwa bei der angestrebten Allianz seiner Lkw-Beteiligungen Scania und MAN, der geplanten Fusion mit Porsche oder der Zusammenarbeit mit Suzuki. Der größte Stolperstein ist das geplante Bündnis von Scania und MAN: Um Widerstände der beiden Rivalen aufzuweichen, versicherte Konzernchef Martin Winterkorn ihnen am Dienstag, ihre Marken sollten erhalten bleiben.

Niedrige Dividende sorgt für Unmut

Beim japanischen Partner Suzuki strebt VW aktuell keine Aufstockung seiner Beteiligung von knapp 20 Prozent an, wie Winterkorn klarstellte. Die Zusammenarbeit entwickle sich in einigen Punkten langsamer als erwartet, räumt der Vorstandschef ein, der im vergangenen Jahr insgesamt 9,3 Millionen Euro an Bezügen einstrich. Es gebe aber eine Reihe interessanter Optionen - etwa bei gemeinsam entwickelten Kleinwagen für den indischen Markt oder alternativen Antrieben.

Weiter ungewiss ist, wie schnell die Fusion mit Porsche in diesem Jahr noch vorankommt. Winterkorn gab sich zwar selbstsicher: "Der integrierte Konzern wird auf jeden Fall kommen." Wegen der offenen Steuerfragen und der Schadensersatzklagen gegen Porsche im Zusammenhang mit der gescheiterten VW-Übernahme könne man aber immer noch keinen konkreten Zeitpunkt nennen.

Unzufrieden waren viele Aktionäre über die Höhe der Dividende. Bei einem Ergebnis von 15,23 Euro je Vorzugsaktie sei die vorgeschlagene Gewinnausschüttung von 2,26 Euro pro Anteilsschein schlicht zu wenig, sagte Ulrich Hocker von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

fdi/dpa/dapd/Reuters



insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
MJM1605 03.05.2011
1. Winterkorn
Zitat von sysopVolkswagen scheint unaufhaltsam auf dem Weg zur Weltspitze - nach einem Jahr der Superlative gestaltete sich die Hauptversammlung des Autobauers für die Konzernspitze entsprechend angenehm. Eine Entscheidung jedoch erregte den Unmut der Aktionäre. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,760468,00.html
Na, da sollte er mal vorsichtig sein, sich zu sehr im Erfolg zu sonnen. Ansonsten provoziert er noch den Neid des Herrn Piech und das kann ihm, wie vielen vor ihm, teuer zu stehen kommen.
zeitmax 04.05.2011
2. "1,7 Millionen Überschuß?"
Na, tröstlich, daß wenigstens Winterkorn persönlich das Fünffache mit nach Hause schleppt...
ohne_sorge 04.05.2011
3. Kein Titel
"Bei einem Ergebnis von 15,23 Euro je Vorzugsaktie sei die vorgeschlagene Gewinnausschüttung von 2,26 Euro pro Anteilsschein schlicht zu wenig, sagte Ulrich Hocker von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz." Da steht jemand offenbar auf die Dividendenthese. Vielleicht sollte der Herr Hocker sich mal sich mal bzgl. Gewinn- vs. Dividendenthese weiterbilden. Ich finde es persönlich gut, wenn ein Unternehmen Ideen hat zu expandieren und daher den Gewinn selber verwendet. Gute Alternativanlagen gibt es ja bei der Bank ohnehin nicht und wenn das Dividendengeld am Ende auf dem Sparbuch dahindümpelt, dürfte es kaum die an die Rendite von VW hinkommen. Unternehmen, die all ihren Gewinn ausschütten, oder evtl. sogar in die Rücklage greifen, nur um Dividende zu zahlen, sind doch oft nur Unternehmen, die ihre beste Zeit schon gesehen haben und dann versuchen den Aktienkurs verzweifelt zu hebeln. Die klugen Anleger durchschauen dies und besonders nach der Finanzkrise achten die Anleger zudem schon auch auf eine Bilanz, die nicht nur aus immateriellen Vermögensgegenständen und virtuellen Markenwerten besteht.
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