Abgasaffäre VW-Chef spekuliert über Ende des Diesel

Die Deutschen lieben ihren Diesel, rund ein Drittel der Autos fahren mit einem solchen Antrieb. Doch VW-Chef Müller zweifelt, ob die Technologie nach der Abgasaffäre noch eine Zukunft hat.

Volkswagen-Chef Müller
REUTERS

Volkswagen-Chef Müller


Einen Tag vor der Hauptversammlung zieht Volkswagen-Chef Matthias Müller die Dieseltechnologie in Zweifel. "Es wird sich die Frage stellen, ob wir ab einem gewissen Zeitpunkt noch viel Geld für die Weiterentwicklung des Diesels in die Hand nehmen sollen", sagte Müller im Interview mit dem "Handelsblatt".

Dieselfahrzeuge sind in Deutschland weit verbreitet, rund ein Drittel der Autos auf deutschen Straßen fahren mit dieser Technologie, rund jede zweite Neuzulassung ist ein Diesel. Über Jahrzehnte gehörte die Technologie auch zum Fundament der VW-Strategie. Seit im vergangenen Herbst die Abgasmanipulationen von VW an seinen Dieselmotoren bekannt wurden, ändert sich das.

In den USA hat VW inzwischen alle Dieselmodelle vom Markt genommen. Ob der Konzern jemals wieder solche Autos in Amerika anbieten wird, ist offen. "Das ist derzeit schwierig zu beantworten", sagte Müller. Zu groß ist offenbar der Imageschaden, den die Marke VW in den USA durch den Skandal erlitten hat.

Auch in Europa ist die Lage nicht einfach. "Die Abgasreinigung beim Diesel wird enorm aufwendig und teuer", sagte Müller. Die Steuervorteile des Diesels sind in Deutschland auf Dauer ebenfalls nicht gesichert. "Im Dialog mit der Politik müssen wir sehen, wie das alles weitergeht."

Neues Vergütungssystem

Der Volkswagen-Konzern denkt zudem über ein neues Vergütungsmodell für sein Top-Management nach. "In den nächsten zwölf Monaten werden wir dem Aufsichtsrat unseren Vorschlag präsentieren - mit einer anderen Orientierung", sagte Müller dem "Handelsblatt".

Die Gehaltsschere zwischen Mitarbeitern in der Fertigung und dem Top-Management im Vorstand habe sich zu weit geöffnet, sagte der Manager. Eine Deckelung nach oben sei für ihn "selbstredend". Über Details habe er sich aber noch keine Gedanken gemacht.

Volkswagen war wegen seiner Boni-Politik in den vergangenen Wochen massiv unter Druck geraten. Das Top-Management hatte im Frühjahr einen Teil seiner flexiblen Vergütung trotz des Dieselskandals bekommen. Müller verteidigte diese Auszahlung: "Wie wollen Sie das einem Manager erklären, der mit der ganzen Sache nichts zu tun hat?", fragte er rhetorisch.

ssu



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huz6789 21.06.2016
1. Ichbezogen bis ins Letzte
"Wie wollen Sie das einem Manager erklären, der mit der ganzen Sache nichts zu tun hat?" - Leicht zu beantworten, wenn man noch normal denkt: Weil sein Laden das Geld nicht aufbringen kann und nicht darf. Müller kapiert überhaupt nicht, dass er nur noch ego-mäßig argumentiert, handelt und denkt. Von der Gehaltsmaßnahe ist jetzt schon nichts Durchgreifendes zu erwarten. Die Manager sind Teil des Problems.
Benjowi 21.06.2016
2. Diesel für Pkw war stategische Fehlentscheidung.
Die Überlegung, dass Dieseltechnologie in der Breite nicht mehr machbar ist, ist nur folgerichtig-im Grunde war die Entscheidung für die Dieseltechnologie in dieser Form an sich eine strategische Fehlentscheidung. Die Abgasproblematik dieses Prozessen bei erhöhten Drücken und Temperaturen -letztere sind für den höheren Wirkungsgrad und den dann geringeren Verbrauch nötig und auch die Gesundheitsproblematik waren im Vorfeld bekannt. Auch die Tatsache, dass eine wirksame Abgasreinigung weder praktikabel noch im Massengeschäft bezahlbar wäre. Im Grunde ist das ganze Problem nur mit Elektrofahrzeugen beherrschbar und in diese Richtung hätte es viel früher gehen müssen. Dass es mit Akkus machbar ist, wurde lange geleugnet und verdrängt-bis Tesla es nachgewiesen hat, aber der Hybridansatz wurde von Toyota alternativ für den Übergang schon sehr lange vorher genutzt!
darkmattenergy 21.06.2016
3. Ja wie vernünftig ist DAS denn plötzlich
Der Zielkonflikt zwischen günstiger Energiebilanz und damit niedrigen CO2-Emissionen und niedriegen Stickoxidemissionen wird mit vernüftigem Aufwand und zu marktfähigen Kosten nicht möglich sein. Bekannt ist dies rund um die Welt. Während aber vornehmlich in den USA - nicht zuletzt das Wohl der Menschen achtend, für die Stickoxide zweifelsfreie Giftgase sind (ganz im Gegensatz zu CO2 und in den durch Verbrennungsmotoren freigesetzten Mengen) Dieselantriebe nicht sonderlich gefördert wurden, haben allen voran die Europäer in ihrem beschränkten Energiespar- und Anti-CO2-Wahn Diesel als Motorbrennstoff geradezu wie Verrückte gefördert. Um nicht zu sagen, als Kriminelle - eingedenk der bestens bekannten gesundheitlichen Folgen der Stickoxide.
neutron76 21.06.2016
4. Durchwachsen...
"Wie wollen Sie das einem Manager erklären, der mit der ganzen Sache nichts zu tun hat?" .... und wie soll man das einem Kunden erklären? ... Er hat recht, das man mit der Politik diskutieren muss, der Steuerbonus beim Sprit muss fallen, aber der Steuermalus bei der KFZ-Steuer auch.
Bolligru 21.06.2016
5. Ich weine
dem Diesel keine Träne nach, sollte er abgeschafft werden..so oft wie ich von stinkenden und giftigen Russwolken vor mir fahrender Dieselfahrzeuge eingenebelt werde...
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