Tarifrunde VW-Mitarbeiter fordern volles Lohnplus trotz Dieselaffäre

Trotz der hohen Kosten durch den Dieselskandal fordert die VW-Belegschaft dieselbe Tariferhöhung wie der Rest der Branche. Der Rückruf betroffener Passat-Modelle verzögert sich weiterhin.

VW-Produktion in Wolfsburg
DPA

VW-Produktion in Wolfsburg


Die IG Metall lehnt Zurückhaltung in den Tarifverhandlungen mit Volkswagen Chart zeigen trotz erwarteter Milliardenkosten durch den Dieselskandal ab. "Wir sehen überhaupt keinen Auslöser, beim Abschluss wegen 'Dieselgate' zurückzustecken", sagte IG-Metall-Bezirksleiter und Verhandlungsführer Hartmut Meine.

Ebenso wie in den Verhandlungen um den Flächentarifvertrag will die Gewerkschaft auch für die 120.000 Beschäftigten im VW-Haustarifvertrag fünf Prozent mehr Geld. Während die Gespräche zum Flächentarifvertrag schon begonnen haben, steht das erste Gespräch für den VW-Haustarif erst Ende April an. In den vergangenen Jahren fielen die Erhöhungen immer gleich aus, im VW-Haustarif gab es aber meist ein Extra obendrauf - etwa Einmalzahlungen oder einmalige Rentenzuschüsse.

Meine bekräftigte das Ziel, bei VW auch diesmal nicht hinter das Ergebnis aus dem Flächentarif zurückzufallen. "Volkswagen wird daher wahrscheinlich auch nicht vor der Fläche abschließen", sagte er. Zudem machte er klar, dass auch die Forderung nach einer Verlängerung der Altersteilzeitregel keine Verhandlungsmasse sei. "Wir bestehen auf dem Fortschreiben zu den bestehenden Konditionen."

VW blickt in der Abgasaffäre auf drohende Milliardenkosten für die Rückrufe oder die Klagen von Anlegern, Kunden, Händlern und Konkurrenten. Auch Strafzahlungen könnten in die Milliarden gehen. Zudem wird es für VW teurer, sich für die Refinanzierung Geld zu leihen. Hinzu kommen drohende Rückzahlungen von Steuererleichterungen und unklare Auswirkungen.

Noch kein Termin für Passat-Umrüstung

Die Umrüstung der vom Abgasskandal betroffenen rund 2,5 Millionen VW-Fahrzeuge in Deutschland wird sich einem Zeitungsbericht zufolge um mindestens sechs Wochen verzögern. VW habe bisher noch kein grünes Licht vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) für seine Umrüstungspläne für das Modell Passat bekommen, berichtete die "Bild". "Aktuell befindet sich die technische Lösung für den Passat durch das KBA in der Prüfung", bestätigte ein KBA-Sprecher. Es sei unter anderem nicht sicher, ob der Motor nach der Umrüstung die Schadstoffnorm Euro5 erfülle.

Der Sprecher machte keine Aussage darüber, wann die Typenprüfung für den Passat abgeschlossen sein könnte. Ursprünglich hatte VW mit der Umrüstung der mehr als 500.000 betroffenen Passat-Modelle am 29. Februar beginnen wollen, musste aber bereits einen späteren Termin in Aussicht stellen. Es gebe bisher noch keinen Rückruf, bestätigte ein VW-Sprecher der Zeitung. Damit könnte sich auch die Umrüstung der Golf-Modelle, die nach dem Passat zurückgerufen werden sollen, deutlich nach hinten verschieben.

Im bundesweit ersten Prozess wegen des VW-Abgasskandals entscheidet das Landgericht Bochum am Mittwoch, ob ein Kläger sein knapp ein Jahr altes Auto zurückgeben darf. Die Richter hatten zuvor in der mündlichen Verhandlung bereits deutlich gemacht, dass sie keine generelle Rücknahmepflicht des Herstellers oder der Händler sehen. Höhere Abgaswerte als angegeben seien zwar ein Mangel, dieser könne aber mit relativ geringem Aufwand abgestellt werden. Geklagt hatte ein Stammkunde eines Bochumer VW-Autohauses.

dab/dpa/Reuters



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insgesamt 130 Beiträge
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SasX 16.03.2016
1.
Ich kann die IG Metall durchaus verstehen. Welche Verantwortung trägt denn der normale Mitarbeiter an der Affäre? Auf der anderen Seite haben wir diejenigen, die ihr hohes Gehalt immer wieder mal mit ihrer hohen Verantwortung begründen (Manager) und die Besitzer, die bereit waren, ein unternehmerisches Risiko zu tragen (Aktionäre). Wenn eine finanzielle Unterstützung durch den normalen Mitarbeiter absolut notwendig wird, ist das in Ordnung. Davor sollten aber imho Aktionäre und Manager deutlich in Vorleistung gehen.
bernhard29 16.03.2016
2. Wem die Stunde schlägt
Es gibt ja viele Möglichkeiten einen Laden an die Wand zu fahren bzw in den Konkurs zu treiben. Da möchte natürlich die VW Belegschaft auch nicht abseits stehen. Was die US Strafen nicht schaffen das schaffen dann die Gehaltsforderungen der Belegschaft. Natürlich wird kurz vor dem VW Konkurs Mutti Merkel als Retterin auf dem Parkett erscheinen und mit Steuergelder den Konkurs verhindern. Da der typische VW Fahrer bereit ist jeden Preis für seinen fahrbaren VW Untersatz zu zahlen wäre es doch ein leichtes die ganzen Strafzahlungen über einen neuen Endpreis wie zum Beispiel beim Golf mit ca. 75000 Euro abzugelten. Natürlich wäre der Golf Verkaufspreis nur für die Grundausstattung, aufpreispflichtige Details wie Aschenbecher müsste mit ca. 1500 Euro extra gelöhnt werden.
sag-geschwind 16.03.2016
3. Das geht so nicht!
Kein neoliberaler Staat kann es zulassen, dass ein Unternehmen erfolgreich ist, in dem die Lohnempfänger etwas zu melden haben. Also, weiter feste "Dieselskandal" brüllen und bei den anderen Herstellern gucken wir einfach wie gehabt weg.
dummbrummjewski 16.03.2016
4. so eine Frechheit
da wollen doch die wertschaffenden Arbeiter eine Lohnerhöhung, das geht ja gar nicht. Sind sie denn nicht die Schuldigen an der Dieselaffäre?
jujo 16.03.2016
5. ...
Das kann ich verstehen, denn der normale Mitarbeiter am Band hat das Desaster nicht zu verantworten. Das Management sollte pauschal dafür Verzicht leisten und sich mit der Basisentlohnung begnügen, keine Boni und sonstige geldwerten Zuwendungen. Auch die Klage der Aktionäre ist nachzuvollziehen, als Aktionär wäre ich auch stinksauer.
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