Affenversuche Aktionärsschützer will Sonderprüfung erzwingen

Der Skandal um Affentests ist für den Volkswagen-Vorstand längst nicht ausgestanden. Aktionärsvertreter machen Druck - und aus den USA droht neuer Ärger.

Volkswagen-Zentrale in Wolfsburg
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Volkswagen-Zentrale in Wolfsburg

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Volkswagen steht eine turbulente Woche bevor. Am kommenden Mittwoch berät das Präsidium des Aufsichtsrats, welche Konsequenzen der Konzern aus der Affäre um Abgasversuche mit Affen ziehen muss. Aktionärsschützer und Anwälte machen dem Autohersteller bereits gewaltig Druck.

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Heft 6/2018
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Christian Strenger, Gründungsmitglied der Regierungskommission Corporate Governance, kritisiert die VW-Führung für den Umgang mit dem Skandal scharf: Der Vorstand könne sich nicht darauf zurückziehen, von den Methoden und Zielen des umstrittenen Forschungsprojekts nichts gewusst zu haben. "Denn bei einem Forschungsauftrag dieses Umfangs und dieser Sensibilität muss er das Projekt genehmigt und kontrolliert haben", sagte er dem SPIEGEL.

Wie vergangene Woche bekannt wurde, hat die deutsche Lobbyorganisation EUGT im Jahr 2013 Versuche an Affen in Auftrag gegeben. Die Tiere mussten an einem US-Institut mehrfach stundenlang giftige Dieselabgase einatmen. Finanziert wurde die EUGT von den Autokonzernen BMW, Daimler und Volkswagen. Dokumente und Gerichtsakten zeigen, dass VW-Manager die treibende Kraft hinter dem Experiment waren. Geschäftsführer der EUGT war Michael Spallek, ein ehemaliger VW-Betriebsarzt. Ein früherer VW-Ingenieur, James Liang, beaufsichtigte die Abgastests persönlich. Erst Mitte 2017 wurde die EUGT aufgelöst.

Kontrollmängel bei VW

Strenger, Experte für gute Unternehmensführung, sieht in der Affäre eine "weitere Evidenz dafür, dass der Vorstand auch nach dem Auffliegen des Diesel-Skandals nicht für funktionierende Compliance-Systeme und Kontrollen gesorgt hat". Und offenbar habe auch der Aufsichtsrat es versäumt, den Vorstand dafür in die Pflicht zu nehmen.

Die Kontrollmängel bei VW sind auch Gegenstand eines Sonderprüfungsantrags, den Strenger in den nächsten Wochen bei Gericht einbringen will. "Der defizitäre Umgang mit der EUGT passt in das Gesamtbild, das die VW-Führung bei der Aufarbeitung der Dieselaffäre abgibt." Der von Strenger geforderte Sonderprüfer soll untersuchen, ob Vorstand und Aufsichtsrat im Jahr 2016 die Dieselaffäre angemessen aufgearbeitet haben.

Der frühere Chef der Fondsgesellschaft DWS bezweifelt das und sieht sich durch die Affäre um die Affenversuche bestätigt. Unter anderem ist er der Auffassung, dass VW im Jahr 2016 angesichts der laufenden Ermittlungsverfahren in Sachen Diesel keine Boni an die Vorstände hätten auszahlen dürfen.

Bei der Hauptversammlung 2017 erhielt Strenger mit einem Antrag auf Sonderprüfung nicht die notwendige Unterstützung. Um ihn jetzt gerichtlich durchzusetzen, muss er ein Prozent des Grundkapitals hinter sich bringen, das entspricht etwa 40.000 Aktien. Bis Ende März will er soweit sein. In der Vergangenheit hatte Strenger unter anderem bei Porsche und ThyssenKrupp Sonderprüfer gerichtlich durchgesetzt.

"Erkenntnisse von hoher juristischer Relevanz"

Weiteres Ungemach droht Volkswagen in den USA. Dort fordert der US-Anwalt Michael Melkersen, der die Affentests publik gemacht hat, im Namen von mehreren hundert VW-Kunden Schadensersatz. "Der Fall zeigt, wie skrupellos Volkswagen über Jahre versucht hat, die Öffentlichkeit zu täuschen", sagte Melkersen dem SPIEGEL. Die EUGT war aus seiner Sicht eine "dubiose Organisation". Der Prozess im US-Bundesstaat Virginia beginnt am 26. Februar.

Melkersen wirft Volkswagen unter anderem vor, der Konzern habe spezielle Studien in Auftrag gegeben, um damit die gesundheitsschädlichen Folgen von Dieselabgasen zu verharmlosen. Die neuen Erkenntnisse über die Tierversuche seien deshalb "von hoher juristischer Relevanz". VW-Anwälte hingegen wollen verhindern, dass Details über die Experimente als Beweismittel zugelassen werden. Sie argumentieren, die Studie spiele für das US-Verfahren keine Rolle - der Klägeranwalt wolle damit nur die Jury beeinflussen.

US-Anwalt Melkersen dagegen wirft Volkswagen Unehrlichkeit vor, auch in der Außendarstellung. Kurz nachdem die Affentests bekannt wurden, twitterten Konzernvertreter, Tierversuche würden den ethischen Standards von Volkswagen widersprechen. "Das ist eine Schutzbehauptung", sagt Melkersen, "ich habe eindeutige Hinweise darauf, dass Anwälte von Volkswagen diesen Tests zugestimmt haben."

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ptb29 03.02.2018
1. giftige Dieselabgase einatmen
Wow, deswegen fallen dutzendweise Fußgänger um, weil die Dieselabgase, wenn ich unseren Medien glauben kann, giftig sind. Wo sind die Aufkleber an den Autos, die darum bitten, die Luft anzuhalten, wenn man sich nähert. Und noch eins, es geht um Aktienbesitzer, die jeden Gewinn mitgenommen haben. Jetzt werden die Gewinne etwas weniger uns schon fangen sie an zu klagen. Macht den VW-Konzern platt, dann sind die Aktien nichts mehr wert und es ist Ruhe.
claus7447 03.02.2018
2.
Zitat von ptb29Wow, deswegen fallen dutzendweise Fußgänger um, weil die Dieselabgase, wenn ich unseren Medien glauben kann, giftig sind. Wo sind die Aufkleber an den Autos, die darum bitten, die Luft anzuhalten, wenn man sich nähert. Und noch eins, es geht um Aktienbesitzer, die jeden Gewinn mitgenommen haben. Jetzt werden die Gewinne etwas weniger uns schon fangen sie an zu klagen. Macht den VW-Konzern platt, dann sind die Aktien nichts mehr wert und es ist Ruhe.
Nun, ich kann mir schon vorstellen dass man wenn man in Rage ist, so etwas schreibt. Aber man muss sich die Auswirkung dann auch vorstellen: Was passiert mit den zigtausend Mitarbeiter und Zulieferanten? Es trifft garantiert dann nur die unschuldigen. Die, die die Sch.... verursacht haben, haben ihre Schäfchen im trockenen. Die Aktionäre haben immer noch Anteil am gesamten Inventar und Grundstücken..... Also kurz überdenken bevor man solche Sätze loslässt. Wobei.... es ist eine gewaltige sauerei die sich unsere vorzeigeindustie hier erlaubt hat, ganz zu schweigen von einer tölpelhaften PR Strategie und einem Staat der wegschaut.
tatsache2011 04.02.2018
3. Transparenz fehlt
Zitat von ptb29Wow, deswegen fallen dutzendweise Fußgänger um, weil die Dieselabgase, wenn ich unseren Medien glauben kann, giftig sind. Wo sind die Aufkleber an den Autos, die darum bitten, die Luft anzuhalten, wenn man sich nähert. Und noch eins, es geht um Aktienbesitzer, die jeden Gewinn mitgenommen haben. Jetzt werden die Gewinne etwas weniger uns schon fangen sie an zu klagen. Macht den VW-Konzern platt, dann sind die Aktien nichts mehr wert und es ist Ruhe.
Vielleicht sind die Affen beim Test "dutzendweise" umgefallen, weil die Abgase aus neuen Dieselmotoren so giftig waren und die Abgase aus dem alten Vergleichsauto weniger giftig. Warum werden die Ergebnisse nicht veröffentlicht?
tatsache2011 05.02.2018
4. @ Klimagas
Zitat von tatsache2011Vielleicht sind die Affen beim Test "dutzendweise" umgefallen, weil die Abgase aus neuen Dieselmotoren so giftig waren und die Abgase aus dem alten Vergleichsauto weniger giftig. Warum werden die Ergebnisse nicht veröffentlicht?
Forist Klimagas meint "Kein klar denkender Mensch spekuliert, dass die Abgase aus einer Abgasanlage mit Abgasnachbehandlung giftiger sind, als unbehandelte Abgase." Haben Sie dafür Belege oder warum ist das klar? Giftiger ist möglich, weil die Abgase aus alten und neuen Dieseln ab Entstehung unterschiedlich sind. Kennen Sie nicht, dass Problem Feinstaub bei neuen und alten Autos z.B. [Zitat] "Moderne Benzinmotoren pusten besonders kleine Feinstaubpartikel in die Luft. ... Die größeren Feinstaubteilchen, die PM10, verbleiben größtenteils in den oberen Atemwegen, also dem Rachen, der Luftröhre oder den Bronchien. ... Die ultrafeinen Partikel können sogar in den Blutkreislauf übergehen und so im Prinzip sämtliche Körperregionen erreichen und dort Schaden anrichten." http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/abgas-feinstaub-durch-benzinmotoren-wie-schaedlich-ist-er-a-1189739.html
Klimagas 06.02.2018
5. Meinen Sie das ernst?
Zitat von tatsache2011Forist Klimagas meint "Kein klar denkender Mensch spekuliert, dass die Abgase aus einer Abgasanlage mit Abgasnachbehandlung giftiger sind, als unbehandelte Abgase." Haben Sie dafür Belege oder warum ist das klar? Giftiger ist möglich, weil die Abgase aus alten und neuen Dieseln ab Entstehung unterschiedlich sind. Kennen Sie nicht, dass Problem Feinstaub bei neuen und alten Autos z.B. [Zitat] "Moderne Benzinmotoren pusten besonders kleine Feinstaubpartikel in die Luft. ... Die größeren Feinstaubteilchen, die PM10, verbleiben größtenteils in den oberen Atemwegen, also dem Rachen, der Luftröhre oder den Bronchien. ... Die ultrafeinen Partikel können sogar in den Blutkreislauf übergehen und so im Prinzip sämtliche Körperregionen erreichen und dort Schaden anrichten." http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/abgas-feinstaub-durch-benzinmotoren-wie-schaedlich-ist-er-a-1189739.html
Der alte Diesel verbrennt alten Diesel und der neue Diesel verbrennt neuen Diesel? Oder wie kommen Sie darauf, dass die Abgase aus den Motoren unterschiedlich sind? Was den Feinstaub betrifft, da sollten Sie wissen, dass ein Dieselmotor kein Benzinmotor ist. Dass Dieselfahrzeuge schon lange Feinstaubfilter besitzen und dass sich der Feinstaub aus dem Benzinmotor eben durch seine Lungengängigkeit und durch den Übertritt in den Blutkreislauf vom Feinstaub aus dem Diesel unterscheidet, der ohnehin ausgefiltert wird, der beim Diesel schon lange ausgefiltert wird, während das beim Benzinmotor erst nach und nach erfolgt. Beweisen Sie also nicht das eine mit dem anderen.
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