Von Michael Kröger
Berlin - Noch gibt man sich in Wolfsburg geheimnisvoll. "Überlegungen für eine Billigmarke hegt Volkswagen
schon seit längerer Zeit", sagt Konzernsprecher Eric Felber. Doch gleich darauf relativiert er seine Aussage wieder: "Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen." Ende der Durchsage.
Dabei hat sich das Gerücht längst herumgesprochen: Eine Billigmarke nach dem Vorbild der rumänischen Renault-Tochter Dacia ist quasi beschlossene Sache. Nach Informationen der "Bild" soll es schon bis 2015 so weit sein.
"Nicht unrealistisch", heißt es dazu im Konzern. Doch bis es so weit sei, müssten noch etliche Probleme gelöst werden. Dazu gehöre natürlich auch, welchen Namen das Kind bekommen solle. Am wahrscheinlichsten sei ein neuer Markenname.
Ebenso zeichnet sich ab, wie der künftige Dacia-Konkurrent aussehen müsste: "Die Strategie der Renault-Leute ist ja ganz erfolgreich", erläutert ein Eingeweihter. "Wieso also das Rad neu erfinden?" Also: eine Limousine, ein Kombi und womöglich auch ein Van, die Limousine kleiner als ein Golf und kein Modell teurer als 10.000 Euro.
Der Zeitpunkt ist günstig
Der Zeitpunkt für den Start einer solchen Marke ist günstig. Als Technologie-Spender könnten nämlich jene Fabriken dienen, die gerade die Werkzeuge für die alten Volkswagen-Plattformmodelle ausmustern. Sie müssen Platz machen für die Produktion der neuen, modular gefertigten Fahrzeuggeneration. Nutzt man die alten Maschinen einfach weiter, ließen sich die Anfangsinvestitionen dramatisch verringern. Als Produktionsstandort für die Billigmodelle kämen jene Länder in Betracht, in denen die größte Nachfrage zu erwarten ist: China, Indien oder Brasilien.
Klar ist auch, dass ein solches Billigauto nicht mit der Ausstattung wird aufwarten können, die VW-Kunden gewöhnt sind. Klimaanlage oder eine Multimedia-Anlage dürften, wenn überhaupt, nur als Extra zu erhalten sein. An der Sicherheit will man aber nicht sparen, schließlich hat man einen Ruf zu verlieren.
Aus dem gleichen Grund muss auch der Antrieb dem Stand der Technik entsprechen, auch wenn Hightech wie Zylinderabschaltung wohl kaum Einzug in das Low-Budget-Auto halten dürfte. Als ein möglicher Motor wird der Dreizylinder aus dem aktuellen VW-Kleinwagenmodell Up genannt.
Der Betriebsrat ist dafür
Ein echtes Billigauto ist nach Einschätzung vieler Marktbeobachter genau das, was dem VW-Konzern mit seinen mittlerweile zwölf Marken noch fehlt. Inzwischen ist sogar denkbar, dass solch ein Billigvehikel auch in Europa auf den Markt kommen könnte, nicht nur in Asien oder Lateinamerika. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte sich schon zu Beginn des Monats in einem Interview mit dem "Handelsblatt" explizit für das Projekt ausgesprochen: "Wir brauchen für die Schwellenländer ein günstiges Auto unterhalb des VW Up." Bis zum Ende dieses Jahres solle der Konzernspitze ein entsprechendes Konzept vorgelegt werden, berichtete die Zeitung.
Erschwert wird das Projekt, weil eine Kooperation mit dem japanischen Kleinwagenspezialisten Suzuki
gescheitert ist. Ursprünglich hatten die Wolfsburger von der starken Position des Partners in Südostasien und vor allem Indien profitieren wollen. Dort ist Suzuki mit der Marke Maruti erfolgreich. Nun muss Volkswagenden Schritt ins Billigsegment allein stemmen.
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