VW-Dieselskandal Abschluss der Ermittlungen gegen Winterkorn noch 2018 möglich

Deutsche Staatsanwälte gehen im Dieselskandal gegen VW vor, betroffen sind Ex-Boss Martin Winterkorn als auch der aktuelle Chef Herbert Diess. Nach SPIEGEL-Informationen kommen die Ermittlungen wegen Marktmanipulation zügig voran.

Martin Winterkorn (l.), Herbert Diess (r.)
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Martin Winterkorn (l.), Herbert Diess (r.)

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Die Staatsanwaltschaft Braunschweig könnte die Ermittlungen gegen drei hochrangige Manager des Volkswagen-Konzerns bereits bis Jahresende abschließen. "Im Verfahren wegen Marktmanipulation ist ein Abschluss der Ermittlungen noch in diesem Jahr denkbar", sagt Behördensprecher Klaus Ziehe in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Ziehe betont, die Strafverfolger schreckten in der Aufarbeitung der Dieselaffäre nicht vor großen Namen zurück: "Wir haben bei unseren Ermittlungen von Beginn an alle Konzernetagen ins Visier genommen."

Der ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn, Aufsichtsratsvorsitzender Hans Dieter Pötsch sowie der heutige Konzernchef Herbert Diess werden verdächtigt, die VW-Aktionäre zu spät über den Dieselskandal informiert zu haben. Alle drei haben die Vorwürfe stets bestritten.

Recherchen des SPIEGEL haben außerdem ergeben, dass Manager aus dem VW-Konzern kurz nach Bekanntwerden der Dieselaffäre womöglich versucht haben, das Ausmaß des Skandals zu vertuschen. So sollen in der Folge eines Krisentreffens am 20. September 2015 in Wolfsburg von den verantwortlichen Managern und Technikern Präsentationen und Aufstellungen über weitere illegale Funktionen erstellt worden sein.

Darunter waren auch detaillierte Darstellungen über die zweifelhafte Dosierung des Harnstoffgemischs AdBlue etwa bei Audi. Diese Präsentationen seien laut Zeugenaussagen bereits kurz danach entschärft und entscheidende Schlüsselworte entfernt worden, berichtet der SPIEGEL.

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Einige Wochen später in den USA habe ein Gremium mit Juristen und hochkarätigen Konzernmanagern die Informationen vor einer Befragung der US-Behörden erneut zusammengestutzt. Dies hätten Zeugen bei Vernehmungen der Staatsanwaltschaft ausgesagt.

VW kann sich wegen laufender Ermittlungen nicht zu den Vorgängen äußern. In VW-Kreisen heißt es, die Vorgänge seien von Anwaltskanzleien geprüft worden und hätten sich nicht bestätigt.

AdBlue wird bei Dieselmotoren eigentlich eingesetzt, um den Schadstoffausstoß bei Dieseln zu senken. In der vergangenen Woche war allerdings bekannt geworden, dass bei bestimmten Audi-Modellen die Einspritzung von Harnstoff gedrosselt wurde - und der Katalysator zur Reinigung von Stickoxiden nicht oder nur extrem eingeschränkt funktioniert.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
joG 11.05.2018
1. I’m Prinzip bestätigt sich....
....was bereits am Anfang klar war. Natürlich gilt in Dubio pro, aber es ist fast nicht vorstellbar, dass nur einige Wenige an einer nicht geplanten und international organisierten Aktion dieses Ausmaßes beteiligt waren. Auch kann man nicht glauben, dass die Techniker und Manager nicht wussten, weshalb NOx Ausstoß begrenzt wird und es Menschen tötet. Leider muss man auch mutmaßen, dass Politiker, Beamte und Staatsanwälte sowie Richter zumindest hätten wissen müssen, dass etwas von erheblichem öffentlichen Interesse da schief lief. Vielmehr ist der schlimmste Fall anzunehmen und es ist eine
tatsache2011 11.05.2018
2. Extra betont
"Ziehe betont, die Strafverfolger schreckten in der Aufarbeitung der Dieselaffäre nicht vor großen Namen zurück" Das ist doch selbstverständlich. Oder ist das in anderen Fällen schon vorgekommen? ;-))
raoul2 11.05.2018
3. Wenn auch die "helfenden" Ehefrauen im Hintergrund
mit in die Strafverfahren einbezogen werden könnten, wäre die Einschätzung der Menschen sicherlich eine andere - solange Leute wie Martin Winterkorn aber Millionenwerte "schnell noch auf die Gattin übertragen" können, um sich selbst als "mittellos" darzustellen, wird das Vertrauen in unser Rechtssystem nicht wieder erstarken.
pragmat 11.05.2018
4. Lachnummer
Die Staatsanwaltschaft betreibt die Lachnummer des Jahres. Sie ermittelt also wegen einer vermeintlich strafbaren Tat. Und das ist nicht die Täuschung von Behörden und Kunden durch Betrug wie in den USA, sondern wegen Manipulation der Aktienkurse. Dazu muß die Behörde erst mal beweisen, die Herren - immer nur Herren - hätten vorsätzlich die Kurse durch Verschweigen manipuliert, um sich selbst zu bereichern. Wer an den Unsinn glaubt, glaubt auch an den Osterhasen, der dem treuherzigen Kind die Ostereier bringt. Die kann dann das Kind, der Kunde, später in einem Zivilverfahren einklagen. Prost!
Referendumm 11.05.2018
5. Und wieder mal ...
Und wieder mal lacht der "Alte" zum Schluss am besten. Winterkorn dachte eines Tages, den Machtkampf mit seinem großen Herrn und Meister, Ferdinand Piëch, gewonnen zu haben. Aber, wer zum Schluss lacht, lacht bekanntlich am besten. Zitat: "Über Monate nervt Piëch seinen CEO, indem er aus Salzburg ständig neue Informationen anfordert und ihn in Manndeckung nimmt. Dann das erste Misstrauensvotum. Piëch holt den Brachialsanierer Herbert Diess von BMW nach Wolfsburg, als VW-Markenchef. Den Job erledigte bis dahin Winterkorn in Personalunion mit. Die Risse zwischen Lehrer und Schüler klaffen mittlerweile so weit wie das Spaltmaß beim ersten VW Käfer." Tja, und jetzt ist dieser Diess der große Chef des VW-Konzerns und dank unkritischer Vergangenheit (er hatte mit dem VW-Diesel-Abgasskandal nun wahrlich nichts zu tun) ziemlich mächtig. Und Ferdinand Piëch dürfte sich in Salzburg mächtig die Hände reiben. Tja, da hats der alte Lehrer seinem aufmüpfigen Schüler mal wieder richtig gezeigt.
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