Abgasskandal Behörden nehmen weitere VW-Software ins Visier

Gibt es bei VW noch mehr Programme zur Manipulation von Abgaswerten? Die US-Umweltbehörde untersucht einem Bericht zufolge eine Software, die in neue Modelle eingebaut wurde. Den Hinweis darauf gab US-Chef Michael Horn selbst.

VW-Neuwagen (in Emden): Bis zu zwei Jahre, um die Probleme zu lösen
DPA

VW-Neuwagen (in Emden): Bis zu zwei Jahre, um die Probleme zu lösen


Die US-Behörden prüfen im Abgasskandal bei Volkswagen Chart zeigen eine weitere Software zur Emissionskontrolle. Das Computerprogramm komme in seit 2009 benutzten Diesel-Motoren zum Einsatz, die auch mit dem sogenannten Defeat Device zur Manipulation von Messwerten bei Abgastests ausgestattet seien, berichtet der Finanzdienst Bloomberg unter Berufung auf einen Insider.

Den Hinweis auf neue Untersuchungen, die über den Einsatz der bislang bekannten Schummel-Software hinausgehen, hatte VW-US-Chef Michael Horn am Donnerstag selbst gegeben. Bei einer Anhörung vor dem US-Kongress informierte er die Abgeordneten, dass VW den Antrag auf die Zulassung von Diesel-Wagen des Modelljahres 2016 zurückgezogen habe, weil die US-Umweltbehörde ein in den Fahrzeugen installiertes Hilfsmittel ("Auxiliary Emissions Control Device") prüfen müsse.

Bislang ist allerdings unklar, ob es sich dabei um ein zulässiges Mittel zur Abgaskontrolle oder um eine weitere Manipulationssoftware handelt. "Wir arbeiten mit den Behörden zusammen, um das Zertifizierungsverfahren fortzusetzen", sagte Horn. Ein Sprecher der Umweltbehörde EPA sagte Bloomberg, VW habe bislang nur vorläufige Informationen zu dem kürzlich identifizierten Gerät geliefert, dessen Zweck nun untersucht werde.

Die kalifornische Umweltbehörde Carb setzt Volkswagen unterdessen ein Ultimatum. VW habe bis zum 20. November Zeit, einen Plan vorzulegen, wie die betroffenen Diesel-Fahrzeuge nachgerüstet werden können, sagte Carb-Leiterin Mary Nichols dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". Sie kündigte zudem weitere Testergebnisse zu Diesel-Autos anderer Hersteller an. "Wir werden in den nächsten Monaten die Resultate vorlegen."

Eine VW-Sprecherin machte auf Nachfrage keine Angaben. Zu den möglichen Konsequenzen des verzögerten Zulassungsverfahrens hieß es lediglich, dass noch keine betroffenen Autos aus dem Modelljahr 2016 an Vertragshändler ausgeliefert worden seien. Wie viele Fahrzeuge der zurückgezogene Antrag auf Zertifizierung betrifft und welche Kosten damit für VW verbunden sind, blieb unklar. In den letzten Jahren waren etwa 20 Prozent der in den USA verkauften VW-Autos Diesel.

Kalifornien droht mit Stilllegung

Carb erwägt offenbar, notfalls VW-Fahrzeuge aus dem Verkehr zu ziehen: "Wenn es keine technische Lösung gibt, drohen die Stilllegung der Autos und zivilrechtliche Auseinandersetzungen mit den Kunden." Volkswagen hatte erst vor wenigen Tagen um Geduld gebeten und angekündigt, den Rückruf der rund 480.000 in den USA betroffenen Fahrzeuge erst im Januar starten zu wollen.

Ein EPA-Vertreter hatte bei der Anhörung im Kongress gesagt, man rechne in der kommenden Woche mit ersten vorläufigen Lösungsvorschlägen. VW-US-Chef Horn dämpfte die Hoffnung auf eine rasche Bewältigung aber. Es werde wohl mindestens ein bis zwei Jahre dauern, die Probleme richtig zu lösen.

Zunächst geht es darum, den US-Regulierern einen akzeptablen Vorschlag zu unterbreiten, wie die spezielle Software zur Manipulierung der Abgas-Messwerte geändert werden kann. Das "Defeat Device" stellt fest, ob sich die Wagen in einem Emissionstest befinden. Nur dann wird die Abgas-Reinigung aktiviert, im Normalbetrieb ist die Luftverpestung um ein Vielfaches höher.

Die Behörde in Kalifornien hat ihrer Leiterin Nichols zufolge während der Tests, die den Verdacht gegen VW erhärteten, keinen Kontakt zur deutschen Regierung aufgenommen. Jedoch habe sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einem Kalifornien-Besuch 2010 gegenüber Nichols und Ex-Gouverneur Arnold Schwarzenegger über die strengen Grenzwerte für Diesel-Fahrzeuge beschwert, sagte die Behördenchefin. In den USA ist der Grenzwert für Stickstoffoxide deutlich niedriger als in der EU.

Im Video: Michael Horn, US-Chef von VW, entschuldigt sich

dab/dpa

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insgesamt 77 Beiträge
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Seite 1
p k 10.10.2015
1. Mein Wagen
ist ebenfalls betroffen. Nach einem Anruf beim Händler wurde mir mitgeteilt, dass vor Januar 2016 keine Massnahmen zur Reparatur oder Änderung an den betroffenen Fahrzeugen stattfinden würde. Was gemacht werden soll kann der Händler nicht sagen, da er vom Hersteller keine Informationen bekommt. Es kann aber durchaus sein, dass man auch noch länger auf einen Termin zum Umbau warten muss. Ich persönlich lasse mich nicht auf dieses Spielchen ein und werde den Wagen wegen des Mangels mit den falschen Abgaswerten wandeln. Dies macht auf alle Fälle Sinn, wenn die Fahrzeuge noch relativ neu sind und wenig KM gelaufen sind. Hier noch ein Link, wo Betroffene ein Dokument herunterladen können. Macht sicher Sinn. https://www.adac.de/infotestrat/fahrzeugkauf-und-verkauf/zulassung/Abgasskandal/default.aspx
markmach 10.10.2015
2. Alle Diesel
von vw stilllegen und zwar überall auch in Deutschland!!! Wieso sollen wir Bürger von diesen manipulierten Autos vergiftet werden?
p k 10.10.2015
3. Scheibchenweise
wird mit Salamitaktik nur das preisgegeben, was sich nicht verheimlichen lässt. In Deutschland wird durch den Segen des Gesetzgebers der Käufer schlechter gestellt als der "betrügerische" Hersteller. Eine Sammelklage wird ausgeschlossen. Man wird als Kunde nur so lange hofiert, bis man die Kohle über den Tisch geschoben hat, danach ist man der lästige Ar***, wenn man bei Problemen sein Recht in Anspruch nehmen möchte. Dies betrifft aber durchweg alle Branchen.
mcpoel 10.10.2015
4. Fahrzeuge stillegen
Die wollen VWs stillegen. Aber den Verkauf von Schußwaffen wollen dieselben Leute wohl niemals stillegen. Was von Beidem ist wohl wirklich gefährlich? Welch eine Scheinheiligkeit!
Spiegelleserin57 10.10.2015
5. passender Artikel zu TTIPP
hier sieht man wie die U:S:A: mit deutschen Unternehmen umgeht. Mal sehen wie das wäre wenn unsere Abteilungen waren aus den U.S.A. unter die Lupe nehmen. Man muss die ganze Angelegenheit nicht einseitig sehen.
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