Abgasaffäre Staatsanwalt ermittelt gegen VW-Chef Müller

VW-Konzernchef Matthias Müller gerät in der Abgasaffäre nun ebenfalls ins Kreuzfeuer. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Manager wegen des Verdachts der Marktmanipulation.

Volkswagen-Chef Matthias Müller
KOALL/ EPA/ REX/ Shutterstock

Volkswagen-Chef Matthias Müller


In der Abgasaffäre kommt nun auch Volkswagen-Chef Matthias Müller unter Beschuss. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt gegen den Manager wegen des Verdachts der Marktmanipulation im Zusammenhang mit dem Dieselskandal. Das teilte die Behörde am Mittwoch mit. Es geht um Müllers Tätigkeit bei der Porsche-Dachgesellschaft und Volkswagen-Hauptaktionärin Porsche SE, bei der er seit 2010 im Vorstand sitzt.

Dabei geht die Staatsanwaltschaft dem Verdacht nach, dass Aktionäre der VW-Muttergesellschaft verzögert über die finanziellen Folgen der Dieselaffäre informiert wurden. Über den Fall hatte vergangene Woche die "Wirtschaftswoche" berichtet. Die Staatsanwaltschaft bestätigte die Ermittlungen nun. Zugleich wird hierzu auch gegen VW-Aufsichtsratschef Hans-Dieter Pötsch und den ehemaligen Konzernchef Martin Winterkorn ermittelt. Beide saßen zur fraglichen Zeit, als die Dieselmanipulationen bekannt wurden, auch in der Führungsspitze der Porsche SE.

Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch eine Strafanzeige der Finanzaufsicht Bafin im vergangenen Sommer. Sie hatte die Informationspolitik im VW-Konzern überprüft, nachdem im Zuge der Affäre um manipulierte Dieselmodelle Aktien von VW und Porsche mit Kursstürzen reagiert hatten. Die Staatsanwaltschaft in Braunschweig, wo ebenfalls eine Anzeige der Bafin eingegangen war, hatte bereits Ermittlungen gegen Winterkorn, Pötsch sowie den VW-Markenchef Herbert Diess aufgenommen - allerdings nicht gegen den jetzigen Konzernchef Müller.

Aktionäre werfen den Führungsmannschaften von Volkswagen und Porsche SE bereits länger vor, Wissen über die Dieselaffäre zurückgehalten zu haben. Der Streitwert aller Anlegerklagen gegen VW in der Dieselaffäre in Deutschland beläuft sich nach Einschätzung von Anwälten auf rund zehn Milliarden Euro. Die Anschuldigungen weisen VW und die Porsche SE zurück.

Eine bewusst verspätete Mitteilung durch die Porsche SE - dafür sieht nun auch die Staatsanwaltschaft Stuttgart einen Anfangsverdacht.

kig/dpa



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