Machtkampf bei VW Herzschwäche des Konzerns

Beim Machtkampf im VW-Konzern geht es nur vordergründig um Vorstandschef Martin Winterkorn. Tatsächlich sorgt sich Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch um die Zukunft der Marke Volkswagen - das Herz des Autokonzerns ist in Gefahr.

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Vordergründig ist es der Machtkampf zweier Männer in fortgeschrittenem Alter. Auf der einen Seite Ferdinand Piëch, Enkel des Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche, der heute seinen 78. Geburtstag feiert. Auf der anderen Seite Martin Winterkorn, Autoentwickler und Perfektionist, der in wenigen Wochen 68 Jahre alt wird. Es ist klar, dass der angestellte Manager Winterkorn diese Auseinandersetzung mit dem Miteigentümer Piëch, dessen Familie gemeinsam mit dem Clan der Porsches 53,1 Prozent der VW-Stammaktien hält, auf Dauer nicht gewinnen kann.

Dass das Aufsichtsratspräsidium nun verkündet, es wolle im Februar 2016 vorschlagen, Winterkorns Vertrag sogar noch einmal zu verlängern, verschafft den Kontrolleuren Zeit. Sie können in Ruhe eine Nachfolgeregelung vorbereiten. Mehr aber auch nicht.

Denn im Kern geht es um etwas anderes. Die Marke Volkswagen hat gewaltige Probleme. Auf dem zweitgrößten Automarkt der Welt, in den USA, bricht der Verkauf ein, weil den Wolfsburgern die richtigen Modelle fehlen. Die USA sind zurzeit einer der wenigen Wachstumsmärkte in der Automobilindustrie. Doch Volkswagen ist dort mit einem Marktanteil von zwei Prozent ein Exot. Subaru ist deutlich größer.

In Europa droht das Geschäftsmodell der Marke Volkswagen zu scheitern. Die Wolfsburger konstruieren und produzieren ihre Fahrzeuge fast so aufwendig wie Mercedes-Benz. Doch für einen VW zahlen die Kunden nur Volkswagen-Preise. Wie man mit Autos im Massensegment Geld verdienen kann, zeigt die Konzernmarke Škoda, deren Rendite deutlich höher ist.

Die Art lässt manchen frösteln

Aufgefallen ist dies bislang kaum, weil Erfolge auf dem chinesischen Markt die Probleme verdeckten. Aufsichtsratschef Piëch sieht die Gefahr. Deshalb reitet er seine Attacke auf Winterkorn.

Es ist wie einst bei dessen Vorgänger Bernd Pischetsrieder. Auch diesen VW-Chef hat Piëch zuerst mit ein paar Sätzen angeschossen. Kaum einer verstand damals, warum er dies tat, denn die Zahlen waren gut - noch gut. Monate später wurden die Probleme sichtbar. Pischetsrieder, dessen Vertrag sogar noch einmal verlängert worden war, musste gehen.

Man kann Piëch nachsagen, dass es ihm um Macht geht, vielleicht auch um Eitelkeiten. Aber man kann nicht abstreiten, dass er jetzt die Zukunft des Unternehmens in Gefahr sieht und deshalb aktiv wird. Das ist die Aufgabe des Aufsichtsratsvorsitzenden, auch wenn die Art, in der er sie ausübt, manchen frösteln lässt.

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insgesamt 54 Beiträge
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spon-facebook-10000795066 17.04.2015
1. 7 Mrd. werden in USA verbrannt
7 Mrd sollen in Amerika bis 2018 versenkt werden. Jeder BWL Grundkurs weiss, dass zuerst die Rahmenbedingungen stehen müssen bevor man derart expandiert. Winterkorn wird es wohl in den Aufsichtsrat schaffen, ob er darin die Zukunft von VW so prägen kann wie Piech, kann man getrost bestreiten.
rexsayer 17.04.2015
2. Herzschwäche ist gut. Die USA lechzt auch nach Skodas !
Und Seats. Warum macht es VW den Toyota Marken so leicht ?? http://www.quora.com/Why-are-there-no-Skoda-automobiles-in-the-USA
Marianne Rosenberg 17.04.2015
3. Absatzmärkte
"Die USA sind zur Zeit einer der wenigen Wachstumsmärkte in der Automobilindustrie." Da kennt Winterkorn wohl schon die Automobilblase in den USA. Der Markt wächst dort gerade, weil die Haushalte ihre 5. Hypothek aufs Heim aufnehmen. Ich glaube, diesen Mark sollte man sich bei einer unbereinigten Arbeitslosenquote von knapp 30% nicht mehr ansehen. Zudem sind die über AUDI da besser aufgestellt.
Berliner42 17.04.2015
4.
Bei VW läuft's nicht gut. Zu teuer, zu wenig innovativ, kein günstiger Kleinwagen im Sortiment. Aber Hauptsache alle kriegen noch mal 5900 € Prämie von dem Geld, das die ausländischen Standorte erwirtschaften.
hansmaus 17.04.2015
5.
"Das ist die Aufgabe des Aufsichtsratsvorsitzenden, auch wenn die Art, in der er sie ausübt, manchen frösteln lässt." Ja wie soll das sonst gehen? Da arbeiten 300.000 Menschen deren existenz von den Herren im Vorstand abhängt. Irgendwie scheinen das die wenigsten zu begreifen, das ist kein Walldorfkindergarten sondern ein Konzern in dem Menschen arbeiten um ihre Existenz zu sichern. Ein Winterkorn verdient x Millionen und wenn er es nicht mehr bringt ist das entschädigung genug. Dieses weichgespülte gesabbel kann man in Bereichen halten die eh schon jenseits von gut und böse sind unis oder öffentlicher Dienst zum beispiel, wenns da nicht läuft fällt das nicht groß auf aber siehe oben da geht es um zig tausende Menschen die ihren Lebensunterhalt mit der bösen Erfindung namens Auto verdienen!
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