Winterkorn bleibt VW-Chef Piëch verlor Machtprobe im Aufsichtsrat offenbar deutlich

Ferdinand Piëch ist mit seinem Demontageversuch von Konzernchef Winterkorn vorerst gescheitert. Das Präsidium des Aufsichtsrats folgte dem VW-Patriarchen nicht, sondern stellte sich offenbar mit großer Mehrheit hinter Winterkorn.

Aufsichtsratschef Piëch und VW-Chef Winterkorn: Alle gegen den Patriarchen
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Aufsichtsratschef Piëch und VW-Chef Winterkorn: Alle gegen den Patriarchen


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Wichtige Machtkämpfe bei Volkswagen gingen bisher stets zugunsten von Ferdinand Piëch aus. Doch in der Auseinandersetzung um die Zukunft von Vorstandschef Martin Winterkorn wurde der Aufsichtsratsvorsitzende offenbar vorerst ausgebremst. Fünf Mitglieder des sechsköpfigen Präsidiums des Aufsichtsrats hätten sich für Winterkorn ausgesprochen und damit gegen Piëch gestellt, sagten zwei Insider der Nachrichtenagentur Reuters.

Neben dem VW-Patriarchen gehören dessen Cousin Wolfgang Porsche, Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil (SPD), Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh, dessen Vize Stephan Wolf und Berthold Huber von der IG Metall zum Führungsgremium des Volkswagen-Aufsichtsrats.

"Das ist offenkundig eine klare Niederlage für Herrn Piëch", zitierte Reuters einen weiteren Informanten. Das Präsidium des VW-Aufsichtsrats hatte am Donnerstag ein Krisentreffen in Salzburg einberufen - und Winterkorn dabei den Rücken gestärkt, wie heute dann verkündet wurde. Das Präsidium stelle fest, dass Winterkorn "der bestmögliche Vorsitzende des Vorstands für Volkswagen ist", heißt es in der von VW verbreiteten Mitteilung.

Diese fiel mit sieben Zeilen äußerst knapp aus. Der in so wichtigen Fällen verwendete Begriff der Einstimmigkeit kam in der Mitteilung über den Ausgang der Beratungen nicht vor.

Weil will Debatte über Winterkorn beenden

Das sechsköpfige Präsidium bereitet entscheidende Weichenstellungen des 20-köpfigen Aufsichtsrates vor. Das Präsidium will nun vorschlagen, den Vertrag von Winterkorn in der Aufsichtsratssitzung im Februar 2016 zu verlängern. Der Vertrag läuft nach bisherigem Stand Ende 2016 aus.

Piëch war Ende vergangener Woche öffentlich von Winterkorn abgerückt. Dem SPIEGEL hatte er gesagt, er sei "auf Distanz zu Winterkorn". Bis dahin galt Winterkorn als gesetzter Nachfolger des VW-Patriarchen als Chefkontrolleur. Piëch ist bis zum Frühjahr 2017 als Aufsichtsratschef gewählt.

Mit Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh und dem Land Niedersachsen als zweitgrößtem VW-Aktionär hatten sich einflussreiche Aufsichtsräte unmittelbar nach Piëchs Distanzierung öffentlich hinter Winterkorn gestellt. Der Sprecher des Porsche-Familienzweigs, Wolfgang Porsche, hatte Piëchs Äußerungen als "Privatmeinung" bezeichnet. Die Familien Porsche und Piëch halten die Stimmenmehrheit an Volkswagen Chart zeigen.

Präsidiumsmitglied Stephan Weil erklärte die Debatte um die Führungsspitze bei Volkswagen für beendet. "Die Diskussionen der vergangenen Woche waren nicht gut für Volkswagen", sagte der niedersächsische Ministerpräsident. "Ich glaube, mit dem gestrigen Beschluss ist diese Diskussion nun beendet."

Doch ob der Machtkampf bei VW tatsächlich schon entschieden ist, daran zweifeln Beobachter. "Die Schlacht ist noch lange nicht geschlagen", sagte Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. Die VW-Mitteilung sei ein "Signal, um zunächst einmal wieder Ruhe in den Konzern zu bringen". Piëch gehe systematisch vor. "Deshalb sollte niemand, der mit Piëch zu tun hat, zu schnell sagen, er habe verloren", sagte Dudenhöffer. "Wir werden sicher in den kommenden Monaten weitere Aktionen von ihm sehen, die Veränderung an der Spitze von VW einzuleiten."

Der Automobilwirtschaftler Stefan Bratzel sagte, obwohl Piëch offenbar zurückstecken musste, bleibe ein Makel an Winterkorn, weil er die Rückendeckung des Aufsichtsratschefs nicht mehr habe. "Das ist nach wie vor eine Belastung für Winterkorn, er bleibt angeschossen", sagte Bratzel. VW müsse sich zudem mit der Frage auseinandersetzen, wer einmal auf Piëch als Chefkontrolleur folgen solle.

Die Belegschaft im VW-Konzern hofft derweil auf Eintracht. "Volkswagen, Porsche und die anderen Töchter sind gut mit Martin Winterkorn als Konzernchef gefahren. Er ist der richtige Mann, um Volkswagen erfolgreich in die Zukunft zu führen", sagte Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück. "Die Entscheidung bringt zunächst einmal Ruhe und setzt auf Kontinuität."

Zusammengefasst: Nach dem Treffen des engsten Kreises des Volkswagen-Aufsichtsrats bleibt Konzernchef Martin Winterkorn im Amt. Aufsichtsratsboss Ferdinand Piëch stand mit seiner Kritik an dem Manager Insidern zufolge alleine da. Doch Beobachter sehen den Machtkampf noch nicht gelöst.

mmq/Reuters/dpa



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WolfThieme 17.04.2015
1. Nanu?
Vor der Besprechung propehzeiten Journalisten und selbsternannte VW-Experten, Piech werde sich durchsetzen. Und nun das Gegenteil. Auch mein Vater wusste am vor jedem Fußballspiel genau, warum sein Verein gewinnen würde und nach dem Spiel, warum er verloren hat. Was soll man mit der VW-Kaffeesatzleserei anfangen?
Fackus 17.04.2015
2. eine Seifenoper
wie damals bei 'Dallas' oder 'Denver'. Aber ist dieses Sich-gegenseitig-in-den-Hintern-treten irgendwelcher Krawattenträger wirklich wert, sich damit zu befassen?
moistvonlipwik 17.04.2015
3. Erste Schlacht
Entweder wir erleben die Patriarchendämmerung, oder es handelt sich nur um die erste Schlacht in einem langen Krieg.
Walther Kempinski 17.04.2015
4. Wieso
Was will der Piech eigentlich? Der Laden läuft doch. Ob Winterkorn was taugt oder nicht, zeigt sich ohnehin in Zeiten der Rezession. Wenn die Konjunktur brummt, sieht man ohnehin keine großen Fehler einer Unternehmensführung.
paulhaupt 17.04.2015
5. ...
Ich finde es obszön, daß ein Mann offenbar ganz allein das Sagen in diesem weltweiten Imperium hat. Das selbst der Aufsichtsrat dieses Riesenkonzerns nur Piechs Marionettentheater sein soll. Es wird wohl Zeit, daß die Macht bei Volkswagen neu aufgeteilt wird.
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