Autoindustrie VW will bis zu 7000 Stellen streichen

Der Volkswagen-Konzern baut künftig offenbar in größerem Stil Arbeitsplätze ab. Betroffen sind angeblich die Werke in Emden und Hannover. Schuld soll der Umstieg auf Elektrofahrzeuge sein.

Produktion im VW-Werk in Emden (Archiv)
DPA

Produktion im VW-Werk in Emden (Archiv)


Wenn die Produktion von Elektroautos hochgefahren wird, könnten an den VW-Standorten Emden und Hannover insgesamt bis zu 7000 Stellen wegfallen. Dies sei aber nur möglich, wenn Altersteilzeitregelungen voll ausgeschöpft würden, berichtete die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen. Zuvor hatte bereits die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf interne Planungen des Konzerns von einem entsprechenden Stellenabbau berichtet.

Als Grund für den geplanten Arbeitsplatzabbau wird die Umstellung der Produktion auf Elektroautos genannt. Sie gilt als weniger aufwendig. Um die Umstellung an den beiden Standorten abzufedern, wurde eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2028 vereinbart. Gleichzeitig können nach dpa-Informationen Zukunftsjobs rund um den Megatrend Digitalisierung in den Werken entstehen. Befristet Beschäftigten will Volkswagen Verträge bei Porsche und im VW-Werk in Kassel anbieten.

Rund ein Drittel der Arbeitsplätze könnten wegfallen

Erst vor Kurzem hatte Konzernchef Herbert Diess angekündigt, es werde an den beiden Standorten keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Der bisher in Emden gefertigte Passat wird künftig nach Tschechien zu Skoda verlagert. Dafür soll in Emden ein E-Kleinwagen für unter 20.000 Euro neben Limousinen mehrerer Marken gefertigt werden. In Hannover soll der elektrische Kleinbus ID Buzz entstehen, aber auch der "Bulli" wird weiter dort gebaut. Zusätzlich soll dort laut Konzernbetriebsrat ein großes Elektrofahrzeug vom Band rollen.

Für die Pläne könnten aber auch andere Erwägungen des VW-Konzerns eine Rolle spielen. Am Donnerstag hatte VW-Chef Diess wegen der geplanten schärferen CO2-Grenzwerte von 2021 bis 2030 um 37,5 Prozent abermals vor einem Verlust von Arbeitsplätzen gewarnt. Aber auch im Konzern gibt es große Baustellen: die Dieselaffäre kostet Milliarden, und das neue Abgastestverfahren WLTP bringt die Industrie laut Diess "an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit". Wegen fehlender Zulassungen für VW musste der Konzern bereits große Parkplatzflächen für Neuwagen anmieten - unter anderem auf dem Berliner Pannenflughafen BER.

Von dem geplanten Abbau in Emden und Hannover betroffen wären laut "FAZ" insgesamt rund ein Drittel der insgesamt 22.000 Stellen. Laut dpa könnten bis zu 4000 Stellen in Hannover und bis zu 3000 in Emden gestrichen werden. Dies sei aber nur auf freiwilliger Basis möglich. In Hannover blieben dann gut 10.000 Beschäftigte, in Emden etwa 6000.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, der CO2-Ausstoß von Autos müsse von 2021 bis 2030 um 35 Prozent gesenkt werden. Die Senkung soll tatsächlich aber 37,5 Prozent betragen.

apr/dpa



insgesamt 104 Beiträge
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zoltan.ribli 21.12.2018
1.
Bei einem Vortrag von Prof. Lesch hörte ich zum ersten Mal, dass der Lithiumabbau für die Umwelt eine Katastrophe sei und das Grundwasser verseucht wird. - So sieht das saubere Elektroauto aus: null Emission, alles super.
Kuckuckskind 21.12.2018
2. Verschlafen und vergeigt
VW hat sich darauf verlassen dass die Politik alle Widerstände beim Beharren auf der IKE Technologie beiseite räumt. Einen Plan B hat man nicht. Power to Gas, Wasserstoffantrieb oder gar ein frühes Konzept für ein E-Fzg - Fehlanzeige. Nun sollen für unternehmerische Fehlentscheidungen die Beschäftigten mit Verlust ihres Arbeitsplatzes oder Umzug zahlen. Ich warte noch auf den Ruf nach staatlichen Hilfen.
herrschläfer 21.12.2018
3. Mal sehen
... wann die Ersten um die Ecke kommen und der Umwelthilfe eine Mitschuld andichten. Hier wird nur eiskalt die Stimmung ausgenutzt, um auf prekäre Beschäftigung umzusatteln und im nächsten Schritt mit größeren Kontingenten ins Ausland auszulagern. Irgendjemand muss schließlich den ganzen Beschiss zahlen. Willkommen im Kapitalismus VW-Mitarbeiter
stefan7777 21.12.2018
4. Weder weiter so noch P2G sind eine Alternative
Es handelt sich bei der Umstellung auf E-Mobilität um eine distruptive Innovation. Verstärkt wird dies noch durch die konkurrenzfähigen Erneuerbare Energien. Das geht sehr schnell vonstatten. Denkt an die Umstellung auf Digitale Fotografie. Das hat 2003 begonnen und 2007 waren analoge Kameras Ladenhüter. Liebe Autobauer, schaut, dass ihr einen Job in einem der neuen Werke bekommt! Man kann nur hoffen, dass es Diess mittlerweile ernst ist mit der Umstellung, dann kann das auch viele Arbeitsplätze bringen.
benmartin70 21.12.2018
5.
Zitat von zoltan.ribliBei einem Vortrag von Prof. Lesch hörte ich zum ersten Mal, dass der Lithiumabbau für die Umwelt eine Katastrophe sei und das Grundwasser verseucht wird. - So sieht das saubere Elektroauto aus: null Emission, alles super.
Wie gut dass das ja mit der Erdölförderung soviel besser klappt. Also wie bisher nur anders. Dafür weniger Krach und weniger Abgase. Und nebenbei- das öl hält nicht ewig.
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