Herbstgutachten Wirtschaftsforscher kappen Wachstumsprognose

Die führenden Wirtschaftsinstitute blicken immer skeptischer auf die Konjunktur in Deutschland. Die Forscher senkten ihre Wachstumsprognose laut "Handelsblatt" deutlich.

Container am Hafen Hamburg: Weniger Wachstum
REUTERS

Container am Hafen Hamburg: Weniger Wachstum


Berlin - Das Herbstgutachten gilt als richtungsweisend für die Konjunkturprognose der Bundesregierung: Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Wachstumsprognose für Deutschland deutlich gekappt, berichtet das "Handelsblatt".

Sie erwarten nur noch 1,3 Prozent Wachstum in diesem Jahr und ein Plus von 1,2 Prozent für 2015, heißt es in dem Bericht. Die Zeitung beruft sich dabei auf mit dem Gutachten vertraute Kreise. Der ausführliche Bericht der Wirtschaftsforscher wird am Donnerstag vorgestellt.

Vor einem halben Jahr hatten die Institute noch 1,9 Prozent Wachstum für 2014 und 2,0 Prozent für 2015 vorhergesagt. Die sogenannte Gemeinschaftsdiagnose wird von vier Konsortien der Wirtschaftsforschungsinstitute erstellt. Zu dem Gremium gehören das ifo Institut in München, das DIW in Berlin, das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen und das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH).

Auch IWF kappt Prognose für Deutschland

Nicht nur die deutschen Wirtschaftsforscher sehen die konjunkturelle Entwicklung skeptischer. Auch die aktuelle Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) für das Wachstum in Deutschland fiel erheblich skeptischer aus als bisher. Der Fonds rechnet nur noch mit einem Wirtschaftswachstum in diesem Jahr von 1,4 Prozent und im kommenden Jahr von 1,5 Prozent. Das entspricht für 2014 einer Absenkung um einen halben Prozentpunkt und für 2015 um 0,2 Prozentpunkte. Zudem warnte der IWF vor einer neuen Weltwirtschaftskrise.

Die Sorge vor einem Abschwung macht sich auch an der Börse bemerkbar. Der Dax fiel erstmals seit zwei Monaten wieder unter die Marke von 9000 Punkten. Bis zum frühen Nachmittag kletterte der Leitindex aber wieder auf 9011 Punkte.

Bundesregierung will Kurzarbeitergeld erneut verlängern

Sollten Firmen durch weniger Aufträge Probleme bekommen, sorgt die Bundesregierung bereits vor. Sie plant die Bezugsdauer für das Kurzarbeitergeld auch im kommenden Jahr auf bis zu zwölf Monate zu verlängern. Eine entsprechende Verordnung werde zurzeit vorbereitet, bestätigten Regierungskreise einen Bericht der "Rheinischen Post". Gesetzlich ist das Kurzarbeitergeld eigentlich auf maximal sechs Monate begrenzt. Die Bundesregierung hatte die Bezugsdauer allerdings schon in den vergangenen Jahren auf das Doppelte ausgedehnt. Idee des Kurzarbeitergeldes ist es, bei Auftragsflauten Entlassungen zu verhindern. Es wird von der Bundesagentur für Arbeit gezahlt und entlastet Unternehmen.

bos/Reuters



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abrweber 08.10.2014
1. Ein elementarer Grund sind die Sanktionen
Bereits seit geraumer Zeit wird das Klima in der deutschen Wirtschaft schlechter. Als einer der größten Stimmungsdämpfer für die Industrie gilt die Ukraine-Krise und – damit verbunden – die Sanktionspolitik gegen Russland. «Vor allem die Krise in der Ostukraine hat die Unternehmen bei den geplanten Investitionen trotz der aktuell niedrigen Zinsen vorsichtiger werden lassen», argumentieren Experten. Die EU war von den USA zu den Sanktionen gezwungen worden, wie Vizepräsident Joe Biden bei einem Vortrag in Harvard freimütig erläuterte. Die EU müsse wirtschaftliche Schläge einstecken, um Russland unter Druck zu setzen, sagte Biden. bereits am Montag konnte man nachlesen, dass die deutsche Industrie den stärksten Auftragsrückgang der letzten 5 Jahre zu verzeichnen hatte. Es liegt sicherlich nicht ausschließlich an dieser unsäglichen Sanktionspolitik, aber es ist mehr als dümmlich, sich mit solchen von der USA erzwungenen Entscheidungen, selbst zu schädigen.
rambo2012 08.10.2014
2.
Das sind ja genau die richtigen Meldungen für unsere Foren-Teilnehmer hier. Ich glaube, das interessiert sowieso keine Sau mehr. Oder ist unendliches Wirtschafts-Wachstum theoretisch möglich? Auf wessen Kosten? Wir werden auch das überleben..
carolian 08.10.2014
3. Falschprognostiker
Eine Prognose, die sich als falsch erwiese, ist falsifiziert. Man kann sie nicht ändern. Bleibt besser in der Ethik der seriöser Wissenschaft. Man kann kein weitere Prognose auf die eingestürzten Neubauten. Schon alleine vom Zeitablauf nicht mehr. Weil das nun keine Prognose für 2014 mehr ist, sondern fast das Endergebnis. Mein Gott, Ihr versucht wirklich hier die Menschen für dumm zu verkaufen, um eure Scheinwelt noch aufrecht zu erhalten. Das nennt man wissenschaftliche und journalistische Scharlatanerie! In einer seriösen Prognose darf es keine höhere Abweichung als 3 % zum Endergebnis geben. Hier lagen die sich selbst befriedigenden Perlen der deutschen Wirtschaftswissenschaft über 30 % daneben. So was kann man sich vielleicht als Automobilhersteller in der Prognose seiner Benzinverbräuche erlauben, aber doch nicht als Wissenschaftler. Was diese vom Bund bezahlten "Wirtschaftsforscher" errechnen, ist doch Mumpitz. Ich weiss schon heute, dass es im nächsten Jahr nur eine Wirtschaftswachstum von 0,8 % geben wird. Falls nicht der erwartete Kollaps des Wirtschaftssystems kommt. Dann geht es mit 6 -8 % abwärts. Ich nehme einfach die Hälfte der prognostizierten Zahl dieser Scharlatane, strecke noch meine Nase in die Zeitungen und gucke mir die Portemonnaies der Leute von innen an und liege damit eigentlich immer richtig. Für dieses Jahr habe ich 1.2 % prognostiziert. Die 0,1 % weniger schafft die deutsche Wirtschaft auch noch. Weil die internationalen Autoverkäufe gerade einbrechen. Ohne stochachstische Methoden. Aber die verwenden diese ja auch nicht. Die verwenden die staatlich vorgeschriebene Methode: "Darf´s ein Viertel mehr sein?".
roger13 08.10.2014
4. Markenzeichen
Die Automobilindustrie hat das deutsche Markenzeichen "Made in Germany" mit ihren Massenproduktionen in China und anderswo verbraucht.Von diesem Markenzeichen hat D 100 Jahre gut gelebt.Die, die deutschen Konzerne dominierenden internationalen Finanzheuschrecken, haben so den schnellen Euro mitgenommen.Willkommen in Merkels Resterampe!!!!
bluebill 08.10.2014
5. Ja und?
Nichts kann ewig wachsen, wenn die Materie begrenzt ist. Auch die Wirtschaft nicht. Das ewige Wachstum ist zwar Grundlage der kapitalistischen Marktphilosophie, aber trotzdem eben physikalisch unmöglich. Was soll denn "wachsen", wenn alle alles haben und nichts mehr verkauft werden kann außer Ersatz für Verschlissenes oder Verbrauchtes?
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