Streik Post-Manager und Kunden sortieren Briefe

Damit Briefe und Pakete trotz Streiks nicht zu lange liegen bleiben: Post-Manager und Mitarbeiter anderer Unternehmen sortieren während des Ver.di-Ausstands Sendungen. Die Gewerkschaft sieht das Briefgeheimnis in Gefahr.

Wenn der Briefträger nicht kommt: Stapelweise Post in Potsdam
DPA

Wenn der Briefträger nicht kommt: Stapelweise Post in Potsdam


Während des Poststreiks helfen Post-Manager und Mitarbeiter anderer Unternehmen der Deutschen Post Chart zeigen, Briefe und Pakete zuzustellen. Die Gewerkschaft Ver.di hält derweil am unbefristeten Streik fest und hat am Donnerstag mit rund 4000 Beschäftigten vor dem Bonner Post-Tower demonstriert. Angesichts der Aushilfen der besonderen Art fürchten Gewerkschaftsvertreter um das Postgeheimnis.

In dem Tarifkonflikt richten sich die bundesweit derzeit rund 20.000 Streikenden vor allem gegen die schlechtere Bezahlung von Mitarbeitern in 49 neuen Regionalgesellschaften. Die 6000 Mitarbeiter dort werden nicht nach dem Haustarifvertrag der Deutschen Post bezahlt, sondern nach den niedrigeren Tarifregelungen der Speditions- und Logistikbranche. Damit verdienen sie rund 20 Prozent weniger.

Um die Auswirkungen des Streiks in den Griff zu bekommen, setzt die Post eigenen Angaben zufolge Mitarbeiter von einem halben Dutzend namhafter Unternehmen ein. Auch Kunden und Manager des Konzerns kämen zum Einsatz, bestätigte eine Post-Sprecherin am Donnerstag Berichte der "Zeit" und der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Von Anfang an haben wir geplant, Mitarbeiter aus Verwaltung und Vertrieb einzusetzen, darunter auch Manager", sagte die Sprecherin SPIEGEL ONLINE. Über die zusätzliche Unterstützung von Kunden und Mitarbeitern anderer Unternehmen freue man sich. Zu Anzahl und Einsatzorten dieser Aushilfen gab sie jedoch keine Auskunft.

Die Gewerkschaften Ver.di und DPV sehen wegen der Aushilfen der besonderen Art in den Sortierzentren das Postgeheimnis in Gefahr. Die Post-Sprecherin wies das zurück: "Mit oder ohne Streik werden bei uns Aushilfen auf das Postgeheimnis verpflichtet." Das gelte auch für Manager. Hans-Heinrich Trute, Juraprofessor an der Universität Hamburg, teilt die Bedenken der Gewerkschaft ebenfalls nicht. Wenn geeignete Maßnahmen zur Aufklärung getroffen worden seien, sehe er keine Probleme, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Ein Ver.di-Sprecher sagte dazu: "Die Post sollte weniger Energie darauf verwenden, den Streik zu unterlaufen, und vielmehr nach einem Kompromiss suchen."

Unterdessen stimmten am Donnerstag auch die Mitglieder der kleineren Kommunikationsgewerkschaft DPV in einer Urabstimmung für unbefristete Streiks bei der Post. Sie verlangt wie Ver.di die Rückführung der Beschäftigten aus den Regionalgesellschaften in den Mutterkonzern. Mit zusätzlichen größeren Verzögerungen bei der Zustellung durch den möglichen DPV-Streik rechnet die Post nicht. Am Mittwoch ging die Post davon aus, dass 76 Prozent der Briefe und 62 Prozent der Pakete pünktlich beim Empfänger ankommen.

apr/AFP/dpa



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insgesamt 96 Beiträge
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Seite 1
eckawol 18.06.2015
1. Vermisse einige Rechnungen nicht
Verzugszinsen werde ich wegen höherer Gewalt der Post in Rechnungen stellen
1besserwisser1 18.06.2015
2.
Verdi sollte sich eher darum sorgen machen das es bald keine Post mehr gibt als diese zu bestreicken
ollowain13 18.06.2015
3. Zustellungsquoten sind reine Erfindung!
Wenn zwischen 56 - 76 % der Sendungen verzögerungsfrei zugestellt werden würden, müsste ich in den vergangenen 2 Wochen wenigstens ein einziges Mal einen Briefträger auf der Straße gesehen bzw wenigstens ein einziges Mal eine der zahlreichen Sendungen, auf die ich warte, erreicht haben. Da kommt aber seit Montag vergangener Woche überhaupt gar nichts. Nicht mal die Werbung. Blöd dabei: In der Post liegen Voucher für einen Urlaub, den ich in 10 Tagen antrete. Wenn die nicht da sind - gratuliere: 6000 € im Ar***, nur weil die Post zu geizig ist, ihre Leute nach Haustarifvertrag zu bezahlen. Wofür waren dann genau nochmal die 2 Briefportoerhöhungen der letzen beiden Jahre?
janix_ 18.06.2015
4. Lächerlich ...
... die Manager können das ja gar nicht. Fast hätte ich gesagt: auch das gar nicht. Doch es sind auch welche dabei, die denken können. - Die paar hochgradig uneffektiven Personen einzusetzen ist jedenfalls doch Schmierenkomödie. Und ja, wir brauchen durch die Bank gerechte Strukturen und faire, höhere Löhne in der Bundesrepublik.
diesa52 18.06.2015
5. Besonders das Postgeheimnis leidet unter dem Streik
das ist die Sorger der Gewerkschaftsvertreter. Meine Sorge ist, dass meine auch Briefe in meinem Briefkasten landen. Das ist aber in den letzten Jahren immer häufiger nicht der Fall. Von meinen Nachbarn bekam ich schon Anwaltspost, Steuerunterlagen und Gehaltsmitteilungen, die im Nachbarhaus eingeworfen wurden. Mancher Brief erreichte mich auch nie. Also die Aushilfen sind meine geringste Sorge.
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