Von Stefan Schultz
Viele Anleger verunsichert der rapide Euro-Verfall: Sind die mühsam zusammengetragenen Euro auf der Bank bald massiv entwertet? Und wenn ja - wie kann der Privatanleger sein Vermögen schützen?
Fakt ist: Wer keine Währungsspekulationen betreibt, dem kann das Auf und Ab des Euro zunächst einmal völlig gleichgültig sein. "Die Gemeinschaftswährung verliert ja nur gegenüber anderen Währungen an Wert", sagt Uwe Döhler, Anlageexperte bei der Verbraucherzeitschrift "Finanztest". "Finanzprodukte, die in Euro notieren, wären von diesen Schwankungen nur betroffen, wenn der Euro abgeschafft und die D-Mark wieder eingeführt würde. Davon aber ist im Moment nicht auszugehen."
Auch auf die Entwicklung der Börsenkurse hat das Euro-Hickhack wenig Einfluss. Nach dem fulminanten Auf und Ab in den vergangenen 14 Handelstagen dürfte sich der deutsche Aktienmarkt nach Expertenschätzungen in dieser Woche sogar erholen. Vor allem die Titel exportorientierter Unternehmen dürften gefragt sein, da ein schwacher Euro deren Waren im Ausland billiger macht - und dadurch die Verkäufe ankurbelt.
Dennoch macht der ruckartige Euro-Verfall den Experten Sorgen. "Er ist ein deutliches Symptom für geldpolitische Gefahren", sagt Ansgar Belke, Forschungsdirektor für internationale Makroökonomie am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). So könnte der schwache Euro auf eine baldige Inflation hinweisen.
Tatsächlich sind die Gefahren einer Geldentwertung bedenklich gestiegen. Seit Beginn der Finanzkrise überflutet die Europäische Zentralbank (EZB) die Märkte mit Geld - und neuerdings kauft sie auch noch die Anleihen kriselnder Staaten. Indem sie Schulden absaugt, bringt sie faktisch noch mehr Geld in den Umlauf. In Kombination mit einem langsamen Wirtschaftswachstum könnte das die Inflation treiben.
Experten raten zu kurzfristigen Anlagen
Ob es dazu kommt, ist allerdings umstritten. Es könnte auch sein, dass die Bürger im Gegensatz zur öffentlichen Hand immer weniger Geld ausgeben, dass sie ihr Erspartes angesichts der unsicheren Zeiten lieber zur Bank tragen. Die Folgen: niedriges Wachstum und niedrige Inflation - im schlimmsten Fall sogar Deflation, also sinkende Preise.
Angesichts der unsicheren Situation raten Experten derzeit zu kurzfristigen Anlagen. "Verbraucher sollten ihr Geld maximal drei Jahre binden", sagt Döhler, "eher sogar nur einige Monate." Denn wenn die Inflation anzieht, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Europäische Zentralbank gegensteuert, indem sie den Leitzins steigert. Das ist der fundamentale Zinssatz, zu dem sich die Banken untereinander Geld leihen. In der Folge steigen auch die Zinsen für Anlagen.
"Wer sein Geld jetzt zu lange bindet, läuft Gefahr, von den steigenden Zinsen nicht zu profitieren", sagt Döhler. "Wenn die Inflationsrate über das aktuelle Zinsniveau von Anlagen steigt, könnten Verbraucher sogar Geld verlieren."
Von vorgezogenen Einkäufen rät Döhler dagegen dringend ab. "Es bringt beispielsweise nichts, sich jetzt einen Fernseher zu kaufen, weil man fürchtet, das Gerät könnte bald teurer werden", sagt er. "Man sollte aus Angst vor einer möglichen Inflation nicht über die eigenen Verhältnisse leben."
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte | RSS |
| alles zum Thema Banken | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH