Hamburg - Im Parlament hat Pier Luigi Bersani mit seinem Mitte-links-Bündnis die Mehrheit, im Senat jedoch können die Euro-Skeptiker Silvio Berlusconi und Beppe Grillo alles blockieren. Italien droht die Unregierbarkeit. Und das in einer Zeit, in der das Land Schulden von mehr als zwei Billionen Euro drücken und rasche Wirtschaftsreformen nötig sind. Anleger fürchten schon die Rückkehr der Euro-Krise - weltweit stürzen die Börsenkurse ab.
Der Dax
rutschte zum Handelsauftakt mehr als zwei Prozent ins Minus. Der EuroStoxx 50
, der wichtige europäische Werte abbildet, verlor binnen weniger Minuten bis zu drei Prozent an Wert. In Italien verlor der FTSE-Index zeitweise 4,5 Prozent, der Cac 40 in Paris sackte um 2,5 Prozent ab, und für den Londoner FTSE 100 ging es um 1,4 Prozent nach unten.
Der Euro
stand am Morgen bei rund 1,30 Dollar; am Wahltag hatte er fast drei Cent mehr gekostet.
Zuvor hatten schon die Börsen auf anderen Kontinenten Verluste verbucht. In Japan sackte der Nikkei
um 2,26 Prozent auf 11.398 Punkte ab. In Hongkong verlor der Hang Seng
0,72 Prozent auf 22.655 Punkte. Der südkoreanische Kospi beendete den Handel mit einem Minus von 0,47 Prozent bei 2000 Punkten.
An der Wall Street schloss der Dow Jones
mit 1,5 Prozent im Minus auf einem Stand von 13.784 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 büßte 1,8 Prozent auf 1487 Zähler ein. Der Index der Technologiebörse Nasdaq
sank um 1,4 Prozent auf 3116 Stellen. Für die Wall Street war es der größte Tagesverlust seit dem 7. November 2012.
"Im Moment gibt es eine Diskussion unter den Händlern: Ist das Wahlergebnis in Italien eine Ursache oder eine Ausrede für etwas, was der Markt ohnehin tun wollte?", sagte Michael McCarthy, Chefstratege bei CMC Markets. "Schließlich waren die Kurse so stark gestiegen, dass eine Korrektur ohnehin anstand."
Wegen des drohenden politischen Stillstands in Italien verschlechterte sich auch die Lage an den Anleihemärkten. Die Risikoprämien zehnjähriger Anleihen stiegen in Spanien um 0,4 Punkte auf 5,5 Prozent. In Italien stieg die Zehnjahresrendite um 0,36 Punkte auf 4,8 Prozent. In Portugal erhöhte sich die Rendite zweijähriger Staatsanleihen um 0,8 Prozentpunkte auf 3,7 Prozent.
ssu/dpa/Reuters
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