Baugenehmigungen Wal-Mart soll Schmiergeldskandal vertuscht haben

Der umsatzstärkste Einzelhandelskonzern der Welt sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert: Laut einem US-Zeitungsbericht soll Wal-Mart in Mexiko Bestechungsgelder in zweistelliger Millionenhöhe gezahlt haben, um Baugenehmigungen für Filialen zu bekommen.

Wal-Mart-Filiale in Mexiko: "Niedrige Preise, jeden Tag, für alles"
REUTERS

Wal-Mart-Filiale in Mexiko: "Niedrige Preise, jeden Tag, für alles"


New York - Wie die "New York Times" am Samstag berichtete, soll das US-Einzelhandelsunternehmen Wal-Mart in einen Bestechungsskandal verstrickt sein.

Demnach soll im September 2005 in der mexikanischen Niederlassung bekannt geworden sein, dass für Baugenehmigungen in dem Land etwa 24 Millionen Dollar Bestechungsgelder gezahlt wurden. Doch anstatt eine interne Untersuchung in der Sache zu veranlassen, seien die Erkenntnisse schlicht unter den Tisch gekehrt worden, so die "New York Times".

Der Zeitung zufolge erhielt ein Anwalt des Unternehmens im September 2005 eine E-Mail von Sergio Cicero Zapata, einem ehemaligen leitenden Angestellten in der mexikanischen Niederlassung. Zapata beschreibt darin detailliert, wie die Tochterfirma Bestechungsgelder zahlte, um so an Baugenehmigungen für Wal-Mart-Filialen im Land zu gelangen. Daraufhin habe die Wal-Mart-Zentrale interne Ermittler nach Mexico City entsandt, die auf Belege für Hunderte suspekter Zahlungen in Höhe von mehr als 24 Millionen Dollar stießen.

Doch das Unternehmen schwieg darüber und informierte weder die US- noch die mexikanischen Behörden, schreibt die "New York Times". Der Zeitung zufolge hatten sowohl der aktuelle Wal-Mart-Chef Mike Duke als auch der ehemalige Geschäftsführer Lee Scott, der jetzt im Vorstand sitzt, Kenntnis von den Vorgängen.

Dokumente belegen laut "New York Times", dass die Manager von Wal-Mart Mexiko nicht nur von den Zahlungen wussten, sondern sie vor der Zentrale in Brentonville, Arkansas, verheimlichten. Wal-Mart habe eine Anwaltskanzlei mit Erfahrung in Korruptionsfällen angeheuert. Als die Rechtsexperten jedoch weitergehende Ermittlungen anrieten, wurde die Sache fallengelassen.

Sergio Cicero Zapata nannte Eduardo Castro-Wright als die treibende Kraft bei den illegalen Zahlungen. Castro-Wright wurde 2003 Geschäftsführer von Wal-Mart Mexiko, zwei Jahre später von Wal-Mart USA. Später wurde er stellvertretender Vorstandsvorsitzender und leitete den E-Commerce von 2010 bis Januar 2012. Im Juli soll er in Rente gehen.

Wal-Mart zeigt sich "betroffen"

In einer Stellungnahme erklärte Wal-Mart am Samstag, dass der Konzern "sehr betroffen" sei von den Anschuldigungen in der "New York Times". Man habe die Ergebnisse der internen Ermittlungen an das US-Justizministerium weitergeleitet.

"Viele der angeblichen Verstöße aus dem Artikel der 'New York Times' sind älter als sechs Jahre. Wenn diese Vorwürfe der Wahrheit entsprechen, sind sie nicht der Spiegel dessen, was wir heute sind und wofür wir stehen", sagte David Tovar von Wal-Marts Unternehmenskommunikation. "Wir arbeiten energisch daran herauszufinden, was passiert ist."

Auf dem Korruptionsindex von "Transparency International" liegt Mexiko hinter Ägypten und Burkino Faso im Jahr 2010 auf Platz 98. Das ist solides Mittelfeld bei insgesamt 178 Staaten, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Mexiko ein hochkorruptes Land ist, mit täglichen militanten Gewaltexzessen unter den konkurrierenden Drogenkartellen.

In Mexiko helfen Mittelsmänner, sogenannte "gestores", Unternehmen bei der Beschaffung von Aufenthaltsgenehmigungen, auch bei Steuerangelegenheiten oder anderen Problemen mit den Behörden. Nicht immer ist dabei klar, ob Bestechungsgelder im Spiel sind.

Wal-Mart ist der umsatzstärkste Einzelhandelskonzern der Welt und beschäftigt zwei Millionen Angestellte. Wal-Mart Mexiko, kurz Walmex, eröffnete 1991 seine erste Filiale in Mexiko. Im Jahr 2011 lag der Umsatz bei 379 Milliarden Pesos (rund 29 Milliarden Dollar). Der Gesamtumsatz des Konzerns lag im vergangenen Jahr bei 443,85 Milliarden Dollar.

ala/Reuters



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