Wal-Mart: Supermarktkette entgeht Mammutklage
Es war eine der größten Sammelklagen der Geschichte: 1,5 Millionen Frauen wollten die US-Supermarktkette Wal-Mart zur Rechenschaft ziehen, weil sie sich wegen ihres Geschlechts diskriminiert fühlten. Nun hat der Oberste Gerichtshof der USA das Ansinnen abgewiesen - und auch viele deutsche Unternehmen dürften aufatmen.
Washington - Schlechter bezahlt, seltenerer befördert - was viele Frauen in Europa und den USA ärgert, war für die Beschäftigten der weltgrößten Handelskette Wal-Mart ein Grund zur Klage. 1,5 Millionen ehemalige und aktuelle Mitarbeiterinnen hatten sich zusammengetan, um den Konzern wegen Diskriminierung zu belangen. Doch gerade diese gewaltige Dimension war für das Gericht ein Grund, die Klage zurückzuweisen.
Die Richter schlossen sich damit Wal-Marts Argumentation an, dass die Beschäftigten in 3400 verschiedenen Filialen zu wenig gemeinsam hätten, um sie in einem Gerichtsverfahren zusammenzufassen. Die Mitarbeiterinnen haben nun zwar die Möglichkeit, einzeln gegen Wal-Mart zu klagen, aber dabei steht für den Handelskonzern wesentlich weniger auf dem Spiel als bei einer der gefürchteten Sammelklagen. Wäre die Mega-Klage zugelassen worden, hätte der Schadensersatz in die Milliarden gehen können. Wal-Mart ist der weltgrößte private Arbeitgeber mit mehr als zwei Millionen Beschäftigten, die meisten davon in den USA.
Die Entscheidung des Obersten Gerichts der USA könnte Auswirkungen auf Sammelklagen im Allgemeinen und Diskriminierungsklagen im Besonderen haben. Eine ganze Reihe von Konzernen sieht sich derzeit mit Vorwürfen konfrontiert, Frauen im Job zu benachteiligen. Entsprechend stark war die Unterstützung für Wal-Markt von Unternehmensseite in diesem Fall.
So muss sich der deutsche Pharma- und Chemiekonzern Bayer mit einer Klage von Mitarbeiterinnen in den USA auseinandersetzen. Mehrere Frauen beschuldigen Bayer, Männer bei der Bezahlung und Beförderung zu bevorzugen und überdies Schwangere und Mütter unter Druck zu setzen. Die Frauen verlangen 100 Millionen Dollar. Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hatte vor einem Jahr in einem ähnlichen Fall in einem Vergleich 175 Millionen Dollar gezahlt.
stk/dpa-AFX/Reuters
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