Patriotische Pläne: Wal-Mart will US-Kriegsveteranen anheuern

"Sie haben Leistung unter Druck erbracht." Mit dieser Begründung kündigt Wal-Mart die Einstellung von mehr als 100.000 US-Kriegsveteranen an. Der Einzelhändler will sie in den Geschäften und Vertriebszentren einsetzen.

Wal-Mart Filiale: Patriotische Versprechen Zur Großansicht
REUTERS

Wal-Mart Filiale: Patriotische Versprechen

New York - Diese Initiative dürfte bei patriotischen US-Bürgern gut ankommen und im besten Fall für steigende Umsätze sorgen. Der Einzelhändler Wal-Mart will in den nächsten fünf Jahren in den USA mehr als 100.000 Kriegsveteranen einstellen. Ab Mai solle den Heimkehrern nach ihrem aktiven Dienst ein Job in den Geschäften und Vertriebszentren des Konzerns angeboten werden, sagte US-Wal-Mart-Chef Bill Simon laut Redetext bei einer Konferenz des Einzelhandelsverbands.

"Einen Veteranen anzuheuern, kann eine deiner besten Geschäftsentscheidungen sein. Veteranen haben nachweislich Leistung unter Druck erbracht", begründete der Manager die Pläne. Die Ex-Soldaten seien teamfähig und lernten schnell. Zudem hätten sie eine Leidenschaft für Dienstleistungen. "Das Militär bringt ihnen Ernsthaftigkeit und Zielstrebigkeit bei, die wir mehr denn je brauchen", sagte Simon.

US-Präsidentengattin Michelle Obama unterstützt demnach das Vorhaben. Da die Kriege der USA ein Ende fänden und die Soldaten nach Hause kämen, sei es wichtig, dass nicht nur die Regierung, sondern auch Unternehmen ihren Teil beitrügen, "denen zu dienen, die uns so mutig gedient haben", erklärte die First Lady laut Firmenmitteilung.

Unklar war zunächst, ob das Versprechen auch Veteranen betrifft, die bereits in den vergangenen Jahren aus dem Irak oder Afghanistan heimgekehrt sind. Wal-Mart ist der weltgrößte Einzelhändler und mit 1,3 Millionen Angestellten der größte private Arbeitgeber in den USA. Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben bereits mehr Veteranen als andere Firmen.

50 Milliarden Dollar für US-Waren

Seine Heimatverbundenheit will Wal-Mart auch mit dem gezielten Einkauf amerikanischer Waren demonstrieren. Das Unternehmen kündigte an, es werde innerhalb der kommenden zehn Jahre für 50 Milliarden Dollar Produkte aus US-Herstellung beziehen.

Wal-Mart war zuletzt in die Schlagzeilen geraten, weil der Konzern Textilien aus einer Unglücksfabrik in Bangladesch bezogen haben soll. Das Werk war im November abgebrannt, mehr als hundert Menschen starben in den Flammen. Wal-Mart soll die Zusammenarbeit mit der Fabrik inzwischen gestoppt haben.

mmq/Reuters/AP

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1. Ein
chico 76 15.01.2013
guter Grund noch öfter dort einzukaufen. Eine gute Geste, egal, wenn auch gleich die "Kapitalismuskritiker" ihre Weisheiten von sich geben werden. Im Volksmund auch Gutmenschen genannt.
2. Was der Manager wirklich meint ist,
hdudeck 15.01.2013
""Einen Veteranen anzuheuern, kann eine deiner besten Geschäftsentscheidungen sein. Veteranen haben nachweislich Leistung unter Druck erbracht", begründete der Manager die Pläne. " das diese Veteranen gewoehnt sind, Anweisungen entgegenzunehmen ohne zu wiedersprechen oder ueber den Sinn nachzudenken. Wer das americanische Ausbildungssystem fuer Soldaten kennt, weiss um den Spruch "man mus sie brechen bevor man sie nach den eigenen Vorstellungen aufbauen kann". Ich beobachte in den letzten Jahren zudem, das Soldaten immer mehr fuer Werbung benutzt werden (Pilot gibt einem einfachen Soldaten auf der Heimkehr die Hand, Versicherungen werben damit, das Generationen von Soldaten sich bei ihr versichert...) - ja, das hat sich im letzten Jahr sogar gewaltig gesteigert. Inzwischen ist in fast jeder Werbeunterbrechung zumindest ein Spot, der so aufgebaut ist. Der Krieg wird so ueber die Figur des Soldaten zum Alltag, sozusagen the way of life.
3.
Steuerzahler0815 15.01.2013
also davon abgesehen dass WalMart die Fabrik nicht angezündet hat aus Profitgier wie es im Artikel klingt, ist es keine große Leistung die Zusammenarbeit mit einer Fabrik zu stoppen welche bereits eh abgebrannt ist und aus diesen Gründen auch nix mehr produziert.
4.
Sleeper_in_Metropolis 15.01.2013
Super, der Kapitalisten-Oberausbeuter Wal-Mart hat es geschickt verstanden, US-Typisches Patriotismusgeschwurbel mit dem anheuern von billigen Arbeitskräften zu verbinden. Vermutlich wird er den Veteranen noch weniger zahlen als den bei Ihm üblichen Hungerlohn.
5.
Whitejack 15.01.2013
Vielleicht eine dumme Frage, aber wäre eine Ausbildung als Einzelhandelskaufmann dafür nicht sinnvoller als eine Ausbildung als Soldat? Oder entspricht das Anforderungsprofil für die Arbeit bei Wal-Mart so sehr dem soldatischen Denken, dass die konkrete Ausbildung in den Hintergrund treten kann? Vermutlich nicht. Denn es geht wohl ohnehin lediglich um ein Aufpolieren des angekratzten Images. Wahrscheinlich werden es am Ende nicht 100.000, sondern nur 5.000 Soldaten, und die hatten zuvor irgendwo ohnehin in der Einzelhandelsbranche gearbeitet. Dann hat man es trotzdem 100.000 Leuten "angeboten" (nur mussten diese wegen mangelnder Qualifikation ablehnen). Insofern ein cleverer Schachzug des Unternehmens.
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  • Dienstag, 15.01.2013 – 19:21 Uhr
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