Wall Street Börsenaufsicht schlägt Reförmchen vor

Die US-Börsenaufsicht will die Finanzmärkte besser regulieren - zumindest ein bisschen: Nach Vorstellungen der Behörde sollen vor allem Ratingagenturen transparenter arbeiten. Experten halten die Vorschläge aber für unzureichend.

Händler an der New York Stock Exchange: Praktiken ein Ende machen
AP

Händler an der New York Stock Exchange: Praktiken ein Ende machen


Washington - Die amerikanische Börsenaufsicht macht mit einer strengeren Regulierung der Ratingagenturen Ernst - zumindest ein bisschen: Anbieter wie Standard & Poor's und Moody's müssen künftig mehr Informationen offenlegen. Ihre zu guten Noten für viele Kreditpapiere waren Experten zufolge Mitursache der weltweiten Finanzkrise. Kritiker halten aber auch die neuen Regeln der Securities and Exchange Commission (SEC) für zu locker.

Die Ratingagenturen müssten künftig grundsätzlich alle Bewertungen veröffentlichen, beschloss die Aufsicht. Auch sämtliche Daten und Informationen, auf denen ihre Einstufungen beruhen, sollen offengelegt werden. So sollen Investoren und Mitbewerber Zugang bekommen.

Kritiker halten aber besonders die gängige Praxis der Bezahlung von Ratingagenturen für falsch: In der Regel bekommen sie Auftrag und Geld von eben jenen Banken, die selbst die zu bewertenden Wertpapiere herausgeben. Das führe zu massiven Interessenkonflikten, beklagen Experten.

Bedeutung von "Flash"-Mitteilungen umstritten

Auch ein Verbot von "Flash"-Mitteilungen, die ausgewählten Händlern einen Zeitvorteil gegenüber der Öffentlichkeit geben, schlägt die Börsenaufsicht vor. Wie die SEC mitteilte, sollen diese Praktiken ein Ende finden. Nach 60 Tagen, in denen die Öffentlichkeit Gelegenheit hat, das Vorhaben zu kommentieren, will die SEC ein Treffen anberaumen, um über die Sache zu entscheiden.

Bei den Mitteilungen geht es um Veröffentlichungen von Kauf- und Verkauforders, die bestimmten Banken vor dem Rest des Marktes zukommen. Die größten Börsenbetreiber Nasdaq und New York Stock Exchange (NYSE) beteiligen sich nicht an dieser Praxis, dafür die Handelsplattform Direct Edge.

SEC-Chefin Mary Schapiro setzt ihre Behörde darauf an, weitere Praktiken zu suchen, welche einzelnen Marktteilnehmern einen unlauteren Vorteil gäben. Im Juli hatte Senator Charles Schumer der SEC mit gesetzgeberischen Schritten gedroht, sollte sie den "Flash"-Mitteilungen nicht einen Riegel vorschieben. Joe Mecane, beim NYSE-Betreiber NYSE Euronext zuständig für die amerikanischen Märkte, hält die Frage jedoch für aufgeblasen. "Flash"-Trading mache bestenfalls drei Prozent des Aktienhandels aus.

böl/dpa-AFX

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jinky, 08.07.2009
1.
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Sie hätten umsteuern müssen bzw. man hätte sie zu einem Umsteuern zwingen müssen.
Pinarello, 08.07.2009
2.
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Warum sollten diese Gangster umsteuern? Jetzt gibt es doch unbegrenzten Kredit vom Staat der auch noch gleich die Verluste übernimmt! Also dann, warten halt bis zur nächsten Krise, die natürlich weit weit schlimmer werden wird, aber warum sollten denn die Politiker ausgerechnet gegen die Leute was unternehmen, von denen sie bezahlt werden und von denen sie ihre Befehle empfangen, hat doch dieses Mal ausgezeichent geklappt, die Folgen dieses Finanzverbrechens dem arbeitenden Bürger und Steuerzahler in die Schuhe zuschieben, genau so stellt sich die Finanzelite doch die Weltherrschaft vor.
schensu 08.07.2009
3.
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Pah, als ob da unsere Meinung zählte! Das Ganze ist ein Selbstläufer, abgehoben von bekannten Realitäten zum Nutzen Weniger und ggf. Schaden Vieler. Ich brauch die jedenfalls mal gar nich.
Schelm-77 08.07.2009
4. Die Banken kehren zum gewohnten Geschäft zurück...
Am effektivsten läßt sich die Geldgier der Banker stoppen indem man sie einfach weitermachen läßt. Der nächste Crash wird einen frischen Wind durch die meist hohlen Köpfe der Finanzgenies pusten. Einen neuen weltweiten Rettungsfonds wird es dann mit Sicherheit auch nicht mehr geben. Der normalen Anleger sollte sein Geld allerdings vorher in Sicherheit bringen und in Edelmetalle, Edelsteine oder Immonbilien investieren. Im Zweifelsfalls tut es übergangsweise auch der bewährte Sparstrumpf. Den Banken geht es in erster Linie um ihr eigenes Wohl, dementsprechend sollte auch jeder Bürger erst einmal an sich selbst denken und ein erhöhtes Mißtrauen in Sachen Finanzwirtschaft aufbauen.
THM, 08.07.2009
5.
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Noch erstaunlicher als die Unfähigkeit dieser Branche ist deren dreiste Gier.
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