Walldorf-Hamburg SAP beendet private Heimflüge von Personalchefin

Das passte nicht recht zum Bekenntnis zur Nachhaltigkeit: In ihrem ersten Jahr als SAP-Personalvorstand flog Angelika Dammann regelmäßig mit dem Firmenjet nach Hause. Doch jetzt erklärt der Software-Konzern das Privileg für beendet - und dementiert, dass Dammann eine Verlängerung wollte.

Besondere Flugrechte: Angelika Dammann reiste regelmäßig im Firmenjet nach Hause
Wolfram Scheible / SAP

Besondere Flugrechte: Angelika Dammann reiste regelmäßig im Firmenjet nach Hause


Hamburg/Walldorf - Nachhaltigkeit wird bei SAP Chart zeigen offiziell großgeschrieben - auch für Führungskräfte. Diese sollten "für ein ständiges Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichen Interessen und moralischen Verpflichtungen sorgen", teilt der Konzern im Internet mit. Doch nun gerät eine Führungskraft des Software-Unternehmens in Verdacht, es mit diesem Gleichgewicht nicht sonderlich genau genommen zu haben.

Angelika Dammann ist seit Juli 2010 Personalvorstand und Arbeitsdirektorin von SAP. Zuvor arbeitete die 51-Jährige beim Konsumgüterkonzern Unilever Chart zeigen in Hamburg. Weil Dammann weiterhin in Hamburg wohnte, wurde ihr bei der Einstellung ein luxuriöses Privileg zugesichert: regelmäßige Heimflüge von der Konzernzentrale in Walldorf mit dem firmeneigenen Lear-Jet.

Dammanns Flugrechte sorgten vor einer Aufsichtsratssitzung am Donnerstag für Aufregung. Angeblich wollte die Personalchefin ihre Privatflüge um zwei weitere Jahre verlängern. Das geht aus dem Schreiben eines Arbeitnehmervertreters hervor, das SPIEGEL ONLINE vorliegt. Man sei "schlichtweg entsetzt", heißt es darin über Dammanns angebliche Forderung. Die "verheerende CO2-Bilanz gegenüber Linienflügen oder gar der Bahn" passe schließlich überhaupt nicht zum SAP-Bekenntnis zur Nachhaltigkeit. Zum Ausgleich müssten wohl "viele Mitarbeiter Elektroauto fahren" oder Fahrgemeinschaften bilden.

Bei SAP wird Dammanns bisheriges Flugprivileg nicht bestritten. Dieses entspreche aber lediglich "den vertraglichen Vereinbarungen für ein Jahr. Danach wird Frau Dammann den Jet für diese Strecke vereinbarungsgemäß nicht mehr nutzen". Ein Sprecher bestritt zudem, dass eine mögliche Verlängerung der Regelung überhaupt auf der Tagesordnung des Aufsichtsrates stand. "Das ist nicht zur Sprache gekommen."

"Die Aufgabe ist ein Fulltime-Job"

Dementiert wurden auch Berichte, laut denen Dammann nebenbei weiterhin in ihrer Hamburger Anwaltskanzlei arbeitet und SAP für diese Versicherungen und Kammerbeiträge bezahlt. Dammanns Arbeit in der Kanzlei ruhe seit vielen Jahren, insbesondere seit ihrem Arbeitsbeginn bei SAP. "Die Aufgabe als Personalchefin ist ein Fulltime-Job", erklärte das Unternehmen. Auch seien "Aussagen falsch, wonach SAP Mitgliedschaftsbeiträge oder ähnliches erstattet. Dies war zu keinem Zeitpunkt der Fall und auch nie so vereinbart".

Keine Stellung nehmen wollte das Unternehmen zu Berichten von Arbeitnehmerseite, laut denen die Vergütungen des SAP-Vorstandes deutlich steigen sollen und zugleich die Erfolgsbeteiligung von Mitarbeitern erheblich gekürzt wird. Auf der Aufsichtsratssitzung wurden die Verträge der Vorstandssprecher Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe um sechs Jahre verlängert.

Das Für und Wider ihrer Heimflüge kann Dammann übrigens mit fachkundigen Kollegen diskutieren. Sie ist laut Unternehmensangaben Mitglied des von der University of Cambridge geleiteten "Business and the Environment Program for Sustainable Development". Das vom britischen Thronfolger Prince Charles ins Leben gerufene Programm fördere eine "nachhaltige Unternehmenspraxis zum Wohle des Unternehmens und der Gesellschaft".

dab



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insgesamt 121 Beiträge
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Seite 1
Olaf 07.07.2011
1. .
Zitat von sysopDas passte nicht recht zum Bekenntnis zur Nachhaltigkeit: In ihrem ersten Jahr als SAP-Personalvorstand*flog Angelika Dammann regelmäßig mit dem Firmenjet nach Hause. Doch jetzt erklärt der Software-Konzern das Privileg für beendet - und dementiert, dass Dammann eine Verlängerung wollte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,773010,00.html
Ja, Frauen führen anders. Diese besondere, weibliche Note ist es, die uns in der Wirtschaft so gefehlt hat.
glen13 07.07.2011
2. ...
Endlich ist die Gleichberechtigung beim Lear Jet angelangt :-)
inci 07.07.2011
3. oooo
Zitat von OlafJa, Frauen führen anders. Diese besondere, weibliche Note ist es, die uns in der Wirtschaft so gefehlt hat.
klar doch. statt party in budapest gibt es für weibliche führungskräfte statt dessen ayurvedischen wellness urlaub auf bali oder irgendeinem anderen tropischen eiland. das ganze ist immer nachhaltig, schon alleine weil die luxus einzelvillen aus nachwachsenden rohstoffen gebaut wurden, oder die hotelwäsche aus heimischer produktion kommt. alles andere auf dem idyllischen eiland muß mit dem flieger rangekarrt werden, inklusive der gäste.
ralphofffm 07.07.2011
4. Mentalität
Bei Leuten mit einer solchen Mentalität gibts nur eines: Raussetzen! Alles andere ist Kokolores
peter78 07.07.2011
5. Ich liebe solche Führungskräfte!
... aber die Mitarbeiter werden bei der Reisekostenabrechnung gequält, wenn sie nach einem 12-Stunden-Tag auf dem Weg vom Bahnhof nach Hause ein Taxi genommen haben (statt den Bus).
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