Buffett verdoppelt Gewinn: Triumph für das Orakel von Omaha

Mit einem Gewinn von 3,2 Milliarden Dollar beeindruckt US-Investor Warren Buffett seine Anleger vor der Hauptversammlung. Dennoch liegt ein Schatten über dem Aktionärstreffen seiner Firma Berkshire Hathaway. Der Anlageguru hat Krebs - und es kursieren schon Namen für seinen Nachfolger.

Warren Buffett: Nachfolger für das "Orakel von Omaha" gesucht Fotos
REUTERS

Omaha - Auf den ersten Blick wirkt Warren Buffetts Imperium wie ein willkürlicher Mix aus Firmen: Von der Fast-Food-Kette über eine Chemiefirma bis hin zur Frachteisenbahn und Versicherungen reicht das Konglomerat der Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway. Sie hält auch Anteile an Microsoft, Coca-Cola und der Investmentbank Goldman Sachs. Dieser ungewöhnliche Mix beschert Buffett regelmäßig hohe Profite. So konnte Berkshire Hathaway den Gewinn im ersten Quartal mehr als verdoppeln.

Der Nettogewinn betrage 3,2 Milliarden Dollar, teilte die US-Investmentfirma mit. Im Vorjahreszeitraum lag er noch bei 1,5 Milliarden Dollar. Den hohen Zuwachs begründete Berkshire Hathaway damit, dass seine Versicherungsgruppe keine hohen Schäden durch Naturkatastrophen erlitten habe. Im vergangenen Jahr hatten die Schäden durch das Erdbeben und den Tsunami in Japan, Überschwemmungen in Australien sowie ein starkes Erdbeben in Neuseeland das Geschäft belastet. Die Kasse von Berkshire - etwa für Übernahmen - ist mit 37,83 Milliarden Dollar prall gefüllt.

Die Zahlen gab Berkshire Hathaway kurz vor der Hauptversammlung des Unternehmens am Samstag bekannt. Auf der Veranstaltung selbst konnte Buffett angesichts der hervorragenden Zahlen sogar eine Niederlage gut gelaunt eingestehen: Kürzlich habe er einen 22-Milliarden-Dollar-Deal regelrecht verpatzt. Für das Geschäfte hätte er sogar Berkshire-Aktien verkauft, die er eigentlich behalten wollte. Um welchen Übernahmekandidaten es sich dabei gehandelt hatte, verriet Buffett nicht - und betrachtete die Sache von der positiven Seite: Dann stünden Berkshire eben genug Mittel zur Verfügung, um bald einen Deal jenseits der 30-Milliarden-Marke ins Auge fassen zu können.

Eigentlich hätten die Aktionäre also allen Grund zur Freude. Doch das Treffen von rund 40.000 Anlegern in Buffetts Heimatstadt Omaha (Nebraska) wurde überschattet von der Sorge um den 81-jährigen Anlageguru. Buffett hatte kürzlich bekanntgegeben, dass er Prostatakrebs habe. Zugleich beschwichtigte er, es gehe ihm gut und die Krankheit sei in einem frühen Stadium entdeckt worden. Er werde das Geschäft auch während der medizinischen Behandlung weiterführen.

Buffett ging bereits ein Kronprinz verloren

Dennoch wird nun über seine Nachfolge spekuliert. Buffetts Anhänger nennen ihn wegen seines fast untrüglichen Riechers fürs Geldverdienen auch "Das Orakel von Omaha". Der Investor führt das weltweite Konglomerat aus fast 80 Firmen und mehr als 270.000 Beschäftigten (nur 24 davon arbeiten in der Zentrale) zusammen mit Partner Charlie Munger. Auch dieser ist bereits 88 Jahre alt. Buffett selbst schweigt zu seiner Nachfolge. Im Februar erklärte er, es gebe bereits einen Kandidaten, der Name werde aber geheimgehalten. Buffett zufolge weiß noch nicht einmal der oder die Auserwählte, dass er oder sie die Nachfolge antreten soll.

Seine Vorsicht hat einen Grund: Im vergangenen Jahr verlor Buffett einen Manager, den viele als seinen Kronprinzen sahen: David Sokol musste die Firma nach einem undurchsichtigen Aktiengeschäft verlassen.

Beobachter spekulieren, dass der fürs Rückversicherungsgeschäft von Berkshire Hathaway zuständige Ajit Jain der neue Chef wird. Buffett selbst habe den 60-Jährigen in der Vergangenheit oft mit Lob überschüttet, merkte das "Wall Street Journal" (WSJ) an. Jain selbst schweigt zu dem Thema.

Der Manager mit indischen Wurzeln gilt als sachkundig und als bescheiden - obwohl seine Sparte einen Großteil zum Gewinn von Berkshire Hathaway beiträgt, hat er den ausgetretenen Teppich in seinem Büro nicht austauschen lassen. Eines hätten Buffett und Jain gemeinsam, schreibt "WSJ": Wenn sie eine Firma nicht zu dem Preis bekommen, den sie sich vorgestellt haben, dann lassen sie Deals auch platzen.

Eine Aktie kostet 121.950 Dollar

Kenner von Berkshire Hataway sagen, die Firma werde selbst nach Buffetts Ausscheiden die Handschrift des Patriarchen tragen. Seine Aufgaben sollen künftig auf mehrere Personen übertragen werden. Es soll dann einen Vorstandschef, einen Verwaltungsratschef und einen Finanzchef geben. Buffett hat im vergangenen Jahr bereits die beiden Investmentexperten Todd Combs und Ted Weschler eingestellt, um ihm bei seinen Finanzmarktgeschäften unter die Arme zu greifen.

Buffett steht seit einem halben Jahrhundert an der Spitze von Berkshire Hathaway und hat aus dem unbedeutenden Textilhersteller eines der wertvollsten Unternehmen der Welt gemacht. An der Börse ist die Holding mehr als 200 Milliarden Dollar schwer - mehr als doppelt so viel wie Deutschlands teuerster börsennotierter Konzern Siemens. Die mit besonderen Stimmrechten ausgestattete A-Aktie von Berkshire ist mit 121.950 Dollar pro Stück die teuerste Aktie der Welt. Die B-Aktie notierte zuletzt bei 80 Dollar.

mmq/dpa/AP

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Da wird sie wieder hochgehängt, die Krebsangst
zooombie 05.05.2012
Zitat von sysopMit einem Gewinn von 3,2 Milliarden Dollar beeindruckt US-Investor Warren Buffett seine Anleger vor der Hauptversammlung. Dennoch liegt ein Schatten über dem Aktionärstreffen seiner Firma Berkshire Hathaway. Der Anlageguru hat Krebs - und es kursieren schon Namen für seinen Nachfolger. Warren Buffett macht mit Berkshire Hathaway Gewinn - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,831480,00.html)
Was daran so ungewöhnlich ist, daß ein 82-Jähriger Prostatakrebs hat und sich dabei nicht besonders krank fühlt, ist mit ein Rätsel, dieses Schicksal dürfte er in seinem Alter (je nach Medizinstatistik) mit etwa 30% seiner Geschlechtsgenossen teilen, wobei das Für und Wieder der richtigen medizinischen Behandlung für über 80-Jährige immer wieder diskutiert wird. Mit Allen gemeinsam hat er: Selbst ein Warren Buffet stirbt mal irgendwann an irgendwas, da helfen ihm auch seine Milliarden nix.
2. naja
magellan11 05.05.2012
3,2 Mrd./Quartal sind schlappe 13 Mrd. im Jahr. Bezogen auf den Firmenwert von 200 Mrd. ist das ok, aber nicht spektakulär.
3. Klimaprofiteur!
MiniDragon 05.05.2012
Zitat von sysopDen hohen Zuwachs begründete Berkshire Hathaway damit, dass seine Versicherungsgruppe keine hohen Schäden durch Naturkatastrophen erlitten habe. Im vergangenen Jahr hatten die Schäden durch das Erdbeben und den Tsunami in Japan, Überschwemmungen in Australien sowie ein starkes Erdbeben in Neuseeland das Geschäft belastet. Die Kasse von Berkshire - etwa für Übernahmen - ist mit 37,83 Milliarden Dollar prall gefüllt Warren Buffett macht mit Berkshire Hathaway Gewinn - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,831480,00.html)
Damit gehört wohl auch Warren Buffet zu denen, welche zumindest indirekt vom Klimaalarmismus, der in den Medien von Versicherungen im Verbund mit dubiosen Forschungs- Institutionen mit ähnlicher Interessenlage inszeniert wurde, profitieren konnten. Zitat: >>Eine Überspitzung der vermeintlichen Klimagefahr lässt die staatlichen Forschungsgelder weiter üppig sprudeln, führt zur Neugründung von Instituten und der Aufstockung der Wissenschaftlerstellen. Die postulierte Klimagefahr schafft Karrieremöglichkeiten, Prestige, Medienbühne und politische Beraterrollen für vormals unbeachtete Klimaforscher. Landauf, landab werden Klimaschutzagenturen geschaffen, Klimabeauftragte eingestellt und Klimapädagogen für Vorträge an Schulen engagiert. Aber auch für die Versicherungsbranche gibt es etwas zu holen. Die Alarmierung der Bevölkerung vor zunehmenden Sturm-, Hagel- und Überschwemmungsschäden kurbelt unweigerlich die Nachfrage nach Versicherungen gegen diese Naturgefahren an und liefert zudem noch Gründe, die Versicherungsprämien anzuheben. Umso besser, wenn der Katastrophenzuwachs dann noch ausbleiben sollte - dann gibt es doppelt daran zu verdienen. Pikant wird es, wenn sich Institutionen mit ähnlicher Interessenlage zusammentun und gemeinschaftlich an die Öffentlichkeit treten. So veröffentlichte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) im Mai 2011 das Ergebnis einer Studie, in der auf Basis von Klimamodellen vor einer starken Zunahme von klimawandelbedingten Naturkatastrophenschäden bis 2100 gewarnt wird. An der Studie war neben dem GDV unter anderem auch das Potsdam-Institut für Klimaforschung (PIK) beteiligt, das sich in der Klimadiskussion nicht gerade als unabhängiger Vermittler hervorgetan hat, sondern inhaltlich eher auf der Versicherungsseite beheimatet ist.
4. ...
multi_io 05.05.2012
Zitat von zooombieWas daran so ungewöhnlich ist, daß ein 82-Jähriger Prostatakrebs hat und sich dabei nicht besonders krank fühlt, ist mit ein Rätsel,
In dem Artikel geht es nicht darum, dass ein 82jähriger Prostatakrebs hat, sondern darum, dass Warren Buffet Prostatakrebs hat. Daran ist ungewöhnlich, dass der Patient gleichzeitig Multimilliardär und Chef einer Anlagefirma ist, was bedeutet, dass seine Krankheit Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit und das Vermögen der Anleger haben kann.
5. So What?
zooombie 05.05.2012
Ich würde es als Anleger eher beunruhigend finden, daß ein 82 - Jähriger diesen Megakonzern leitet, da wäre es mir ziemlich schnuppe, ob Prostatawasweisichwas oder plötzliche Herzschwäche. Das Risiko in diesem Alter plötzlich (und unerwartet?) zu sterben, ist nun mal da und solange nicht klar ist, wie der Laden ohne ihn weiterläuft, würde ich mein geld da nicht anlegen wollen. (Übrigens auch nicht in der F1 des Herrn Ecclestone).
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Warren Buffett
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 9 Kommentare
  • Zur Startseite
Fotostrecke
"Forbes"-Liste: Die reichsten Menschen der Welt