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Investmentguru: Warren Buffett versagt am Aktienmarkt

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REUTERS

Investor Buffett: Vorreiter? Nachzügler!

Rückschlag für Warren Buffett: Seine Firma Berkshire Hathaway entwickelte sich 2015 um elf Prozent schlechter als der US-Aktienmarkt. Ausgerechnet in diesem Jahr feierte die US-Investorenlegende goldenes Jubiläum.

Im März feierte Warren Buffett das 50-jährige Jubiläum seines Investment-Unternehmens Berkshire Hathaway. Nun, kurz vor Ende des Jahres, dürfte ihm weniger feierlich zumute sein. Denn die US-Investorenlegende, auch "Orakel von Omaha" genannt, muss für ungewohnt schlechte Zahlen geradestehen.

Eigentlich ist der 85-jährige Großinvestor, Unternehmer und Mäzen für überdurchschnittliche Leistungen bekannt. Sein Privatvermögen wird auf mehr als 70 Milliarden Dollar geschätzt, eine Aktie seines Unternehmens kostet derzeit rund 200.000 Dollar - so viel wie eine kleine Eigentumswohnung.

Nun aber ist Buffett bei einer wichtigen wirtschaftlichen Kennziffer plötzlich nicht mehr Vorreiter, sondern Nachzügler: Die Aktie seiner Firma Berkshire Hathaway entwickelte sich im ablaufenden Jahr um elf Prozent schlechter als der US-Aktienmarkt, berichtet die "Financial Times".

Für Buffett ist das umso peinlicher, weil er selbst Anfang des Jahres seinen Aktionären empfohlen hatte, den Erfolg von Berkshire Hathaway stärker am Aktienkurs zu messen.

Warren Buffett wurde am 30. August 1930 in Omaha geboren. In die Wiege gelegt war ihm -mit zweitem Namen übrigens Edward getauft - sein stellarer Aufstieg nicht, aber ganz offenkundig auch nicht unmöglich. Sein Vater Howard war Broker, gemeinsam mit Frau Leila und zwei Geschwistern bildeten sie eine klassische US-amerikanische Mittelschichtfamilie. Im Bild übrigens sein Kindheitshaus.

So ruhte der junge Warren - sein Kinderzimmer. Schon früh fand er die Arbeit seines Vaters spannend, besuchte ihn in dessen Büro. Dort trug er die Aktiennotierungen mit Kreide auf einer Tafel auf - so war die Börsenwelt, bevor mit dem Computer die binäre Welt ihren Siegeszug antrat. Mit 11 Jahren, so wird es kolportiert, schritt der junge Warren dann zur Tat. Er kaufte 3 Aktien von Cities Service Preferred zum Kurs von 38 Dollar. Man kann sich die Nervosität des Novizen vorstellen, als die Papiere auf 27 Dollar fielen, doch Buffett blieb fest. Und konnte bei 40 Dollar verkaufen. Er selbst sollte das Erlebnis später als Lehrstunde bezeichnen. Denn die Aktie sollte noch auf 200 Dollar steigen.

Mit 16 zog es Buffett an die Universität -zuerst an die University of Pennsylvania, dann an die University of Nebraska. Mit 20 war er frischgebackener Absolvent und hatte 10.000 Dollar von seinen Kindergeschäften auf der hohen Kante. Dann ging er an die Columbia University - gründete auch die Firma Buffett Partnership. 1959 war das, er selbst zahlte 100 Dollar ein, Freunde und Verwandte steuerten zusätzliche 105.000 Dollar bei. 1969 löste Buffett die Firma auf - Berkshire Hathaway wurde geboren. Genauer, wurde umgewidmet. Denn die Firma existiere schon vorher, nur eben nicht als Investmentfirma.

Das Unternehmen dient ihm als Investmentvehikel, quasi wie ein Fonds, der unterschiedliche Beteiligungen bündelt. Eines der Ziele? Man erklärte zum Beispiel, das gesamte Eisenbahntransportwesen in den USA zu kontrollieren zu wollen. Zwischenzeitlich gehörte Buffett tatsächlich der gesamte Bahnkonzern Burlington Northern Santa Fe.

Zwischenzeitlich war Buffett auch als Bankenlenker aktiv - indem er die angeschlagenen Salomon Brothers zu retten versuchte. Und sich sogar vor den US-Behörden erklären musste.

Heute hat Buffett reiche und mächtige Freunde, wie den Microsoft-Gründer Bill Gates. Doch auch als junger Bursche wusste Buffett, was er wollte. Mit 13 hatte er sein eigenes kleines Geschäft, war Zeitungsjunge und verkaufte Tipps für Pferdewetten. Kreativ war er schon damals - er versuchte sein Fahrrad in der Steuererklärung unterzubringen. Um 35 Dollar sollte es die Umsätze mindern.

Buffett wie man ihn kennt - immer für einen Gag zu haben.

Was mag Buffett sonst noch? Einfache Unternehmen, die Dinge, die verständlich sind. Unter anderem deswegen dürfte er nach HJ Heinz gegriffen haben, der Ketchup-Ikone.

Das "Meeting" - Buffett vor einem Porträt des Künstlers Michael Israel im Jahr 2008.

2012 erklärte er dann, sich einer Prostatakrebsbehandlung zu unterziehen - sich aber gut fühle. Die Suche nach einem Nachfolger läuft dennoch. Kernvoraussetzung: Sein Nachfolger müsse drei Fehler vermeiden, die Unternehmen in der Vergangenheit gemacht hätten. Dieses "ABC des Zerfalls" laute: "Arroganz, Bürokratie und Selbstgefälligkeit", schrieb der 84-Jährige in einem Brief an seine Aktionäre. Derzeit wird der Name Ajit Jain oft genannt.

Die schlechte Performance hängt unter anderem mit dem Verfall der Warenpreise und dem gefallenen Ölpreis zusammen. Erstens verkauft Berkshire Hathaway Produkte an die kriselnde Ölindustrie. Zweitens entwickelte sich der Versicherungsarm von Berkshire Hathaway unterdurchschnittlich schlecht. Experten zufolge könnte dies damit zusammenhängen, dass wegen des niedrigen Benzinpreises mehr und länger Auto gefahren wird - und sich dadurch mehr Unfälle ereignen.

Der Verfall der Aktien von zwei Großkonzernen verhagelte Berkshire Hathaway ebenfalls die Bilanz. So stürzten sowohl die US-Firma American Express Chart zeigen als auch der IT-Konzern IBM Chart zeigen 2015 an der Börse regelrecht ab. An beiden Firmen hält Buffetts Unternehmen besonders viele Anteile.

Die Performance von Berkshire Hathaway ist nur am Aktienmarkt schlecht. Die Geschäftszahlen selbst sind recht gut. Allein in den ersten neun Monaten des ablaufenden Jahres machte das Unternehmen rund 18,6 Milliarden Dollar Gewinn.

Die Blamage am US-Aktienmarkt wird der ehrgeizige Unternehmer sicher nicht hinnehmen wollen. "Ich plane zu arbeiten, bis ich über 100 bin", hat Buffett einmal gesagt. Gemessen an die Vorgabe hätte er noch 15 Jahre Zeit, die US-Börsen abzuhängen. Mindestens.

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insgesamt 34 Beiträge
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1.
loncaros 30.12.2015
Grauenhaft. Hat die Firma Verluste eingefahren? Oh nein, sie hat nur 89% des Durchschnittswachstums erreicht! Versagen! Blamage! Als hätte es noch nie eine Finanzkrise gegeben. Schämen Sie sich was, Stefan Schultz.
2.
daves1111 30.12.2015
'versagt am Aktienmarkt' ist denke ich nicht wirklich treffend, wenn er den 2015 sehr starken US Aktienmarkt nur um 11 % unterboten hat.
3. Sparsam
Oxymoron1985 30.12.2015
Was mich an Buffett bis heute fasziniert und worin er auch als Vorbild taugt ist seine Sparsamkeit. Einer der reichsten Menschen der Welt lebt seit zig Jahren in seinem bescheidenen Haus in der pampa und freut sich wie ein kleines Kind wenn er mit einem Sparschein bei mcdonalds 1,50 dollar spart. Das beste Beispiel dafür dass jeder sich Vermögen aufbauen kann wenn er nur den willen und die Disziplin dazu hat.
4.
goldt 30.12.2015
Der Arme! Und nächstes Jahr dann wieder Artikel über das Gebaren am Finanzmarkt...
5. SPON versagt bei der Überschrift!
sameagle 30.12.2015
Wer schreibt bei SPON eigentlich solche Überschriften? Welchen Einfluss auf den Aktienkurs hat Warren Buffet denn? Aktienkurse bilden sich immer noch aufgrund von Angebot und Nachfrage, oder? Mehr als das Unternehmen zu managen und Gewinne zu erwirtschaften ist ja wohl kaum möglich. Das seine bevorzugten Branchen inkl. der eigenen Aktie vielleicht bei Analysten und Anlegern momentan nicht so hip sind kann man ja wohl kaum Buffet anlasten. Also, nächstesmal vielleicht sachlich bleiben und z.B. die Überschrift: "Buffet-Aktie entwickelt sich 2015 schlechter als der US-Aktienmarkt" wählen. Übrigens: Einem Self-made Milliardär und Top-Investor mit 50jähriger Erfolgsgeschichte "versagen" vorzuwerfen ist schon ziemlich weit neben der Realität.
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