Wartungsarbeiten aufgeschoben Tepco macht Milliardengewinn

Die Kosten wurden drastisch gesenkt, Wartungsarbeiten aufgeschoben: Erstmals seit der Atom-Katastrophe in Japan erzielt der Fukushima-Betreiber Tepco wieder einen Milliardengewinn. Dem Unternehmen stehen dennoch unsichere Zeiten bevor.

Luftbild von Fukushima: Betreiber Tepco macht satte Gewinne
REUTERS/Kyodo

Luftbild von Fukushima: Betreiber Tepco macht satte Gewinne


Tokio - Der Fukushima-Betreiber Tepco hat erstmals seit der Atomkatastrophe vor zweieinhalb Jahren wieder schwarze Zahlen geschrieben. Der japanische Energiekonzern wies am Donnerstag für die sechs Monate bis Ende September einen Nettogewinn von 4,6 Milliarden Euro aus. Im vergangenen Jahr gab es noch einen Verlust von 2,2 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg im ersten Geschäftshalbjahr um fast zwölf Prozent auf 24 Milliarden Euro.

Möglich wurde das Gewinnplus hauptsächlich durch drastische Kostensenkungen und die Aufschiebung von Wartungsarbeiten, hieß es. Dennoch stehen dem mit Steuergeldern in Milliardenhöhe gestützten Unternehmen unsichere Zeiten bevor: Die Regierung erwägt, Tepco wegen seiner massiven Probleme bei der Bewältigung der Havarie im Atomkraftwerk von Fukushima aufzuspalten und dem Konzern Befugnisse zu entziehen.

Im Juli 2012 war der Atombetreiber verstaatlicht worden, um eine drohende Insolvenz abzuwenden. Der japanische Staat pumpte angesichts hoher Entschädigungszahlungen Milliarden in den Konzern. Eine Prognose für das noch bis zum 31. März 2014 laufende aktuelle Geschäftsjahr wollte Tepco nicht abgeben. Es sei ungewiss, wann man wieder Atomreaktoren hochfahren könne, hieß es.

Der Konzern, der eine Vielzahl von Kraftwerken betreibt, sieht sich immensen Schadensersatzforderungen ausgesetzt und kann nur einen Bruchteil der für die Stilllegung der schwerbeschädigten Atomanlage nötigen Mittel selbst aufbringen. Zugleich reißt die Pannenserie in Fukushima nicht ab. Anfang Oktober waren reihenweise neue Probleme gemeldet worden.

Am 11. März 2011 war Japan von einem schweren Erdbeben der Stärke 9,0 erschüttert worden. Ein dadurch ausgelöster Tsunami hatte Tausende Menschen in den Tod gerissen. In dem von Tepco betriebenen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi kam es zur größten Atomkatastrophe seit Tschernobyl im Jahr 1986. Tepco steht wegen seines Krisenmanagements schwer in der Kritik. Dem Konzern wird vorgeworfen, unprofessionell und zu langsam reagiert zu haben.

Derzeit sind sämtliche 50 Atomkraftwerke in Japan abgeschaltet. Die Regierung will die ersten Reaktoren aber so schnell wie möglich wieder hochfahren, sobald die Betreiber die verschärften Sicherheitsbestimmungen erfüllt haben.

lei/dpa/Reuters

insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Karlos 31.10.2013
1. Risiken werden sozialisiert
Die stecken sich doch die Kohle einfach in die Tasche. Geht es schief, zahlen es andere. Die Bevölkerung wird vernichtet für den schnellen Dollar, alles andere ist egal. Das ist da genau so wie hier auch.
rorufu 31.10.2013
2. Japan hat nichts gelernt
bis zur nächsten Katasrophe, denn dann wird es richtig teuer. Umweltverschutzung der Meere, rund um Fukushima verseuchtes Land. Tepco ist ein korrupter Laden und es geht gerade so weiter.
kumiori 31.10.2013
3. TV Tipp
ZDF ZOOM - Die Fukushima Lüge Die Fukushima-Lüge, 1 Jahr danach, ZDFzoom 07.03.2012 - YouTube (http://youtu.be/CPQ-AZzL_kA) Sehr interessante Doku, die ich zufällig erst gestern angeschaut habe.
dannyandy 31.10.2013
4. Alle Gewinne an die Opfer!
Es wäre nun wirklich mehr als recht und billig, alle Gewinne von Tepco direkt anteilig an alle Opfer der Katastrophe auszuzahlen! Das würde zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein, aber immerhin ein Anfang!
z_beeblebrox 31.10.2013
5. Tepco - Der pfiffige japanische Atomruinenbetreiber
Sonst sie die "SPAM"-Seiten auf SPON ja eher unlustig, aber diese gelungene Satire trifft den Kern der Sache: Neues von Tepco: Alles wird mindestens gut - SPIEGEL ONLINE - Spam (http://www.spiegel.de/spam/a-920308.html) Alein das "Kursfeuerwerk (Symbolbild)" ist genial.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.