Managergehälter: Endlich mal eine liberale Reform

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Lasst die Aktionäre über die Managergehälter entscheiden, nicht die Aufsichtsräte: Mit diesem Reformvorschlag nach Schweizer Vorbild könnte Angela Merkel ein kleines liberales Reformkunststück gelingen - mehr Gerechtigkeit ohne mehr Regulierung.

Daimler-Chef Zetsche: Mäßige Bilanz, üppiges Gehalt Zur Großansicht
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Daimler-Chef Zetsche: Mäßige Bilanz, üppiges Gehalt

Zwei Manager, zwei Welten. Norbert Reithofer, Vorstandschef des außerordentlich erfolgreichen Autokonzerns BMW hat 2011 6,2 Millionen Euro verdient. Im selben Jahr bekam Dieter Zetsche, Vorstandschef des mäßig erfolgreichen Autokonzerns Daimler insgesamt 8,65 Millionen Euro, Aktienoptionen inklusive.

Reithofer hat offenbar seinen Job gut gemacht - und verdient dennoch weniger als der umstrittene Zetsche. Wie kann das sein?

Als Antwort lohnt sich ein Blick auf die Aktionärsstruktur beider Unternehmen. Bei BMW hält die Familie Quandt knapp 47 Prozent der Aktien. Zwei Mitglieder der Familie sitzen im Aufsichtsrat und entscheiden dort direkt über das Gehalt ihrer Vorstände. Platt gesagt: je weniger Reithofer kriegt, desto mehr bleibt für die Quandts übrig. Ein starker Anreiz, das Management relativ kurz zu halten - oder zumindest darauf zu achten, dass das Gehalt nur bei wirklich außerordentlicher Leitung auch außerordentliche Höhen erreicht.

Und bei Daimler? Größter Einzelaktionär ist mit gerade mal 7,6 Prozent das Emirat Kuwait. Im Daimler-Aufsichtsrat ist Kuwait nicht vertreten. Und deshalb hat dort auch niemand ein wirklich starkes Interesse, die Gehälter der Manager im Zaum zu halten. Auch den Arbeitnehmervertretern fehlt dieses Interesse häufig. Sie sind erfahrungsgemäß ziemlich schnell bereit, ein überhöhtes Vorstandgehalt abzunicken, wenn sie im Gegenzug auch für den Rest der Belegschaft etwas heraushandeln können - deren Wohl sie ja in erster Linie verpflichtet sind.

Wo die Eigentümer das Sagen haben, stehen die Chancen am besten, dass die Vergütung zumindest halbwegs im Rahmen bleibt - siehe BMW. Deshalb ist der Vorstoß der Koalition der richtige Weg: Künftig sollen nicht mehr die Aufsichtsräte über die Gehälter des Vorstands entscheiden, sondern die Aktionäre auf der jährlichen Hauptversammlung - so ähnlich, wie es auch die Schweiz in einem Referendum beschlossen hat.

Es sind die Aktionäre, denen ein Unternehmen gehört. Und längst nicht immer können sie sicher sein, dass ihre Interessen im Aufsichtsrat angemessen vertreten werden. So wie ja auch nicht alles, was im Parlament geschieht, den unmittelbaren Willen der Bevölkerung widerspiegelt. Ein bisschen ist das mit dem Reformvorschlag so, als würde das Gehalt der Kanzlerin künftig per Volksentscheid festgelegt, und nicht mehr per Bundestagsbeschluss. Im Grunde eine urliberale Idee.

Die Kritik aus der Wirtschaft mutet deshalb seltsam an. Es geht ja gerade nicht darum, per Gesetz ein gesellschaftlich wünschenswertes Höchstgehalt für Manager festzulegen, wie das in unterschiedlichen Abstufungen Linkspartei, Grüne und SPD fordern. Das wäre dann tatsächlich ein schwerwiegender Eingriff in Eigentumsrechte und Vertragsfreiheit.

Den Aktionären steht es frei, miese Manager auch weiterhin mit Geld zuzuschütten. Aber warum sollten sie das tun? Klar, Mehrheiten auf Hauptversammlungen können erratisch ausfallen. Aber das können Wahlergebnisse auch - und trotzdem denkt niemand in Deutschland daran, Wahlen abzuschaffen.

Die Aufsichtsräte werden auch künftig der Hauptversammlung einen Vorschlag zur Vorstandsvergütung unterbreiten. Der muss dann in Zukunft so ausfallen, dass er auch angenommen wird. Für die Managerkaste, die bislang die Vorstände wie auch die Aufsichtsräte deutscher Konzerne dominiert, bedeutet das einen empfindlichen Machtverlust. Und man muss nicht allzu bösartig sein, um zu vermuten, dass hinter so manchem Protest aus der Wirtschaftslobby die Angst vor genau dieser Einbuße steht.

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insgesamt 58 Beiträge
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1. Wo bleibt die
didiastranger 14.03.2013
Praktikabilitaet. Welches Gehalt wird den Aktionaeren vorgelegt bei der Versammlung? Wenn der Vorstand die Gehaelter vorlegt was dann? Dies als das Ei des Kolumbus zu verkaufen hat wohl mehr mit den derzeitigen mainstream zu tun.ALLE MACHT DEM VOLK! Haben wir schon mal gehoert! Aber SPON muss ja wieder was fuer Murksel tun.
2. Einkommen der Superabschöpfer
hans-georg-pabst 14.03.2013
Hier spielen alle Finanzminister und Regierungen der BRD mit! Das Einkommen der Vorstände und Aufsichsträte wird nicht aus dem Gewinn einer Kapitalgesellschaft entnommen, sondern aus der abzuführenden Steuer, also der Bürger bezahlt diese Raff-Bestien. Als Gegenleistung erhalten unsere Parteien jedes Jahr zu Weihnachten einen "Kugelschreiiber”.
3. Wer sind denn die Aufsichtsräte?
try_again 14.03.2013
Große Aktiengesellschaften haben 20 Aufsichtsräte. Der Vorsitzende hat doppeltes Stimmrecht und wird von der Anteilseignerseite gestellt. Die Eine Hälfte der Aufsichtsräte wird von den Anteilseignern gestellt, die in einer Hauptversammlung nach der Vorstellung des Autors über das Einkommen bestimmen sollen. Die andere Hälfte sind die Arbeitnehmervertreter. Wenn es zu der Abstimmung in der Hauptversammlung kommen sollte hat das keine anderen Folgen, als dass die Arbeitnehmervertreter eben nicht mehr Stimmberechtigt sind. Mir erscheint es sinnvoller, die bisherige Regelung beizubehalten. Dabei sollten die Dax 30 Konzerne eine Empfehlung über die Bezahlungsregeln, inklusive Regelungen mit "goldenem Handschlag" entwickeln. MMn greift das BMW Beispiel nicht vollständig. In den USA, wo die Managergehälter ohne die böse Mitbestimmung vereinbart werden, sind die Bezahlungsmodalitäten nicht moderater als in D.
4. Überzogen
mariakron 14.03.2013
Selbst 4Mio/a 10Jahre lang für 1 Manager würden reichen um mindestens 40 Familien lebenslang ein sorgenfreies Leben zu bescheren...
5. Ein
chico 76 14.03.2013
guter Weg, die Eigentümer über das Managergehalt mitbestimmen zu lassen. Das wird einige Spitzen abschleifen.
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