Schuldenkrise Banken sind Spaniens gefährliche Hypothek

Dramatische Rettungsaktion in Spanien: Das Land verstaatlicht kurzerhand das viertgrößte Kreditinstitut des Landes. Es ist der jüngste Höhepunkt in einer Bankenkrise, die seit langem schwelt - und mit der Immobilienblase begann.

Bankia-Kunde am Geldautomaten: Es geht um ein Zehntel der Guthaben
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Bankia-Kunde am Geldautomaten: Es geht um ein Zehntel der Guthaben

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Hamburg - Es ist nicht lange her, da gab es viel Lob für das spanische Bankensystem. Als in Deutschland und vielen anderen EU-Ländern Geldinstitute ins Straucheln gerieten, weil sie sich mit US-Hypothekenpapieren verzockt hatten, blieb es im Südwesten des Kontinents bemerkenswert ruhig. Der Grund: Die spanische Bankenaufsicht hatte die riskanten Geschäfte weitgehend unterbunden.

Mittlerweile aber gehören Spaniens Banken zu den größten Sorgenkindern der Euro-Zone. Wie dramatisch die Lage ist, zeigte sich am Mittwochabend: Da verkündete die spanische Regierung, dass sie Bankia, immerhin das viertgrößte Finanzinstitut des Landes, weitgehend verstaatlichen werde. Die kurzfristige Ankündigung spricht für Hektik. Denn eigentlich wollte das konservative Kabinett von Mariano Rajoy erst am Freitag ein neues Rettungsprogramm bekanntgeben.

Wie konnte die Lage auf dem spanischen Bankenmarkt so eskalieren? Das Problem der spanischen Aufseher war, dass sie die Gefahr in der Ferne erkannten, nicht aber die vor der eigenen Haustür: Ebenso wie in den USA entstand auch in Spanien eine Immobilienblase, nur dass diese nicht in komplizierten Finanzprodukten versteckt wurde. Spaniens Sparkassen, die sogenannten Cajas, verspekulierten sich mit ganz gewöhnlichen Krediten.

Im Gegensatz zu ihren deutschen Pendants gilt für sie schon seit 1988 kein Regionalprinzip mehr. Sämtliche Cajas konnten sich deshalb am Bauboom beteiligen, durch den besonders die Küsten des Landes mit Neubauten zubetoniert wurden. Die Folge: Bis heute sitzen vor allem die Sparkassen auf "faulen" Hypothekenkrediten, die laut Schätzungen einen Gesamtwert von 180 Milliarden Euro haben.

"Spanien hat falsch dereguliert", sagt Hans-Peter Burghof, Leiter des Instituts für Bankwirtschaft an der Universität Hohenheim. Allerdings versucht die Regierung schon seit geraumer Zeit gegenzusteuern. So entstand die jetzt verstaatlichte Bankia Ende 2010 aus sieben Cajas, die sich auf Druck aus Madrid zusammenschlossen. Gemeinsam, so die Hoffnung, würden die Institute eher durch die Krise kommen.

Zweifel an der Rettungsstrategie

Burghof zweifelt diese Logik an. "Schließlich war das Problem in der Krise bislang nicht, dass Banken zu klein waren." Im Gegenteil: Die Finanzkrise hat die Gefahr durch Institute gezeigt, die "too big to fail" sind - zu groß also, als dass der Staat sie pleite gehen lassen kann. Diese Sorge hatte die Regierung nun offenbar auch im Fall von Bankia, die immerhin ein Zehntel der spanischen Sparguthaben verwaltet.

Hinzu kommt, dass das Ausmaß der Risiken in Spaniens Bankensektor noch immer schwer überschaubar ist. Der Internationale Währungsfonds (IWF) attestierte dem Land Ende April, es betreibe eine "erhebliche und sinnvolle Restrukturierung des Sparkassensektors, aber die Fähigkeit mit den nötigen Anpassungen umzugehen, ist innerhalb des Systems sehr unterschiedlich ausgeprägt".

Bei Großbanken wie Santander Chart zeigen oder BBVA Chart zeigen sind ausreichend Kapital und Gewinne vorhanden. Doch andere Institute könnten laut IWF Probleme bekommen, neue Anforderungen der Regierung zur Risikovorsorge zu erfüllen. Allein bei der Bankia-Mutter BFA besteht laut einem Bericht von "El País" eine Kapitallücke von 3,5 Milliarden Euro. BFA habe vergangene Woche sogar ihre Jahresbilanz ungeprüft bei der Bankenaufsicht einreichen müssen, weil die Wirtschaftsprüfer von Deloitte den Zahlen ihren Segen verweigerten.

Die spanischen Banken mussten bereits faule Kredite im Wert von 54 Milliarden Euro abschreiben, am Freitag könnten sie nun von der Regierung zu weiteren Rückstellungen verpflichtet werden. Gerüchte, wonach es dabei um 35 Milliarden Euro gehen könnte, hatten spanische Bankaktien am Mittwoch deutlich belastet. Nachdem der Staat nun im Fall Bankia seine Hilfsbereitschaft zeigte, stiegen die Kurse dagegen wieder.

Doch wie viel Hilfe kann sich Spanien erlauben? Bislang ist das Land mit einer Quote von knapp 70 Prozent der Wirtschaftsleistung vergleichsweise gering verschuldet. Zum Vergleich: Irland verstaatlichte in der Krise quasi seinen gesamten Bankensektor, was die Verschuldung auf fast 110 Prozent hochschnellen ließ.

Die Jobmisere gefährdet weitere Kredite

Begrenzt wird der Spielraum der Regierung aber dadurch, dass sie derzeit versucht, eine rasant gestiegene Neuverschuldung mit Hilfe umfangreicher Sparpakete einzudämmen. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt wird immer dramatischer, jeder vierte Spanier ist ohne Job. Das verschärft auch die Lage der Banken: Zunehmend fallen nicht nur Kredite aus unseriösen Boom-Projekten aus, sondern auch die von gewöhnlichen Arbeitnehmern, die ihren Job verlieren. "Das ist ein sich selbst verstärkender negativer Effekt", sagt Experte Burghof.

In dieser Lage mehren sich die Forderungen, Spanien solle Finanzhilfen seiner europäischen Partnerländer annehmen, etwa aus dem Euro-Rettungsfonds EFSF. Doch die Regierung Rajoy lehnt das bislang strikt ab - aus Sorge um die Kreditwürdigkeit des Landes. Laut einem Bericht der Zeitung "Vanguardia" drängt die EU-Kommission Spanien, ein unabhängiges Expertengremium zu berufen, das die Bilanzen der Banken untersucht. Auf Grundlage einer solchen Untersuchung könnte dann ein Plan entwickelt werden, um die verbleibenden Giftpapiere auszulagern.

Doch wohin mit dem Finanzschrott? Angeblich plant die Regierung sogenannte Bad Banks, in welche die Papiere ausgelagert werden könnten, um die Bankbilanzen nicht länger zu belasten. Auch der IWF hatte in seinem letzten Bericht geschrieben, eine Lösung für die Papiere habe nun Priorität. Allerdings nannten die Experten Bad Banks dabei nur als eine Option unter mehreren. Bankenfachmann Burghof hält die Auffanggesellschaften nur für sinnvoll, wenn sie komplett von den Instituten getrennt würden und deren Eigenkapital nicht mehr belasteten. "Dann ist eine Bad Bank eine saubere Lösung."

Auch wenn Spanien sein Bankenproblem in den Griff bekommen sollte, dürfte die Bankia-Verstaatlichung für die Regierung aber zur Hypothek werden. Zum einen hatte Premier Rajoy versprochen, der Staat werde kein weiteres Geld für die Banken aufwenden müssen - ein Versprechen, das er schon bald brechen könnte.

Zum anderen dürfte die Geschichte der Bankia kaum das Vertrauen der Spanier in ihr Finanzsystem stärken: Im Juli 2011 wurde Bankia an die Börse gebracht, vor allem spanische Anleger griffen damals zu. Versprochen wurde ihnen ein sicheres Investment, doch schon ab Februar ging die Bankia-Aktie auf Sinkflug. Innerhalb weniger Monate hat das Papier nun schon mehr als 40 Prozent seines Werts verloren.

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insgesamt 21 Beiträge
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bauagent 10.05.2012
1. weitere Banken folgen!
Vor 2 Jahren war bereits bekannt, dass die Immobilienblase in Spanien die Banken umwerfen wird. SPON war aber noch in Euro-Feierlaune! Jetzt spricht SPON von den Cajas. Dabei sind die mit ihren läppischen 10 Mrd. nur die Spitze des Eisbergs. Es werden die nächsten Banken folgen, bis die 200 Mrd. voll sind. Wer sie bezahlt? Deutschland, Niederlande, Finnland und ein bischen Österreich mit den Target2-Betrügereien über das Dreieck Target, EZB, ESM, die im großen Stil gerade zur Umverteilung ablaufen. Schlaft weiter, Schafe!
allenfalls 10.05.2012
2. Wem vertraut das Volk wohl noch?
Hier ist dauernd von Vertrauen von irgendwem in die "Finanzmärkte" oder auch umgekehrt die Rede. Vertrauen? Muahahaha. Wem oder was soll der spanische Bürger noch vertrauen, auf dem Weg in die Dritte Welt? Auf dem Weg in die Armutsdiktatur, in die er von der Banken- und Lobbyisten-Hörigen EU gepeitscht wird? Ich habe mehrere Arbeitskollegen aus Spanien, die hier zum Hungerlohn hochqualifizierte Arbeit machen: im CallCenter. Auf meine irritierten Fragen bekomme ich die fast einhellige Antwort: Spanien ist Dritte Welt, hier habe ich wenigstens eine Krankenversicherung. Und das sagt ein EU-Bürger aus Spanien in Deutschland- dem Land des Dumping-Lohns und der verfassungswidrigen Sklaverei. Schöne neue Welt.
MiniDragon 10.05.2012
3. Geisterstädte in Spanien
Das Problem Spaniens scheint zu sein, dass der seit rund 40 Jahren anhaltende Bauboom dazu geführt hat, dass neben der Bauindustrie kaum andere Industrien entstanden sind. Heute stehen jede Menge Häuser leer in Gegenden, wo inzwischen auch die Touristen ausbleiben bzw nie hingekommen sind.
salamist 10.05.2012
4. Solange
...Juan Carlos noch auf Großwildjagd gehen kann und Elfenbein ranschafft, kanns in Spanien ja nicht so schlimm sein. Mir stellt sich die Frage, wenn Banken ´´systemrelevant´´ sind angeblich, sind es dann ganze Euroländer nicht erst recht? Und für wessen System eigentlich? Das von Oma Christel, dem Bauer Huber oder Kurt dem Busfahrer oder dem System der Börsenhändler?
carahyba 10.05.2012
5. Schuldenkrise der PIIGS oder was?
Zitat von bauagentVor 2 Jahren war bereits bekannt, dass die Immobilienblase in Spanien die Banken umwerfen wird. SPON war aber noch in Euro-Feierlaune! Jetzt spricht SPON von den Cajas. Dabei sind die mit ihren läppischen 10 Mrd. nur die Spitze des Eisbergs. Es werden die nächsten Banken folgen, bis die 200 Mrd. voll sind. Wer sie bezahlt? Deutschland, Niederlande, Finnland und ein bischen Österreich mit den Target2-Betrügereien über das Dreieck Target, EZB, ESM, die im großen Stil gerade zur Umverteilung ablaufen. Schlaft weiter, Schafe!
Mit Ihrem Beitrag wollen Sie wohl suggerieren wir hätten eine Bankenkrise, Merkel sagt wir haben eine Schuldenkrise. Wer hat nun Recht Sie oder Merkel? EZB rettet die Ländern oder waren es die Banken mit allerlei Schirmen und EZB-Tendern auf drei Jahre mit Beträgen von 1.000 Milliarden. Aber Nein, kann nicht sein, es ist doch eine Schuldenkrise verursacht durch die faulen Medis, die nur in der Sonne rumhängen unsere BMWs fahren und 15 Monatsgehälter erhalten.
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