Frankfurt am Main - Diese Nachricht sorgt in der deutschen Finanzwelt für Aufsehen: Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber will in die Führungsriege der Schweizer-Großbank UBS aufrücken - und bringt mit seinem Karrieresprung die Deutsche Bank ins Schwitzen. Das Institut sucht seit Monaten nach einem künftigen Chef - und Weber galt als hochkarätiger Kandidat.
Hartnäckig hatte sich in den vergangenen Monaten das Gerücht gehalten, Weber könne Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann beerben - und sei sogar dessen Favorit. Weber sei sehr interessiert gewesen an dem Job bei Deutschlands größtem Geldhaus, heißt es in Frankfurter Bankenkreisen. "Das wäre ideal gewesen in jeder Hinsicht, der Aufsichtsrat hätte zügig zugreifen oder zumindest Signale senden müssen", hieß es.
Damit steht erneut Clemens Börsig, der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank
, in der Kritik. Nach Informationen von "Welt Online" informierte Weber Ackermann und Börsig bereits in den vergangenen Tagen über seine UBS-Pläne. "Das ist Börsigs zweite Pleite", wird ein Deutsche-Bank-Kenner zu Webers Karrieresprung in die Schweiz zitiert. "Webers Entscheidung ist ein radikaler Einschnitt in der Nachfolgefrage und zwingt alle Beteiligten zum Umdenken", sagte ein Insider der Agentur Reuters. "Das wird weitreichende Folgen für die Suche haben."
Der UBS-Führungssessel gilt als der attraktivste Posten in der Schweiz, für den selbst Deutsche-Bank-Chef Ackermann im Gespräch war. Der Verwaltungsrat in Schweizer Unternehmen ist vergleichbar mit dem Aufsichtsrat in Deutschland, hat aber deutlich mehr Einfluss. Er führt die Geschäfte der Aktiengesellschaft und ist somit nicht nur Aufsichtsorgan. Weber wäre der erste Deutsche an der Spitze der UBS und der mächtigste Bankenchef der Schweiz. Damit wäre er auch Ackermann auf internationalem Parkett ebenbürtig.
Bundesbank muss Webers Plänen zustimmen
Allerdings muss Weber seinen Wechsel in die Schweiz noch von der Bundesbank absegnen lassen. Erst am 30. April hatte er den Chefposten bei der Notenbank abgegeben. Der Bundesbank-Vorstand werde voraussichtlich in seiner Sitzung am 12. Juli Webers geplanten Wechsel prüfen, hieß es. "Eine solche Zustimmung ist nach seinem mit der Deutschen Bundesbank geschlossenen Vertrag erforderlich."
Notenbanker haben nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt eine einjährige Schamfrist einzuhalten, bevor sie einen neuen Posten übernehmen. Sie sollen in diesem Zeitraum Interessenkonflikte vermeiden, die sich aus neuen privaten oder beruflichen Tätigkeiten ergeben können.
mmq/dpa/Reuters
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte | RSS |
| alles zum Thema Axel Weber | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH