Wechsel an Konzernspitze: GM-Chef Henderson gibt auf

Der Machtkampf bei General Motors ist entschieden: Fritz Henderson muss als Chef zurücktreten. Sein Nachfolger wird vorläufig der Vorsitzende des GM-Verwaltungsrats, Ed Whitacre. Das Weiße Haus ließ mitteilen, die Regierung Obama habe mit der Personalie nichts zu tun.

Fahrerwechsel bei General Motors: Whitacre verdrängt Henderson Fotos
REUTERS

New York - Er hatte den Ruf, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen, zu fixen. Wer, wenn nicht er, sollte den ehemals größten Autobauer der Welt wieder auf Kurs bringen - nach dem größten Konkurs der amerikanischen Industriegeschichte? Schließlich hatte er sich den Namen "Fix-it-Fritz"erworben; hatte in Asien, Europa, Lateinamerika gezeigt, was er kann.

Doch jetzt hat Fritz Henderson aufgegeben. Nach gerade mal acht Monaten tritt er als Chef des krisengeschüttelten Konzerns General Motors zurück.

"Es müssen Veränderungen her", kündigte sein Rivale, Verwaltungsratschef Ed Whitacre, am Dienstagabend in Detroit an. Zu den genauen Gründen des überraschenden Abgangs wollte er sich nicht äußern. Whitacre selbst übernimmt für eine Übergangszeit die Führung des Unternehmens. Aus dem Weißen Haus hieß es zum Wechsel an der Konzernspitze, die Regierung Obama sei nicht involviert gewesen in die Entscheidung.

Whitacre gab den Führungswechsel bei einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz in Detroit bekannt. Die Unternehmensführung war zuvor zu einer Sitzung zusammengekommen, bei der Henderson seinen Rücktritt erklärte.

Zwischen neuem und altem Chef tobte ein Machtkampf

Der neue Chef lobte zwar seinen Vorgänger, machte aber auch deutlich, dass der Konzern mit Whitacre einen neuen Kurs einschlagen wird. Henderson habe eine "bemerkenswerte" Leistung vollbracht, indem er das Unternehmen durch eine "außerordentlich schwierige Zeit" geführt habe, sagte Whitacre. Allerdings seien sich am Dienstag "alle einig gewesen, dass einige Änderungen erforderlich sind". Bis auf weiteres werde er die Unternehmensleitung übernehmen, fügte Whitacre hinzu. Es werde jedoch nach einem neuen Chef gesucht, ergänzte ein Sprecher.

Zwischen Henderson und Whitacre tobte seit Wochen ein Machtkampf um die richtige Strategie für den Konzern - etwa beim Thema Staatshilfen für Opel. Während das GM-Management um Henderson bei der rund 3,3 Milliarden Euro teuren Rettung der angeschlagenen Tochter fest auf staatliche Unterstützung in Europa setzte, erklärte Verwaltungsratschef Whitacre, er halte solche Zahlungen für unnötig: "Ich glaube, dass wir gar keine Gelder der Bundesregierung für Opel brauchen. Wenn Frau Merkel nichts zur Verfügung stellen will, dann bezahlen wir das eben selbst."

Henderson hatte sich noch vor wenigen Wochen am Stammsitz der GM-Tochter Opel in Rüsselsheim aufgehalten, um sich um die Zukunft der deutschen Unternehmenstochter zu kümmern.

Henderson war erst Ende März an die Spitze von General Motors gerückt, nachdem der damalige Konzernchef Rick Wagoner gehen musste. Der 51-Jährige sollte GM wieder auf Kurs bringen. In seine Amtszeit fiel dann im Juni mit dem Konkurs des 101 Jahre alten Traditionskonzerns der größte Bankrott in der Geschichte der US-Industrie.

Doch er galt als Experte für schwierige Fälle. In dem Vierteljahrhundert, in dem Henderson bei GM arbeitete, kümmerte er sich unter anderem um die Konzerngeschäfte in Lateinamerika, Afrika, dem Mittleren Osten, in Asien - um schließlich als Europachef in den Jahren 2004 bis 2006 die deutsche Tochter Opel auf Profit zu trimmen. Vor seiner Berufung auf den Chefposten war Henderson als Chief Operating Officer im GM-Vorstand für das Tagesgeschäft verantwortlich.

Unter Henderson fand GM im Sommer dieses Jahres den Weg aus der Insolvenz, zudem wurde der geplante Verkauf von Opel Anfang November überraschend abgeblasen - und Henderson stand als Brüskierter da.

otr/AP/AFP/Reuters/dpa

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1. Mir tun nur die Opel-Beschäftigten leid
bonus 02.12.2009
Die müssen sich vorkommen wie ein zum Tode Verurteilter, dessen Hinrichtung im letzten Moment immer wieder aufgeschoben wird.
2. Immer das selbe...
wanniii 02.12.2009
Zitat von sysopDer Machtkampf bei General Motors ist entschieden: Fritz Henderson muss als Chef zurücktreten. Sein Nachfolger wird vorläufig der Vorsitzende des GM-Verwaltungsrats, Ed Whitacre. Das Weiße Haus ließ mitteilen, die Regierung Obama habe mit der Personalie nichts zu tun. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,664659,00.html
Statt sich endlich einmal auf einen Nenner zu einigen, kocht jeder im Mangement und Aufsichtsrat seine eigene Suppe. Nicht nur die amerikanischen GM-Mitarbeiter werden durch das kurzfristige Denken verunsichert, sondern auch die weltweiten Niederlassungen. Im Zeichen der Krise gilt als erstes, einen kuehlen Kopf zu bewahren und ein wirklich tragfaehiges Konzept zu entwickeln. Fuer GM sollte es doch eine Kleinigkeit sein, Technologien aus Europa auf den amerikanischen Markt einzufuehren, Opel als 'Made in Germany'-Marke dort zu etablieren. Was ist eigentlich in diesem Jahr geschehen? Die Zukunft von Opel und Saab steht wieder oder immer noch in den Sternen, GM selbst schreibt immer noch, trotz Konkurs und Neustart, tiefrote Zahlen. Ein Jahr verschenkt, nichts gelernt... Aber fuer seinen Ruecktritt bekommt Henderson sicher ein fette Abfindung, wie es sich selbstverstaendlich gehoert. GM hat es bei diesem Management nicht verdient zu ueberleben...
3. Armselig
rabenkrähe 02.12.2009
Zitat von sysopDer Machtkampf bei General Motors ist entschieden: Fritz Henderson muss als Chef zurücktreten. Sein Nachfolger wird vorläufig der Vorsitzende des GM-Verwaltungsrats, Ed Whitacre. Das Weiße Haus ließ mitteilen, die Regierung Obama habe mit der Personalie nichts zu tun. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,664659,00.html
.... Was bei GM abgeht, ist nicht nur ein Skandal, es zeigt vor allem, wie im US-amerikanischen System mit Menschen und Werten umgegangen wird. Da macht GM zunächst Pleite, weil sie Schrott produzieren, den keiner haben will, die Gläubiger gehen weitgehend leer aus, unzählige Mitarbeiter werden entlassen, dann ersteht GM aus den Ruinen auf, will angeblich diverse ausländische Beteiligungen abstoßen, die dank der Staatsknete plötzlich wieder interessant werden (Opel), und das Ganze findet mit einem lächelnden Trara unter der Regie peinlicher und überheblicher Manager ab, die alles sind, außer verbindlich. Nur nur dieses, aber vor allem dieses Unternehmen soll einfach ohne jede Unterstützung in einen echten Bankrott entlassen werden, sonst tanzen die Mitarbeitern, Gesellschaft und anderen Staaten ohne Ende auf der Nase herum! rabenkrähe
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General Motors: Autogigant in der Krise

Das lange Ringen um Opel
Seit anderthalb Jahren verhandelt General Motors um die Zukunft seiner Europa-Tochter Opel - eine Chrolologie.
Wie alles begann
14. November 2008: Opel muss in Folge der Schieflage des Mutterkonzerns GM um die Unterstützung aus den USA fürchten und bittet als erster deutscher Autohersteller den Staat um Hilfe. Eine Bürgschaft von Bund und Ländern soll Opel stützen, nach Unternehmensangaben geht es um "etwas mehr als eine Milliarde Euro".
17. Februar 2009: Nach einem Rekordverlust arbeitet General Motors Pläne für einen Jobkahlschlag aus. Der ums Überleben kämpfende Opel-Mutterkonzern will 47.000 Stellen streichen - davon 26.000 außerhalb der USA, viele in Deutschland.
27. Februar: Opel sieht seine einzige Rettung darin, sich weitgehend von GM abzukoppeln. Das von der öffentlichen Hand benötigte Kapital eines neuen europäischen Unternehmens Opel/Vauxhall wird auf jetzt 3,3 Milliarden Euro beziffert.
2. März: Opel-Manager legen der Bundesregierung einen Rettungsplan vor.
31. März: Kanzlerin Merkel stellt Unterstützung in Aussicht, aber keinen direkten Staatseinstieg.
Dreikampf um Opel
23. April: Fiat will Opel übernehmen - die Arbeitnehmer sprechen sich rasch dagegen aus.
28. April: Auch der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna meldet Interesse an und legt ein erstes Grobkonzept für Opel vor.
12. Mai: Es wird bekannt, dass auch der in Brüssel ansässige Finanzinvestor RHJ International ein Angebot prüft - damit gibt es nun drei Interessenten für Opel.
30. Mai: Die Grundsatzentscheidung für Magna fällt - in einer Nachtsitzung mit Bund, Ländern, GM und dem US-Finanzministerium. Damit ist der Weg frei für einen Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro an Opel sowie die zeitweilige Übernahme von Opel durch eine Treuhandgesellschaft (um den deutschen Autobauer vor den Folgen einer GM-Insolvenz zu schützen). Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg stellt sich als einziger Politiker mit einer Rücktrittsdrohung dagegen und plädiert notfalls für eine Opel-Insolvenz.
1. Juni: GM geht in die Insolvenz.
GM denkt um
10. Juli: Steuermilliarden retten GM, der Konzern wird aus der Insolvenz entlassen. Nun mehrheitlich in Staatsbesitz, soll er wesentlich verkleinert überleben. Es fließen mehr als 50 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 36 Milliarden Euro) an Hilfsgeldern.
15. Juli: RHJ International stellt ein neues Übernahmeangebot vor. Die Bundesländer mit Opel-Standorten favorisieren Magna, weil der Zulieferer verspricht, weniger Stellen zu streichen.
19. August: Bund und Länder beschließen: Wenn GM sich für Magna entscheidet, wird Deutschland 4,5 Milliarden Euro an Kreditzusagen und Bürgschaften vorstrecken, ohne dass sich andere europäische Länder mit Standorten beteiligen müssen. GM wird unter Druck gesetzt, sich für Magna zu entscheiden.
25. August: Erneutes Opel-Spitzentreffen zwischen Bund, Ländern und GM in Berlin. Der US-Autokonzern prüft, seine Tochter selbst zu behalten.
2. September: RHJ International bessert sein Angebot erneut nach und fordert nun 600 Millionen Euro weniger Staatshilfen. Dennoch spricht sich die Bundesregierung erneut für Magna aus.
10. September: Der GM-Verwaltungsrat empfiehlt einen Verkauf von Opel an Magna.
14. September: Magna bestätigt, dass in Deutschland mehr als 4000 der rund 25.000 Stellen wegfallen werden. Aus Belgien, Großbritannien und Spanien gibt es Widerstand gegen Magna, weil deutsche Standorte bevorzugt würden. Die EU-Kommission kündigt eine "sehr sorgfältige" Prüfung der Milliardenbeihilfen an.
16. Oktober: EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes äußert schwere Bedenken gegen die 4,5 Milliarden Euro Staatsunterstützung. Die Hilfszusagen dürften nicht an einen Bieter gebunden werden - die Bundesregierung soll sich also keinen Kaufinteressenten aussuchen dürfen, der zum Beispiel deutsche Standorte schont.
Opel bleibt doch bei GM
3. November 2009: Der General-Motors-Verwaltungsrat stoppt nach monatelangem Verhandlungspoker überraschend den Verkauf seines deutschen Tochterunternehmens an den Autozulieferer Magna International und plant, selbst zu sanieren. Falls es keine Einigung mit den Beschäftigten gibt, schließt GM eine Opel-Insolvenz nicht aus.
4. November: Die Politik reagiert empört auf die Entscheidung von General Motors, die Tochtergesellschaft Opel zu behalten.
5. November: An allen deutschen Standorten machen die 25.000 Beschäftigten ihrer Wut über den US-Mutterkonzern Luft und legen zeitweise die Arbeit nieder. General Motors plant, nach Möglichkeit keine finanzielle Unterstützung des Staates für das deutsche Tochterunternehmen zu verlangen.
6. November: GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster verlässt den Konzern.
7. November: Nach dem geplatzten Opel-Deal stehen mögliche Staatshilfen für General Motors im Fokus.
9. November: Die EU-Kommission erwägt die Einberufung eines Ministertreffens zur Zukunft von Opel.
10. November: Der GM-Manager Nick Reilly wird übergangsweise Chef von Opel/Vauxhall. Opel-Chef Hans Demant bleibt Vorsitzender der Geschäftsleitung der deutschen GmbH.
11. November: Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums braucht GM für die Sanierung des deutschen Autobauers Opel 3,3 Milliarden Euro.
13. November: General Motors will doch Staatshilfen zur Sanierung seiner Tochter Opel.
14. November: Der Opel-Mutterkonzern verlegt seine Europa-Zentrale bis Jahresende nach Rüsselsheim.
16. November: Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) gerät wegen seiner Ablehnung von Staatshilfen für Opel in die Kritik der Bundesländer.
Standortschließungen und Entlassungen
19. November: Opel dementiert Bericht über einen Verzicht von GM auf Standortschließungen.
23. November: Nach heftigem Streit über die Zukunft von Opel wollen die betroffenen EU-Länder künftig gemeinsam mit dem Mutterkonzern General Motors verhandeln.
24. November: Reilly kündigt den Erhalt der Standorte Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern an.
25. November: Auch Eisenach ist gerettet. Die Opel-Beschäftigten in Deutschland trifft die Hauptlast des Stellenabbaus bei der Sanierung des Autobauers: Etwa 4500 bis 5400 Arbeitsplätze sollen gestrichen werden.
30. November: Der Autobauer Opel gehört wieder vollständig General Motors.
1. Dezember: General-Motors-Chef Fritz Henderson tritt nach acht Monaten im Amt zurück.
2. Dezember: Der als harter Sanierer bekannte GM-Verwaltungsratsvorsitzende Ed Whitacre übernimmt vorerst das Ruder beim US-Hersteller.
12. Dezember: Die GM-Europa-Zentrale zieht nicht nach Rüsselsheim um, sondern wird aufgelöst.
8. Januar 2010: Opel-Chef Hans Demant muss seinen Posten an der Spitze des Autobauers räumen.
15. Januar: Reilly übernimmt offiziell das Steuer bei Opel.
21. Januar: Das Opel-Werk in Antwerpen mit seinen 2400 Mitarbeitern wird noch 2010 geschlossen.
22. Januar: Der Opel-Betriebsrat ruft die europäischen Mitarbeiter zu Protesten gegen die angekündigte Werksschließung auf.
09. Februar: Opel-Konzernchef Reilly stellt den Sanierungsplan vor. Danach sollen in Europa 8300 Stellen wegfallen. Allein in Deutschland werden demnach 3911 Jobs gestrichen.
Ringen um Staatshilfe
2. März: Nach anhaltender Kritik verdreifacht GM seinen Beitrag zur Opel-Sanierung auf 1,9 Milliarden Euro. Gleichzeitig verlangt der Autobauer nun weniger Hilfe von den Regierungen.
21. Mai: Das Opel-Management einigt sich mit den Beschäftigten auf einen Beitrag der Mitarbeiter zum Sanierungsplan.
25. Mai: Als erstes Bundesland sagt Thüringen Bürgschaften für Opel zu und appelliert an die Bundesregierung, nicht zurückzustehen. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) bleibt skeptisch.
9. Juni: Brüderle lehnt den Antrag auf eine Milliardenbürgschaft des Bundes ab.
10. Juni: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) berät mit den Regierungschefs der vier Bundesländer mit Opel-Standorten über andere Lösungen. Die Länder sollen nun Bürgschaftsanträge prüfen.
15. Juni: Die Opel-Länder sagen zwar eine zügige Bearbeitung möglicher Anträge zu, können sich aber nicht auf eine Aufteilung der Kosten einigen.
16. Juni: Opel und GM ziehen einen Schlussstrich. Auf Staatshilfen soll nun verzichtet und der Autobauer aus eigener Kraft saniert werden.