Von manager-magazin-Redakteur Ulric Papendick
Hamburg -
Josef Ackermann gab sich gewohnt locker, als er am Mittwoch dieser Woche im Berliner Reichstag die Haltung der Deutschen Bank
zur Euro-Krise präsentierte. Ein paar freundliche Sätze an die Adresse von Bundeskanzlerin Angela Merkel und an ihren Finanzminister Wolfgang Schäuble, dann versicherte der Institutsleiter wortreich, sein Geldhaus werde sich an einem Forderungsverzicht gegenüber Griechenland beteiligen.
Dass er nur einen Tag zuvor eine schwere persönliche Niederlage erlitten hatte, ließ sich der Chef des größten deutschen Geldinstituts nicht anmerken. Am Dienstag hatte ihm der frühere Bundesbank-Chef Axel Weber mitgeteilt, dass er für die Deutsche Bank nicht mehr zur Verfügung stehe.
Der Mann, den Ackermann zu seinem Nachfolger machen wollte, hat sich anderweitig entschieden: Im kommenden Jahr wird Weber in den Verwaltungsrat der Schweizer Großbank UBS einziehen. Ab 2013 soll er den Vorsitz übernehmen, wie heute offiziell bekannt wurde.
Ein Affront für Ackermann - zugleich ein Rückschlag, der die Deutsche Bank in eine tiefe Führungskrise stürzen wird. Denn für Ackermann dürfte feststehen, wem er diese unerwartete Niederlage zu verdanken hat: Aufsichtsratschef Clemens Börsig.
Börsigs Zögern ließ Webers Zweifel wachsen
Schließlich hatte es lange so ausgesehen, als werde Weber, der die Bundesbank in diesem Frühjahr verlassen hat, tatsächlich in einigen Monaten zum neuen Chef der Deutschen Bank gekürt. Ackermann höchstselbst hatte Weber gegenüber bekundet, er könne sich den früheren Notenbanker sehr gut für diese Position vorstellen. Ein formales Angebot gab es gleichwohl nie - und dies, bekunden Insider, hänge maßgeblich mit dem Zögern von Chefaufseher Börsig zusammen.
Börsig, als oberster Kontrolleur der Bank zuständig für die Fahndung nach einem neuen Vorstandschef, hatte die Suche bis zuletzt als "klar strukturierten Prozess" beschrieben. Für Weber, der seit dem Sommer als Professor an der Universität Chicago lehrt, wurde damit immer offenkundiger, dass seine Berufung an die Spitze der Deutschen Bank trotz Ackermanns Zusicherung keinesfalls sicher war.
Weber begann, sich nach Alternativen umzusehen - und fasste auch Positionen außerhalb des operativen Geschäfts ins Auge. Das Angebot aus der Schweiz kam ihm dabei mehr als gelegen: Am 10. Mai traf sich der frühere Bundesbanker erstmals mit
UBS-Verwaltungsratschef Kaspar Villiger in Zürich. Sechs Wochen später, am Mittwoch vergangener Woche, stellte sich Weber schließlich dem Führungsgremium der UBS
vor: Auf einer Sitzung in New York wurde der Kandidat eingeführt.
Lukrativer Job ohne Interessenkonflikte
Weber ist genau der neue Chefkontrolleur, den die UBS-Granden gesucht hatten: ein deutschsprachiger Topmanager mit besten Verbindungen in die internationale Politik und Finanzwelt. Entsprechend begeistert war der Empfang, den die UBS-Aufseher Weber am Freitag in Zürich bereiteten. Die Personalie wurde einstimmig angenommen.
Auch Weber wird die Entscheidung leichtgefallen sein. Nicht nur, weil die Vergütung von Verwaltungsräten in der Schweiz durchaus stattlich ist: Schon im ersten Jahr erhält Weber ein Grundgehalt von 1,5 Millionen Franken - plus 150.000 UBS-Aktien.
Vor allem aber wechselt Weber nunmehr nicht zu einem Institut, das er zuvor als Bundesbanker beaufsichtigt hat. Auch in der Bundesregierung wurde mit Erleichterung aufgenommen, dass der im Unfrieden gegangene Ex-Bundesbankchef einen Job in der Privatwirtschaft gefunden hat, den er ohne Interessenkonflikte ausüben kann. Weber, der am Freitag in Zürich weilte, erhielt telefonisch Gratulationen mehrerer Spitzenpolitiker.
Weniger froh dürfte die Führungsriege der Deutschen Bank sein, bei der der Grabenkrieg um die Nachfolge von Josef Ackermann nun erst recht ausbrechen dürfte. Auch das ohnehin schwierige Verhältnis zwischen dem Bankchef und seinem obersten Kontrolleur wird durch Webers Absprung kaum besser werden. Im Gegenteil: "Ich gehe davon aus", mutmaßt ein Insider, "dass sich Ackermann für diese verpasste Chance an Börsig rächen wird."
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