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Wechselkurs: Schweiz diktiert Märkten den Franken-Kurs

Die Schweizer Notenbank ergreift eine radikale Maßnahme, um den Höhenflug der Nationalwährung zu stoppen: Der Euro soll ab sofort mindestens 1,20 Franken kosten. Das will die Bank "mit aller Konsequenz durchsetzen". Gleich nach der Ankündigung verlor der Franken drastisch an Wert.

Franken: Starke Währung ist akute Bedrohung für die Exportindustrie Zur Großansicht
DPA

Franken: Starke Währung ist akute Bedrohung für die Exportindustrie

Hamburg - Lange hatte sie diese Maßnahme erwogen - jetzt macht die Schweizer Nationalbank Ernst: Am Dienstag kündigte sie in einer Pressemitteilung an, einen Mindestkurs für den Schweizer Franken im Vergleich zum Euro festzulegen.

Sie toleriert am Devisenmarkt ab sofort keinen Euro-Franken-Kurs unter 1,20 Franken mehr. "Die Nationalbank wird den Mindestkurs mit aller Konsequenz durchsetzen und ist bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen", heißt es in der Mitteilung.

In den vergangenen Tagen pendelte der Euro Chart zeigen bei 1,12 Franken; nach der Ankündigung der SNB schnellte er binnen Minuten auf rund 1,20 Franken empor. Zuvor gab es Spekulationen im Aktienmarkt um ein Kaufprogramm im Volumen von 20 Milliarden Euro, die den Markt stabilisiert hätten.

Die massive Überbewertung des Schweizer Franken stelle eine akute Bedrohung für die Schweizer Wirtschaft dar und berge das Risiko einer deflationären Entwicklung, heißt es zur Begründung.

Grund für das Kursplus der Währung ist die Unsicherheit am globalen Finanzmarkt. Anleger weltweit haben die Schweizer Währung als sichere Anlage auserkoren und decken sich entsprechend mit ihr ein. Für die Schweiz wird das immer mehr zur Bürde, da sich ihre Exporte im Ausland stark verteuern und so an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen. Auch der Tourismus leidet, die Gästezahlen sind im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent eingebrochen. Der Grund ist, dass der Urlaub in der Schweiz für europäische Touristen massiv teurer geworden ist.

Die SNB kämpft seit langem gegen das Franken-Hoch. Seit Anfang August pumpt die Nationalbank bereits massiv Franken in den Geldmarkt. Die Liquidität der Geschäftsbanken wurde in drei Etappen von 30 Milliarden auf 200 Milliarden Franken erhöht - das ist mehr als ein Drittel der Schweizer Wirtschaftsleistung.

Schweizer Ökonomen drangen seit längerem darauf, eine Obergrenze zum Euro zu definieren. Dies habe schließlich schon einmal funktioniert. Im Sommer 1978 legte der Franken gegenüber der D-Mark und dem Dollar um 40 Prozent zu. Statt wie normal 80 bis 90 Rappen bekam man für eine D-Mark nur noch 75 Rappen. Die SNB rang sich zu einem Experiment durch: Die Notenbanker kündigten an, mit unbegrenzten Interventionen auf dem Devisenmarkt dafür zu sorgen, dass die Schwelle von 80 Rappen pro D-Mark nicht mehr unterschritten werde.

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Währungskrise: Wer unter dem starken Franken besonders leidet
Um das Ziel zu erreichen, verkaufte die Notenbank mehr als zehn Milliarden Franken. Die Geldmenge stieg um 17 Prozent statt nur fünf Prozent, wie Anfang 1978 verkündet. Das Experiment gelang: Der Franken-Kurs gab schnell nach und pendelte sich 1979 bei 90 Rappen ein. Bis zur Einführung des Euro 1999 sank er nie wieder unter 80 Rappen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, die SNB habe die Liquidität der Geschäftsbanken in den vergangenen Wochen von 30 Millionen auf 200 Milliarden Franken erhöht. Tatsächlich lag das ursprüngliche Niveau bei 30 Milliarden Franken. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

ssu/cte/Reuters

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1. <->
silenced 06.09.2011
Ach, der Markt regelt es wohl nicht? Es muss reguliert werden? Bigotterie wohin man schaut. Ständiges Wachstum wird akzeptiert, mal ein Abschwung nicht, der Krebs der Märkte. Es kann nur Gewinner geben weil es keine Verlierer geben darf, oder so. Wenn man alles so einfach festlegen kann, warum legt der Staat nicht einfach fest, daß er ab sofort 0€ Schulden hat? Fragen über Fragen. Und warum das alles? Noch mehr Fragen.
2. Titel
Paul Kessler, 06.09.2011
Zitat von sysopDie Schweizer Notenbank ergreift eine radikale Maßnahme, um den Höhenflug der Nationalwährung zu stoppen: Der Euro*soll ab sofort*mindestens 1,20 Franken kosten.*Das will die Bank "mit aller Konsequenz durchsetzen". Gleich nach der Ankündigung verlor der Franken drastisch an Wert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,784597,00.html
So dürfen auch die Schweizer unter dem EURO-Irrsinn leiden. Langsam sollte der internationalen Banken-Mafia ein Lichtlein aufgehen. Die in Gang gesetzten Prozesse werden langsam aber sicher selbstzerstörerisch.
3. "diktieren" ?? geht ja wohl nicht
manni-two 06.09.2011
sie können nur immer mehr Euros aufkaufen um den Kurs zu halten - Jean-Claude Trichet und die Griechen werden begeistert sein.
4. Franken nachdrucken oder lieber einsammeln?
upjohn 06.09.2011
Zitat von sysopDie Schweizer Notenbank ergreift eine radikale Maßnahme, um den Höhenflug der Nationalwährung zu stoppen: Der Euro*soll ab sofort*mindestens 1,20 Franken kosten.*Das will die Bank "mit aller Konsequenz durchsetzen". Gleich nach der Ankündigung verlor der Franken drastisch an Wert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,784597,00.html
Der Aufwertung des SF kann durch schlichtes Inflationieren entgegengewirkt werden. Warum die Schweiz Fremdvaluta oder andere Zahlungsmittel (ggf. Gold?) zur Senkung des SF-Kurses verwendet, ist mir schleierhaft. Möglicherweise jedoch versucht die schweiz. Nationalbank, den zunehmend wertloseren Euro oder US-$ gegen die eigene Währung zu tauschen und so einen Teil des SF-Werts im Ausland einzusammeln, um beim zu erwartenden Euro-Crash nicht so dumm dazustehen wie andere EU-Mitglieder. Man sollte sich den Gold- und Euro-/Dollar-Desivenbestand der schw. Nationalbank ansehen. Sinkt dieser, liege ich richtig.
5. Eingriffe
pax, 06.09.2011
Zitat von silencedAch, der Markt regelt es wohl nicht? Es muss reguliert werden? Bigotterie wohin man schaut. Ständiges Wachstum wird akzeptiert, mal ein Abschwung nicht, der Krebs der Märkte. Es kann nur Gewinner geben weil es keine Verlierer geben darf, oder so. Wenn man alles so einfach festlegen kann, warum legt der Staat nicht einfach fest, daß er ab sofort 0€ Schulden hat? Fragen über Fragen. Und warum das alles? Noch mehr Fragen.
Weil man für jeden Markteingriff einen Preis bezahlen muss. Die Schweiz macht etwas gegen ihre überbewertete Währung was auch die USA gegen ihren überbewerteten Dollar macht : Sie wirft die Druckerpresse an. Man erkauft sich damit eine niedrigere Währung , aber man bezahlt mit der Inflationsgefahr und mit dem Zuführen von riesigen Liquiditätsmengen in die Finanzmärkte mit denen die Finanzblasen gefüttert werden. Die Schweiz ist zu klein, als dass der Finanzblasenpunkt wichtig wäre , aber die Inflationspunkt kann bedeutend werden. Bei den USA waren die Finanzblasen der Haupteffekt.
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Schweizer Währungshoch: Die Franken-Opfer


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