Hamburg - Lange hatte sie diese Maßnahme erwogen - jetzt macht die Schweizer Nationalbank Ernst: Am Dienstag kündigte sie in einer Pressemitteilung an, einen Mindestkurs für den Schweizer Franken im Vergleich zum Euro festzulegen.
Sie toleriert am Devisenmarkt ab sofort keinen Euro-Franken-Kurs unter 1,20 Franken mehr. "Die Nationalbank wird den Mindestkurs mit aller Konsequenz durchsetzen und ist bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen", heißt es in der Mitteilung.
In den vergangenen Tagen pendelte der Euro
bei 1,12 Franken; nach der Ankündigung der SNB schnellte er binnen Minuten auf rund 1,20 Franken empor. Zuvor gab es Spekulationen im Aktienmarkt um ein Kaufprogramm im Volumen von 20 Milliarden Euro, die den Markt stabilisiert hätten.
Die massive Überbewertung des Schweizer Franken stelle eine akute Bedrohung für die Schweizer Wirtschaft dar und berge das Risiko einer deflationären Entwicklung, heißt es zur Begründung.
Grund für das Kursplus der Währung ist die Unsicherheit am globalen Finanzmarkt. Anleger weltweit haben die Schweizer Währung als sichere Anlage auserkoren und decken sich entsprechend mit ihr ein. Für die Schweiz wird das immer mehr zur Bürde, da sich ihre Exporte im Ausland stark verteuern und so an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen. Auch der Tourismus leidet, die Gästezahlen sind im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent eingebrochen. Der Grund ist, dass der Urlaub in der Schweiz für europäische Touristen massiv teurer geworden ist.
Die SNB kämpft seit langem gegen das Franken-Hoch. Seit Anfang August pumpt die Nationalbank bereits massiv Franken in den Geldmarkt. Die Liquidität der Geschäftsbanken wurde in drei Etappen von 30 Milliarden auf 200 Milliarden Franken erhöht - das ist mehr als ein Drittel der Schweizer Wirtschaftsleistung.
Schweizer Ökonomen drangen seit längerem darauf, eine Obergrenze zum Euro zu definieren. Dies habe schließlich schon einmal funktioniert. Im Sommer 1978 legte der Franken gegenüber der D-Mark und dem Dollar um 40 Prozent zu. Statt wie normal 80 bis 90 Rappen bekam man für eine D-Mark nur noch 75 Rappen. Die SNB rang sich zu einem Experiment durch: Die Notenbanker kündigten an, mit unbegrenzten Interventionen auf dem Devisenmarkt dafür zu sorgen, dass die Schwelle von 80 Rappen pro D-Mark nicht mehr unterschritten werde.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, die SNB habe die Liquidität der Geschäftsbanken in den vergangenen Wochen von 30 Millionen auf 200 Milliarden Franken erhöht. Tatsächlich lag das ursprüngliche Niveau bei 30 Milliarden Franken. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.
ssu/cte/Reuters
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