04. Januar 2013, 07:21 Uhr

Schuldbekenntnis im Steuerskandal

Älteste Schweizer Bank macht dicht

Das Traditionshaus Wegelin wurde wegen Beihilfe zur Steuerflucht verurteilt. Der Vertrauensverlust ist zu groß: Nach mehr als 250 Jahren geben die Schweizer alle Bankgeschäfte auf. US-Ermittler werten das als Durchbruch bei der Aufweichung des Bankgeheimnisses.

Zürich - "Ein Lebenswerk verspielt", titelt die "Neue Zürcher Zeitung" in einem Kommentar - und tatsächlich ist das Drama um die Schweizer Bank Wegelin spektakulär. Das Traditionshaus hat sich in den USA wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung schuldig bekannt. Es wird nach eigenen Angaben alle Bankgeschäfte einstellen - nach mehr als 250 Jahren. Das Institut war 1741 gegründet worden - es ist damit das älteste in der Schweiz.

In einer Anhörung vor Richter Jed Rakoff am Bezirksgericht Manhattan hatte die Bank am Donnerstag zugegeben, reichen Amerikanern dabei geholfen zu haben, Geld am Fiskus vorbeizuschleusen. Es geht um Vermögen von gut 1,2 Milliarden Franken, die die Bank für amerikanische Offshore-Kunden verwaltete. Der Betrag entspricht nicht einmal fünf Prozent der Gelder, die Wegelin insgesamt betreut.

"Die Bank hat für einen Pappenstiel ihre Existenz verspielt", urteilt die "NZZ". Die US-Behörden hatten Wegelin vor knapp einem Jahr verklagt. Bereits im vergangenen Jahr hatte Wegelin aus Furcht vor einer existenzbedrohenden Strafe einen Großteil ihres Geschäfts verkauft. Zudem musste die Bank einen Vertrauensverlust der Kunden fürchten.

Das Geldhaus blieb nur noch für die Abarbeitung des Rechtsstreits mit den US-Behörden erhalten. Mit der nun erzielten Einigung endet die Strafverfolgung durch die US-Behörden. Formal beendet wird das Verfahren erst mit der Urteilsverkündung, die für den 4. März angesetzt ist. "Wegelin wird nach dem Abschluss des US-Verfahrens das Bankgeschäft einstellen", erklärte das Geldhaus.

Die Bank muss knapp 74 Millionen Dollar Strafe an die USA zahlen - was verkraftbar scheint. Die Bank muss sich auch verpflichten, amerikanische Kunden- und Bankdaten aufzubewahren und diese herauszugeben, sollten die Schweizer Behörden das anordnen.

US-Ermittler hoffen nach dem Urteil gegen Wegelin auf einen Durchbruch bei ihrem Kampf gegen das Schweizer Bankengeheimnis. Neben Wegelin haben die Amerikaner weitere Schweizer Banken im Visier, darunter Credit Suisse und Julius Bär.

Die Aktionen gegen Schweizer Banken begannen 2007 mit einer Untersuchung gegen die UBS. Dieses Verfahren, in das sich dann auch die Schweizer Regierung einschalten musste, endete mit einer Strafe von 780 Millionen Dollar gegen die UBS. Und mit dem Segen der Schweizer Behörden, die Namen von 4450 US-Kunden herauszugeben.

ssu/AFP/Reuters


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