Schuldbekenntnis im Steuerskandal: Älteste Schweizer Bank macht dicht

Das Traditionshaus Wegelin wurde wegen Beihilfe zur Steuerflucht verurteilt. Der Vertrauensverlust ist zu groß: Nach mehr als 250 Jahren geben die Schweizer alle Bankgeschäfte auf. US-Ermittler werten das als Durchbruch bei der Aufweichung des Bankgeheimnisses.

Bankhaus Wegelin: Millionenstrafe nach Beihilfe zur Steuerhinterziehung Zur Großansicht
DPA

Bankhaus Wegelin: Millionenstrafe nach Beihilfe zur Steuerhinterziehung

Zürich - "Ein Lebenswerk verspielt", titelt die "Neue Zürcher Zeitung" in einem Kommentar - und tatsächlich ist das Drama um die Schweizer Bank Wegelin spektakulär. Das Traditionshaus hat sich in den USA wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung schuldig bekannt. Es wird nach eigenen Angaben alle Bankgeschäfte einstellen - nach mehr als 250 Jahren. Das Institut war 1741 gegründet worden - es ist damit das älteste in der Schweiz.

In einer Anhörung vor Richter Jed Rakoff am Bezirksgericht Manhattan hatte die Bank am Donnerstag zugegeben, reichen Amerikanern dabei geholfen zu haben, Geld am Fiskus vorbeizuschleusen. Es geht um Vermögen von gut 1,2 Milliarden Franken, die die Bank für amerikanische Offshore-Kunden verwaltete. Der Betrag entspricht nicht einmal fünf Prozent der Gelder, die Wegelin insgesamt betreut.

"Die Bank hat für einen Pappenstiel ihre Existenz verspielt", urteilt die "NZZ". Die US-Behörden hatten Wegelin vor knapp einem Jahr verklagt. Bereits im vergangenen Jahr hatte Wegelin aus Furcht vor einer existenzbedrohenden Strafe einen Großteil ihres Geschäfts verkauft. Zudem musste die Bank einen Vertrauensverlust der Kunden fürchten.

Das Geldhaus blieb nur noch für die Abarbeitung des Rechtsstreits mit den US-Behörden erhalten. Mit der nun erzielten Einigung endet die Strafverfolgung durch die US-Behörden. Formal beendet wird das Verfahren erst mit der Urteilsverkündung, die für den 4. März angesetzt ist. "Wegelin wird nach dem Abschluss des US-Verfahrens das Bankgeschäft einstellen", erklärte das Geldhaus.

Die Bank muss knapp 74 Millionen Dollar Strafe an die USA zahlen - was verkraftbar scheint. Die Bank muss sich auch verpflichten, amerikanische Kunden- und Bankdaten aufzubewahren und diese herauszugeben, sollten die Schweizer Behörden das anordnen.

US-Ermittler hoffen nach dem Urteil gegen Wegelin auf einen Durchbruch bei ihrem Kampf gegen das Schweizer Bankengeheimnis. Neben Wegelin haben die Amerikaner weitere Schweizer Banken im Visier, darunter Credit Suisse und Julius Bär.

Die Aktionen gegen Schweizer Banken begannen 2007 mit einer Untersuchung gegen die UBS. Dieses Verfahren, in das sich dann auch die Schweizer Regierung einschalten musste, endete mit einer Strafe von 780 Millionen Dollar gegen die UBS. Und mit dem Segen der Schweizer Behörden, die Namen von 4450 US-Kunden herauszugeben.

ssu/AFP/Reuters

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insgesamt 286 Beiträge
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1.
josecastro 04.01.2013
Wie salopp mann über solche Beträge redet!
2. Die Amis greifen sich die Banken und nicht die Regierung
wolfi55 04.01.2013
Das ist der richtige Ansatz inn der Schweiz. Die Regierung ist dort schwach und die Banken sind stark und die eigentliche Macht im Staat. Sie haben auch die Möglichkeit dort Gesetze ändern zu lassen, was der Regierung nur schwer gelingt.
3. optional
nic 04.01.2013
Richtig so. Wird Zeit den Sumpf trocken zu legen.
4. Die Mafia- und Nazihehlerwirtschaft und die Eidgenossen
rabula_raser 04.01.2013
Zitat von sysopDas Traditionshaus Wegelin wurde wegen Beihilfe zur Steuerflucht verurteilt. Der Vertrauensverlust ist zu groß: Nach mehr als 250 Jahren geben die Schweizer nun alle Bankgeschäfte auf. US-Ermittler werten das als Durchbruch bei der Aufweichung des Bankgeheimnisses. Wegelin: Älteste Schweizer Bank macht nach Steuerskandal dicht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/wegelin-aelteste-schweizer-bank-macht-nach-steuerskandal-dicht-a-875681.html)
Nein, es ist eben nicht die schöne Welt der Heidis und der Almöhis, die so exemplarisch und einzigartig beeindruckend die real-existierende eidgenössische Schweiz und das eidgenössische Schweizervolk beschreibt. Das, womit wir es eben doch in der Praxis zu tun haben, ist die mit den höchsten Konzentrationen von Verborgenheit, Verschwiegenheit und desinformativer Besitzstandsagitatíon und -propaganda fungierende Alpenrepublik der Bankster, Geldwäscher und Mafiahausmeier, die den Rest der Eidgenossen eben immer noch mit jenen Vermögensbröseln zu korrumpieren verstehen, weil in der Schweiz, ebenso wie in diesem neuen Deutschland der Neuen Sozialen Marktwirtschaft, kein Staat mehr mit Redlichkeit, Realleistung und konsensualer, mehrwertschöpferischer Produktionswirtschaft zu machen ist. Dass was die neuen Besitzstandsfeudalelit'arier' in der Schweiz und in Deutschland verbindet, ist deren pathologisch-hybrider Besitzfeudalgrößenwahn, deren Grossmannssucht und ihr schizoid-narzistisches Bedürfnis zur Selbsterhöhung und -beweihräucherung, die im krassen Gegensatz zu all den hehren und verlogenen Agitpropphrasen dieser Banden stehen. Wie uns ja nicht nur die Beispiele der UBS, des deutschen ThyssenKrupp-Konzerns und des Finanzspekulations- und -anlagenbetrugstycoons Josef A. lehren, können wir, wenn wir denn wollen, erkennen und verstehen, wie diese Nazielite-reloaded agiert, sich organisiert und schlussendlich die Schweizergesellschaft und die deutsche Gesellschaft zerstören. Es ist nur eben etwas anstrengend und erfordert die praktische Übernahme unserer bürgerlich-republikanischen Verantwortung, die von den meisten von uns noch immer so dramatisch geflohen wird.
5. na also
ostap 04.01.2013
Zitat von sysopDas Traditionshaus Wegelin wurde wegen Beihilfe zur Steuerflucht verurteilt. Der Vertrauensverlust ist zu groß: Nach mehr als 250 Jahren geben die Schweizer nun alle Bankgeschäfte auf. US-Ermittler werten das als Durchbruch bei der Aufweichung des Bankgeheimnisses. Wegelin: Älteste Schweizer Bank macht nach Steuerskandal dicht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/wegelin-aelteste-schweizer-bank-macht-nach-steuerskandal-dicht-a-875681.html)
Na also, es geht doch. Das sollte doch der SPD etwas Mut machen, Ihre Ankündigungen umzusetzen: Schließen aller kriminellen Banken oder deren deutsche Filialen, falls es sich um ausländische Banken handelt.
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