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23. Dezember 2012, 14:53 Uhr

Konkurrenz durch das Internet

Händler klagen über schlappes Weihnachtsgeschäft

Enttäuschung bei den Einzelhändlern: In Deutschland ist das Weihnachtsgeschäft bislang hinter den Erwartungen zurückgeblieben - die Ladenbetreiber hoffen nun auf Last-Minute-Käufer. Der Verkauf von Geschenken über das Internet verzeichnet dagegen einen satten Anstieg.

Berlin - Die deutschen Einzelhändler setzen ihre Hoffnungen auf kurzentschlossene Käufer. Denn bislang ist das Weihnachtsgeschäft hinter den Erwartungen geblieben. Zwar habe es in der letzten Woche vor Heiligabend deutlich an Schwung gewonnen, der Start sei aber vergleichsweise verhalten gewesen, berichtete der Handelsverband Deutschland (HDE). Für eine Gesamtbilanz sei es allerdings noch zu früh. Am Heiligabend werde mit zahlreichen Last-Minute-Geschenkekäufern gerechnet.

Auch die Brückentage zwischen Weihnachten und Silvester seien wichtige Einkaufstage, wenn Gutscheine und Geldgeschenke eingelöst werden. An diesem Montag haben die Geschäfte bis 14 Uhr geöffnet. Vor allem der Lebensmitteleinzelhandel sei auf einen großen Kundenansturm vorbereitet.

"Weihnachtsgeschenke werden immer häufiger erst kurz vor dem Fest gekauft", sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Die letzte Woche vor Heiligabend sei die beste Woche im diesjährigen Weihnachtsgeschäft gewesen. Besonders seien Haushaltswaren, Glas, Porzellan und Keramik sowie Lebensmittel, Sportartikel und Spielwaren gekauft worden. Auch im Bekleidungshandel belebte sich das Geschäft.

Trotzdem zeigten sich die Deutschen bislang offenbar weniger in Konsumstimmung als sonst. Euro-Schuldenkrise und der Arbeitsmarkt bereiteten den Verbrauchern zum Jahresende Sorgen, beobachteten die GfK-Konsumforscher.

Über Kaufzurückhaltung auch wegen des Wetters klagten vor allem die Geschäfte in den südwestlichen Bundesländern. In Bayern vermiesten beispielsweise Regen und milde Temperaturen den Endspurt vor dem Fest. "Bei diesem Wetter kauft keiner warme Kleidung und Wintersportartikel", sagte Bernd Ohlmann vom regionalen Branchenverband. In Berlin, wo es zeitweise kälter und winterlicher war, zeigten sich die Händler hingegen recht zufrieden.

Online-Handel wächst um mehr als ein Viertel

Anders als bei vielen stationären Einzelhändlern füllten sich die Ladenkörbe besonders gut im Online-Geschäft. Der Bundesverband des Deutschen Versandhandels korrigierte seine Weihnachtsprognose sogar nach oben: Ursprünglich waren allein im Internethandel rund 5,5 Milliarden Euro Umsatz erwartet worden. Jetzt könnten es 5,6 Milliarden Euro werden und damit 27,3 Prozent mehr als im Vorjahr, hieß es.

Auch in diesem Jahr werden besonders viele Smartphones und Tablet-Computer unter den Christbäumen liegen. Der Boom habe sich fortgesetzt, sagt Dieter Kempf, Präsident des Hightech-Verbandes Bitkom. Gefragt seien auch Notebooks und Fernseher mit großem Bildschirm sowie Spielekonsolen und digitale Spiegelreflexkameras.

Insgesamt rechnet der HDE für November und Dezember mit rund 80,4 Milliarden Euro Umsatz. Im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von nominal 1,5 Prozent, das damit etwas unter der Inflationsrate liegt. Wie das Weihnachtsgeschäft tatsächlich gelaufen ist, wird frühestens Ende Januar bekanntgegeben.

cst/dpa

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