Konkurs nach Missbrauchsvorwürfen Weinstein Company hebt alle Schweigeabkommen mit Frauen auf

Die Produktionsfirma Weinstein Company ist endgültig pleite, hofft aber auf einen Neuanfang. Sie hat alle Opfer, die von Gründer Harvey Weinstein mutmaßlich missbraucht wurden, von Geheimhaltungsvereinbarungen entbunden.

Harvey Weinstein
AP

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Knapp ein halbes Jahr nach Bekanntwerden der ersten Missbrauchsvorwürfe gegen Hollywood-Mogul Harvey Weinstein hat dessen frühere Produktionsfirma nun Konkurs angemeldet. Die Weinstein Company gab am Montag zudem bekannt, Geheimhaltungsvereinbarungen mit mutmaßlich betroffenen Frauen aufgelöst zu haben. Diese können damit ohne Sorge vor Klagen sprechen. Damit solle "allen Opfern Gerechtigkeit" widerfahren, erklärte die Weinstein Company.

Mit dem Konkursverfahren hofft die Firma auf einen "Neuanfang". Mit dem Investoren Lantern Capital Partners wurde eine Grundsatzvereinbarung über den Kauf von Anteilen der berühmten Filmproduktionsfirma getroffen. Ein Konkursgericht muss dem aber noch zustimmen. Es sollten so viele Jobs wie möglich bewahrt werden, sagte Harvey Weinsteins Bruder Robert, der inzwischen an der Spitze der Weinstein Company steht.

Erst vor zwei Wochen hatte eine Investorengruppe unter Leitung von Maria Contreras-Sweet, einer früheren Mitarbeiterin in der Regierung des damaligen US-Präsidenten Barack Obama, einen Rückzieher beim Kauf der Weinstein Company gemacht. Die Leitung der Produktionsfirma hatte daraufhin angekündigt, in einen "geordneten Konkurs" gehen zu wollen.

Bislang offiziell nicht Beschuldigter

Unklar ist nach wie vor, wie es bei einigen noch nicht fertiggestellten Filmen der Produktionsfirma weitergehen soll, darunter ein Historiendrama mit Benedict Cumberbatch und eine Komödie mit Robert de Niro.

Harvey Weinstein, der am Montag 66 Jahre alt wurde, war kurz nach Bekanntwerden der ersten Missbrauchsvorwürfe im Oktober von seiner Produktionsfirma entlassen worden. Inzwischen werfen mehr als hundert Frauen, darunter zahlreiche Stars, ihm vor, sie sexuell belästigt oder sogar vergewaltigt zu haben. Weinstein beteuert bis heute, keine sexuelle Gewalt gegen Frauen angewandt zu haben.

Die Polizei ermittelt zwar in einer Reihe von Fällen, hat Weinstein bislang aber nicht formell beschuldigt. Der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates New York, Eric Schneiderman, kündigte am Montag eine Untersuchung zu der Frage an, warum dies bislang noch nicht geschehen ist. Die Frauenrechtsgruppe "Time's Up" hatte eine solche Prüfung gefordert und insbesondere dem Bezirksstaatsanwalt von Manhattan, Cyrus Vance, Versäumnisse vorgeworfen.



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