Hurrikan: Welche Schäden "Sandy" anrichten könnte

Der Hurrikan "Sandy" hat die US-Küste noch nicht einmal erreicht, schon veröffentlichen Experten die ersten Kostenschätzungen. Bis zu 20 Milliarden Dollar wirtschaftliche Schäden könnte der Supersturm anrichten. Er wäre damit für die Versicherungen einer der teuersten Wirbelstürme bislang.

Ruhe vor dem Sturm: Experten erwarten Schäden in Höhe von bis zu 20 Milliarden Dollar Zur Großansicht
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Ruhe vor dem Sturm: Experten erwarten Schäden in Höhe von bis zu 20 Milliarden Dollar

New York - Die US-Börsen bleiben geschlossen, die Supermärkte ebenso. Der Ölpreis fällt und sogar der deutsche Aktienindex schwächelt angesichts des Supersturms über dem Atlantik. Der Hurrikan "Sandy" dürfte für die Versicherungsindustrie nach Experteneinschätzung zu relativ hohen Kosten führen - die Branche dürfte die Schäden aber verkraften.

Die Wall Street bleibt zum ersten Mal seit 27 Jahren wegen Sturmgefahr geschlossen. An allen US-Aktienmärkten fällt zum Wochenauftakt der Handel aus - auf Anordnung der US-Wertpapieraufsichtsbehörde SEC. Der in New York City sitzende Pharmakonzern Pfizer Chart zeigen verschob sogar die Bekanntgabe seiner Geschäftszahlen für das dritte Quartal von Dienstag auf Donnerstag.

Wirklich teuer aber dürfte der Sturm für die großen Versicherungskonzerne werden: Die auf Risikoabschätzung spezialisierte Firma Eqecat teilte am Montag mit, sie rechne mit versicherten Verlusten von fünf bis zehn Milliarden Dollar. Die wirtschaftlichen Schäden dürften sich demnach auf zehn bis zwanzig Milliarden Dollar belaufen. Damit würde "Sandy" für die Versicherer zu einem der teuersten Wirbelstürme werden. Zum Vergleich: Der Hurrikan "Irene" im vergangenen Jahr hatte versicherte Verluste von mehr als vier Milliarden Dollar und nach Eqecat-Angaben wirtschaftliche Schäden von etwa zehn Milliarden Dollar zur Folge.

Analysten der Investmentbank JPMorgan gingen allerdings davon aus, dass es nur eine geringe Wahrscheinlichkeit gebe, dass "Sandy" eine ebenso große Spur der Verwüstung hinter sich lässt wie Hurrikan "Ike" im Jahr 2008. Damals hatte der Sturm einen Schaden in Höhe von 40 Milliarden Dollar angerichtet.

Bisher gingen die meisten Analysten an der Wall Street in Fall von "Sandy" von versicherten Verlusten von rund fünf Milliarden Dollar aus - Einbußen, die ihrer Ansicht nach die Branche leicht wegstecken könnte. Kosten in Höhe von etwa zehn Milliarden Dollar würden dann allerdings auch die international tätigen Rückversicherungskonzerne treffen, sagte Analyst Gregory Locraft von Morgan Stanley.

Zurückhaltende Anleger drücken Dax ins Minus

2012 war für die Versicherungsindustrie bisher allerdings ein vergleichsweise schadenarmes Jahr. Die Münchner Rück hatte die Verluste durch Naturkatastrophen im ersten Halbjahr branchenweit auf zwölf Milliarden Dollar geschätzt. Analyst Meyer Shields von Stifel Nicolaus verwies darauf, dass es dann im dritten Quartal ungewöhnlich wenige Katastrophenschäden gab. Im vergangen Jahr hatten sich die Kosten weltweit noch auf 100 Milliarden Dollar summiert.

Eine Eqecat-Sprecherin ergänzte, die Schätzung werde womöglich noch in dieser Woche aktualisiert, wenn die tatsächlichen Auswirkungen von "Sandy" abzusehen seien. Der aus der Karibik kommende Sturm wird voraussichtlich am Montagabend oder Dienstagmorgen (Ortszeit) die US-Ostküste erreichen.

Schon am Montag waren die Anleger in Deutschland verunsichert: Während die Börsen in New York wegen der gefährlichen Wetterlage zum Wochenauftakt geschlossen blieben, fiel der Dax Chart zeigen zum Handelsschluss bei sehr geringen Umsätzen um 0,40 Prozent auf 7203 Punkte. Damit knüpfte der Leitindex an die schwache Vorwoche an, die der Dax mit einem Minus von rund zwei Prozent beendet hatte. Der MDax Chart zeigen sank zum Wochenbeginn um 0,14 Prozent auf knapp 11.400 Punkte, der TecDax Chart zeigen verlor 0,20 Prozent auf knapp unter 800 Punkte.

nck/Reuters/dpa

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Die deutschen Rückversicherungen zahlen die Kosten
dunnhaupt 29.10.2012
Es könnte sich hier im dicht besiedelten Osten der USA um den größten Versicherungsverlust aller Zeiten handeln, da die Wohngebiete von 67 Millionen Menschen gleichzeitig betroffen sind. Natürlich ist noch offen, wie viele von ihnen versichert waren.
2.
hans_uwe2@yahoo.de 29.10.2012
Zitat von sysopREUTERSDer Hurrikan "Sandy" hat die US-Küste noch nicht einmal erreicht, schon veröffentlichen Experten die ersten Kostenschätzungen. Bis zu 20 Milliarden Dollar wirtschaftliche Schäden könnte der Supersturm anrichten. Er wäre damit für die Versicherungen einer der teuersten Wirbelstürme bislang. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/welche-wirtschaftlichen-schaeden-hurrikan-sandy-anrichten-koennte-a-864136.html
wenn die sich da mal nicht verrechnet haben. https://maps.google.com/maps/ms?msa=0&msid=204668710044081348243.0004cd1f75423ea103e5a&ie=UTF8&ll=38.065392,-74.311523&spn=8.94172,7.434881&t=m&source=embed ;)
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"Sandys" Weg an der US-Ostküste

Vorhersage für Sandy:
Die rote Linie zeigt den vorhergesagten wahrscheinlichsten Weg von "Sandys" Sturmzentrum.

Der grüne Bereich zeigt weitere mögliche Pfade, die "Sandy" einschlagen könnte.

Der rote Punkt zeigt die Position des Sturmzentrums.

Stand: 13:20 Uhr

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Was die Hurrikan-Stärken bedeuten
Hurrikans werden nach der sogenannten Saffir-Simpson-Skala je nach Intensität in Kategorien von 1 bis 5 eingestuft. Wichtige Merkmale zur Einordnung sind Windgeschwindigkeit und Zerstörungskraft.
Windgeschwindigkeiten von 119 bis 153 Kilometer pro Stunde - minimale Schäden an Bäumen und schlecht verankerten Gebäuden.
Windgeschwindigkeiten von 154 bis 177 Kilometer pro Stunde - Bäume werden entwurzelt und Schilder umgerissen, auch können Hausdächer, Fenster und Türen beschädigt werden. Küstenstraßen werden überflutet, kleinere ungeschützte Schiffe aus der Verankerung gerissen. Bewohnern an Küstenstreifen wird empfohlen, sich in Sicherheit zu bringen.
Windgeschwindigkeiten von 178 bis 209 Kilometer pro Stunde - mobile Häuser werden zerstört, ebenso leichtere Bauwerke in Küstennähe. Der Wind drückt Fenster ein und deckt Dächer ab. Große Bäume werden entwurzelt oder knicken einfach um. Die Überflutungen werden stärker. Ein Küstenstreifen von etwa 400 Metern Breite sollte geräumt werden.
Windgeschwindigkeiten von 210 bis 249 Kilometer pro Stunde - extreme Schäden an Gebäuden. Wohnwagen werden zerstört oder weggeweht. Bauwerke an der Küste werden durch Wind und Wellen schwer beschädigt oder zerstört, tiefer liegende Gebiete überflutet. Massive Evakuierungen sind notwendig. Menschen können zu Schaden kommen oder getötet werden.
Windgeschwindigkeiten ab 250 Kilometer pro Stunde - die Zerstörungen sind katastrophal. Es gibt schwere Überschwemmungen, Häuser werden zerstört oder fortgeblasen. Es gibt massenweise abgedeckte Dächer, zertrümmerte Türen und Fenster. In Küstengebieten sind manchmal große Evakuierungsaktionen erforderlich. Wer sich nicht in Sicherheit bringt, kann verletzt oder getötet werden.

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