Insolventer Verlag Bayern schließt Staatshilfe für Weltbild aus

Der insolvente Weltbild-Verlag kann sich keine Hoffnungen auf Staatshilfe machen. Es würden definitiv keine Steuergelder für die Rettung eingesetzt, sagte Bayerns Wirtschaftsministerin Aigner.

Weltbild-Zentrale in Augsburg: "Uns geht es um die Mitarbeiter"
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Weltbild-Zentrale in Augsburg: "Uns geht es um die Mitarbeiter"


Augsburg - Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hat Staatshilfe für den insolventen katholischen Weltbild-Verlag ausgeschlossen. "Es werden hier definitiv keine Steuergelder für die Rettung eingesetzt. Uns geht es um die Mitarbeiter", sagte Aigner dem "Münchner Merkur". Am Donnerstag werde sie zusammen mit Arbeitsministerin Emilia Müller (CSU) mit den betroffenen Mitarbeitern sprechen. Die bayerische Staatsregierung sieht in erster Linie die Kirche in der Pflicht.

Auch der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz hat den Beschäftigten keine große Hoffnung gemacht. Er könne ihnen die Unsicherheit nicht nehmen, es gebe zur Lage des Unternehmens nichts zu beschönigen, sagte Geiwitz am Montag bei einer Mitarbeiterversammlung im Augsburger Verlagsgebäude. Aber Weltbild sei eine gute Marke und habe treue Kunden, und er werde alles für den Fortbestand tun. Da die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes jetzt gesichert sei, erhielten alle Mitarbeiter rechtzeitig zum Monatswechsel ihre Zahlungen.

Weltbild hatte am vergangenen Freitag Insolvenz beantragt. Die Gruppe beschäftigt im Verlag rund 2200 Mitarbeiter und getrennt davon rund 4000 in den Filialen. Die Verlagsgruppe gehört zwölf Bistümern, dem Verband der Diözesen Deutschlands und der katholischen Soldatenseelsorge in Berlin. Die sieben bayerischen Bistümer verfügen über 51 Prozent der Gesellschafteranteile.

Die Gewerkschaft Ver.di warf der Kirche Verantwortungslosigkeit gegenüber den Mitarbeitern, "Kapitalismus in Reinkultur" und Verstoß gegen die katholische Soziallehre vor.

yes/dpa



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insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
goedemar 14.01.2014
1. optional
da hätte man das Geld vielleicht doch besser in die Umstrukturierung von Weltbild stecken sollen, anstatt prunkvolle Residenzen (Limburg) oder protzige Kirchenneubauten (Leipzig) damit zu finanzieren.
LK1 14.01.2014
2.
Zitat von sysopDPADer insolvente Weltbild-Verlag kann sich keine Hoffnungen auf Staatshilfe machen. Es würden definitiv keine Steuergelder für die Rettung eingesetzt, sagte Bayerns Wirtschaftsministerin Aigner. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/weltbild-bayern-schliesst-staatshilfe-aus-a-943365.html
Das wäre auch der Witz in Tüten geworden. Der reiche Besitzer von Weltbild verweigert sich der Unterstützung, während Vater Staat generös die Steuergelder zweckentfremdet. Das man mit der Nummer keine Punkte machen kann, war dann wohl auch den Politgranden ersichtlich. Gut, dass keine Wahlen anstanden bzw. anstehen.
tom_ 14.01.2014
3. Unglaubliche Ignoranz
Einerseits verschwendet unser Staat gigantische Summen für viel Blödsinn, aber wenn Geld für sinnvolle Aufgaben fließen soll, dann wird nur der Kopf geschüttelt. Was spricht dagegen dem Verlag zu helfen und z.B. dafür einen Anteil zu erwerben, so dass hinterher entsprechende Gelder wieder in die Landes- und Staatskassen zurückfließen können? Wir haben in Deutschland schon viele sanierbare Unternehmen verloren, nur weil oft relativ kleine Beträge fehlten. Dieser Quatsch muß endlich ein Ende haben. Ich erinnere an ELSA, die keine Hilfen trotz platzend voller Auftragsbücher bekam. Man brauchte die Gelder um Liefern zu können. Der Rückfluss war also gesichert. Dennoch ein Nein von Seiten der Banken, aber auch anderer Geldgeber. Es erschien lukrativer das Unternehmen zu zerstückeln und in aasgeierart über den Rest herzufallen.
walter_de_chepe 14.01.2014
4. Nicht nur wegen der katholischen Soziallehre
ist die Kirche verantwortlich. Dass bei Weltbild etwas schiefläuft, hat in den letzten Jahren schon ein erster Blick in den Katalog gezeigt. Mit billigem Ramsch wollte man mehr Umsatz machen und hat die Kunden für dumm gehalten. Bücher habe ich trotzdem gerne und oft bei Weltbild oder Jokers bestellt. Aber die gesamte Ausrichtung stimmte nicht. Es ist mir unbegreiflich wie ein Management Jahre lang weiterwursteln darf, wenn die Eigentümer so unzufrieden damit sind. Es hätte schon vor 5 Jahren gehandelt werden müssen. diese Versäumnisse werden jetzt teuer. Doch Geld hat die Kirche genug!
RainerCologne 14.01.2014
5.
Zitat von tom_Einerseits verschwendet unser Staat gigantische Summen für viel Blödsinn, aber wenn Geld für sinnvolle Aufgaben fließen soll, dann wird nur der Kopf geschüttelt. Was spricht dagegen dem Verlag zu helfen und z.B. dafür einen Anteil zu erwerben, so dass hinterher entsprechende Gelder wieder in die Landes- und Staatskassen zurückfließen können? Wir haben in Deutschland schon viele sanierbare Unternehmen verloren, nur weil oft relativ kleine Beträge fehlten. Dieser Quatsch muß endlich ein Ende haben. Ich erinnere an ELSA, die keine Hilfen trotz platzend voller Auftragsbücher bekam. Man brauchte die Gelder um Liefern zu können. Der Rückfluss war also gesichert. Dennoch ein Nein von Seiten der Banken, aber auch anderer Geldgeber. Es erschien lukrativer das Unternehmen zu zerstückeln und in aasgeierart über den Rest herzufallen.
Unternehmen schreien nach Deregulierung. Wieso also im Insolvenzfall unter die Arme greifen? Werner Müllers Lackierbetrieb mit 20 Angestellten bekommt auch keine Hilfe, wenn er hops geht. Einer geht, der nächste kommt. So läuft das in der Wirtschaft. Zudem: Wieso sollte einem Unternehmen geholfen werden, das eine Milliarden Holding (Kirche) im Rücken hat? Das wär ja wohl der größte Skandal. Und noch was: Die Kirche soll raus aus Unternehmen, Schule, Staat, Krankenhäusern... Religion ist Privatsache und sie gehört einzig und allein in die Freizeit. Ob man sich in der Freizeit in einer Kirche trifft steht jedem frei. Bitte liebe Kirche, bezahlt eure Angestellten selbst und nicht aus Steuergeldern. Dass einzig und allein das AGG nicht für die Kirche als Arbeitgeber gilt ist ein weiterer Skandal... Aber was soll man machen, der deutsche Michel will es so.
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