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Streit über Sanierung: Weltbild-Gruppe droht die Zerschlagung

Von manager-magazin-Redakteur Dietmar Palan

Mit dem Einstieg des Investors Paragon schien Weltbild gerettet. Doch nach Informationen von manager magazin droht dem insolventen Verlagshaus die Zerschlagung.

Weltbild-Filiale: Dem Unternehmen droht die Zerschlagung Zur Großansicht
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Weltbild-Filiale: Dem Unternehmen droht die Zerschlagung

Hamburg - Morgen wollen sie noch einmal miteinander reden, Weltbild-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz und die Paragon-Gesellschafter Edin Hadziz und Krischan von Möller. In einer letzten Runde, die in Augsburg stattfinden wird, soll noch einmal um die Konditionen gefeilscht werden, unter denen die Private-Equity-Leute bereit wären, das insolvente Verlagshaus als Ganzes zu retten und fortzuführen. Das erfuhr das manager magazin aus Verhandlungskreisen.

Es wird, wie schon so oft in den vergangenen Wochen, seitdem Paragon und der Insolvenzverwalter den Vorvertrag unterschrieben haben, um Filialen gehen, die geschlossen, und Stellen, die abgebaut werden sollen. Und wenn sich nicht ganz viel bewegt, dann wird es am Ende der Gespräche eine Presseerklärung geben, die das Ende des Sanierungsprojekts verkündet, bevor es richtig angelaufen ist. Paragon wollte keine Stellung nehmen. Insolvenzverwalter Geiwitz lässt ausrichten, dass für morgen keine Entscheidung angesetzt ist.

Die Gespräche haben sich an zwei Hindernissen festgefahren. Paragon will erstens, dass von den derzeit noch 1250 Beschäftigten der Weltbild-Gruppe weitere 150 in die von der katholischen Kirche finanzierte Transfergesellschaft wechseln. Und drängt zweitens darauf, dass Filialen, deren Mietverträge bereits gekündigt sind oder in den kommenden Monaten gekündigt werden, endgültig vom Markt verschwinden. Auf diese Weise soll das Netz von derzeit 167 Niederlassungen auf weniger als 130 Filialen eingedampft werden.

Ohne diese Maßnahmen, so argumentiert Paragon, habe das Unternehmen keine zukunftsfähige Kostenstruktur und damit würde auch die Grundlage für 20 Millionen Euro frisches Kapital entfallen, die das Private-Equity-Haus laut Vorvertrag als Eigenkapital in die restrukturierte Weltbildgruppe einschießen soll.

Verdi macht gegen Kürzungsvorschläge mobil

Vor allem die lokalen Funktionäre der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi machen gegen die Kürzungswünsche der Investoren mobil, wollen maximal den Abbau von 49 zusätzlichen Stellen akzeptieren und wehren sich vehement gegen den Abbau von 50 Stellen im Logistikbereich.

Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz, der die Weltbildgruppe zur Not auch ohne Paragon zusammenhalten will, sitzt derzeit zwischen allen Stühlen. Er sieht das Unternehmen im Plan.

Allerdings macht sich die Hängepartie inzwischen auch in der Servicequalität bemerkbar. Laut internen Unterlagen liegt die derzeitige Lieferfrist durchschnittlich zwischen acht und neun Tagen.

Hinzu kommt: In der derzeitigen Verfassung verbrennt Weltbild noch immer Geld, nach Insiderschätzungen sind es derzeit rund fünf Millionen Euro pro Monat. Geiwitz legt Wert auf die Feststellung, dass sich der operative Verlust seit April verringert habe.

Lange wird er größere Mittelabflüsse allerdings nicht mehr verkraften können. Sollte es morgen zu keiner Einigung kommen, wird er eher früher als später zu Methoden greifen müssen, die er mit dem Verkauf an Paragon eigentlich vermeiden wollte: das Unternehmen zerschlagen und seine Einzelteile verkaufen.

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1. Heuschrecken
eigene_meinung 08.07.2014
Heuschrecken sind Heuschrecken und bleiben Heuschrecken.
2.
rebew_01 08.07.2014
Wenn jemand Intersse daran hat das Unternhemen mit eigenen Geld soll ers tun, auch Gewerkschaften hatten ja mal Unternehmsbedeiligungen, "Neue Heimat" ist da das Stichwort, ab nicht immer nur auf Investoren rum haken
3. Katholische Drückeberger
phalter 08.07.2014
Hier hat sich die katholische Kirche aus ihrer Verantwortung gestohlen.
4.
Hansakeks 08.07.2014
Zitat von eigene_meinungHeuschrecken sind Heuschrecken und bleiben Heuschrecken.
In dem Fall kann man glücklich sein, überhaupt jemanden gefunden zuhaben, der den Laden übernimmt. Und jeder auch noch soziale Unternehmer, wäre um Entlassungen nicht umher gekommen. Weltbild dümmpelt seit Jahren am Abgrund.
5. Schwache Insolvenzverwalter
stuhlsen 08.07.2014
Wie bei Karstadt hat auch hier der Insolvenzverwalter auf den falschen Investor gesetzt. Kein Ruhmesblatt für diese gut verdienende Branche.
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