Weltgrößter Atomkonzern Areva-Chefin Lauvergeon muss gehen

Der weltgrößte Atomkonzern Areva hat bald einen neuen Chef: Luc Oursel löst Anne Lauvergeon ab. Frankreich ist Areva-Hauptaktionär - und das Verhältnis von "Atomic Anne" zur französischen Regierung war in den vergangenen Monaten zunehmend angespannt.

Konzernchefin Lauvergeon: Vertrag läuft Ende Juni aus
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Konzernchefin Lauvergeon: Vertrag läuft Ende Juni aus


Paris - Anne Lauvergeon, Frankreichs mächtigste Atommanagerin, verliert ihren Platz an der Spitze des weltgrößten Atomkonzerns Areva. Der bisherige stellvertretende Areva-Generaldirektor Luc Oursel wird ihr Nachfolger, teilte der französische Regierungschef François Fillon am Donnerstagabend in Paris mit. Oursel war bisher für Marketing, Internationales und Projekte zuständig. Lauvergeons Vertrag läuft Ende des Monats aus.

Der französische Staat ist Hauptaktionär bei Areva. Oursel solle vor allem die Wettbewerbsfähigkeit von Areva stärken, so Fillon. Der von der Regierung als Nachfolger ausgesuchte Manager ist erst seit 2007 im Konzern. Damals wurde er zum Vorstandsvorsitzenden von Areva NP ernannt, des bis vor einiger Zeit gemeinsam mit Siemens betriebenen kerntechnischen Gemeinschaftsunternehmens. Zuvor arbeitete er unter anderem für Schneider Electric, das französische Verteidigungsministerium und den Geodis-Konzern.

Die in Frankreich auch als "Atomic Anne" bekannte Lauvergeon stand seit 1999 an der Spitze des Atomunternehmens Cogema, das zwei Jahre später mit dem Unternehmen Framatome fusionierte und im neuen Konzern Areva aufging. Im Juni 2006 wurde die Ingenieurin für fünf Jahre an der Spitze des staatlichen Atomriesen bestätigt.

Dass Staatschef Nicolas Sarkozy die 51-jährige Topmanagerin loswerden wollte, war in Paris zuletzt ein offenes Geheimnis. Über eine mögliche Ablösung Lauvergeons war schon seit Monaten spekuliert worden. Sarkozy erwog unter anderem, Areva Chart zeigen mit dem Industriekonzern Alstom zu fusionieren.

Die Verzögerungen beim Bau des EPR-Druckwasserreaktors in Finnland und die Niederlage beim Kampf um einen Großauftrag aus Abu Dhabi hatten Lauvergeon in die Kritik gebracht. Außerdem galt Lauvergeons Verhältnis zu Henri Proglio, dem Chef des staatlichen Stromriesen EDF, der die französischen Atomreaktoren betreibt, als äußerst gespannt.

Sorgen um ihre Zukunft wird sich Lauvergeon wohl nicht machen müssen. Die Suche nach einem neuen Job dürfte der Französin leichtfallen - zumindest wenn sie in der Branche bleiben will. Zuletzt erwarb sie sich auch als Krisenmanagerin einen hervorragenden Ruf. Nach der Fukushima-Katastrophe bot Lauvergeon Hilfe an und reiste nach Japan. Mit ihrer Erfahrung und ihren Kontakten gilt sie derzeit als eine der besten Botschafterinnen der Atomindustrie.

ulz/AFP/dpa-AFX

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