Banken-Prognose Welthandel lässt Konjunktur auch 2018 boomen

Der Welthandel entwickelt sich besser als erwartet - die deutsche Wirtschaft profitiert davon: Erste Banken-Volkswirte erwägen, ihre ohnehin guten Prognosen für 2018 weiter nach oben zu schrauben.

Containerschiffe im Hamburger Hafen
DPA

Containerschiffe im Hamburger Hafen


Experten sehen trotz der Brexit-Hängepartie, des ungelösten Nordkorea-Konflikts und des erstarkenden Euros derzeit kein Ende des Konjunkturbooms in Deutschland. Alles deute sowohl für dieses als auch für das nächste Jahr auf ein stabiles Wirtschaftswachstum hin, sagen Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Hauptgrund ist nach Ansicht der Experten das plötzliche Erstarken des Welthandels. Dank der guten Auftragslage und guter Exportaussichten investierten vor allem Industrieunternehmen wieder verstärkt in neue Maschinen und Produktionsanlagen, analysieren sie.

Die Welthandelsorganisation WTO rechnet damit, dass der globale Handel 2017 um bis zu 3,9 Prozent zulegt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hält gar ein Plus von 4,2 Prozent für möglich.

Angesichts der weiter wachsenden wirtschaftlichen Zuversicht in vielen Chefetagen erwägen derzeit erste große Bankhäuser eine Korrektur ihrer Wachstumsprognosen für das Jahr 2018. "Wir könnten uns aber gut vorstellen, dass das kommende Jahr besser wird als erwartet. Wir überlegen daher, unsere Wachstumsprognose von derzeit 1,8 Prozent noch einmal anzuheben", sagte etwa DZ-Bank-Volkswirt Michael Holstein.

Andere schließen das ebenfalls nicht aus, wollen aber erst noch die Entwicklung im vierten Quartal abwarten, wie etwa Deutsche-Bank-Volkswirt Marc Schattenberg. Aber auch er sieht die weitere Entwicklung zuversichtlich: "Es deutet einiges darauf hin, dass es besser laufen könnte."

Unterschiedlich schätzen die Ökonomen die wirtschaftlichen Risiken ein. Während die meisten Volkswirte die Hängepartie bei den Brexit-Verhandlungen derzeit noch relativ gelassen sehen, gibt BayernLB-Volkswirt Stefan Kipar zu bedenken: "Wenn sich die Verhandlungen länger hinziehen, könnte das zu einer sinkenden Nachfrage in Großbritannien führen" - und damit auch die deutsche Wirtschaft schwächen. Commerzbank-Volkswirt Achim Tuchtfeld sieht im teuren Euro ein mögliches Exporthindernis.

Die Stimmung in der Wirtschaft der Euro-Zone ist derzeit so gut wie seit 17 Jahren nicht mehr. Das Barometer stieg im Oktober überraschend kräftig um 0,9 auf 114,0 Punkte, wie die EU-Kommission am Montag mitteilte. "Damit wurde das höchste Niveau seit Oktober 2000 erreicht", betonte sie.

ssu/dpa-AFX



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wokri 30.10.2017
1. Die Konjunktur boomt
Die Konzerne immer reicher, der kleine Mann immer ärmer. Da läuft doch was verkehrt. Dann kommt so ein Spahn von der CDU und will das Renteneintrittsalter erhöhen. Uns geht es ja so schlecht..... Würden die Politiker etwas weniger Lobbyismus getrieben sein und Politik für den Menschen machen würde auch etwas unten ankommen. Aber so kommt nur Frust an. Aber Leute wie Spahn haben ja ihre schäflein im Trockenen ihre Pension ist nach 3 Jahren so hoch wie die eines Arbeiters der 40 Jahre geschuftet hat...ein hoch auf die boomende Konjunktur.
philipkdi 30.10.2017
2. @wokri
Hallo wokri, ich stimme teilweise zu. Nur zieht das deutsche Stimmvolk die falschen Konsequenzen. Mit der AfD wird auch nix besser, weil die können nix. Wer etwas verändern will muss sich selbst engagieren, auch wenn es mühselig ist. Seine Verantwortung mit dem Stimmzettel abdrücken funktioniert leider nicht. Wie bei den Piraten damals im Bereich IT Sicherheit gelingt es der SPD heute nicht, sich in ihrer angeblichen Kernkompetenz als soziale Alternative zu präsentieren. Genau das müsste sie aber, um aus dem Beliebigkeitsbrei rauszukommen. Richtig ist, dass immer mehr Menschen immer mehr arbeiten müssen. Am Wochenende war zu lesen, dass jeder fünfte Polizist in Hamburg einen Zweitjob hat. Ganz sicher nicht zum Spaß. Ich finde das erschreckend. Vielleicht wäre jetzt der richtige Zeitpunkt sich von dieser dämlichen schwarzen Null zu verabschieden und in Infrastruktur und Digitalisierung zu investieren. Nicht labbern sondern machen!
rudi_ralala 30.10.2017
3.
Die Billionen, die von den Zentralbanken auf den Markt geschmissen werden, zeigen Wirkung. Die Wirkung eines Strohfeuers, das böse Erwachen folgt später. Dafür braucht man kein Wahrsager zu sein, man muss nur die Mechanismen des Marktes verinnerlicht haben. Aber tanzen wir solange die Musik spielt, man will ja kein Spielverderber sein
descartes 30.10.2017
4.
Zitat von wokriDie Konzerne immer reicher, der kleine Mann immer ärmer. Da läuft doch was verkehrt. Dann kommt so ein Spahn von der CDU und will das Renteneintrittsalter erhöhen. Uns geht es ja so schlecht..... Würden die Politiker etwas weniger Lobbyismus getrieben sein und Politik für den Menschen machen würde auch etwas unten ankommen. Aber so kommt nur Frust an. Aber Leute wie Spahn haben ja ihre schäflein im Trockenen ihre Pension ist nach 3 Jahren so hoch wie die eines Arbeiters der 40 Jahre geschuftet hat...ein hoch auf die boomende Konjunktur.
Sicher haben Sie recht, dass mehr vom Aufschwung "unten" ankommen muss. Aber glauben Sie wirklich, es würde mehr ankommen, wenn es der Wirtschaft schlechter ginge? Es klingt zwar immer sehr nett, wenn man Lobbyismus kritisiert, aber der ist nur ein kleiner Teil des Problems. Im Gegenteil, Lobbyismus ist sogar zwingend notwendig. Man vergisst immer, dass z. B. Umweltverbände und Wissenschaftler ebenfalls Lobbyisten sein können, nicht nur die bösen Unternehmen. Die Probleme der ungerechten Verteilung sind viel mehr, dass die Gewerkschaften zu zahnlosen Tigern verkommen sind, u.a. auch dadurch, dass immer weniger Arbeitnehmer organisiert sind. Oder dass das Steuersystem die Schultern, die deutlich mehr tragen könnten unverhältnismässig schont, während die, die die Hauptlast tragen, fast darunter zusammenbrechen. Dieses Problem lässt sich allerdings nur zumindest europäisch lösen und solange die EU Staaten da nicht an einem Strang ziehen, wird sich daran auch nichts ändern. Die Schizophrenie an der Sache ist allerdings, dass die, die Ungerechtigkeit am lautesten kritisieren, auch am lautesten gegen ein stärkeres Europa schreien.
bernhard.geisser 30.10.2017
5.
Für 2018 4 Prozent Wachstum des gobalen Handels und nur 1.4 Prozent Wachstum des globalen CO2 Ausstosses, das sieht doch gut aus, oder?
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