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Weltkrise privat: Der geheime Sparplan der Lufthansa

Von SPIEGEL-ONLINE-Krisenkolumnist

Ein Airbus vollgepfropft mit 12.800 Passagieren, Bettpfannen statt Toiletten, gut fünf Euro pro Person für Atemluft - die Sparpläne bei der Lufthansa werden immer abstruser. Das Ziel: Die Fluggesellschaft soll erst "airberliniger" werden, dann "easyjettiger" und schließlich "ryanairig".

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Lufthansa-Maschine: Eigentlich stört der Fluggast nur

Die Lufthansa muss ihre Kosten senken. Deshalb will der designierte Konzernchef Christoph Franz an der Beinfreiheit seiner Kunden sparen. Ein kluger Schachzug, denn damit unterstellt er zugleich, dass es bisher Beinfreiheit gab in seinen Jets. Ein handelsüblicher Economy-Class-Gast hat zurzeit den Bewegungsspielraum einer Schinkenwurst in ihrer Pelle. Aber der größte Kostenfaktor ist nun mal der Fluggast. Eigentlich stört er nur. Er transpiriert, verbreitet ansteckende Krankheiten und nimmt Platz weg.

Ab 1. Januar 2010 verringert die Lufthansa deshalb die Sitzbreite auf zwölf Zentimeter. Wem das zu eng ist, der muss eben sieben oder acht Plätze reservieren. Wer die nebeneinander möchte, statt in verschiedenen Reihen, sollte mit zusätzlichen Bearbeitungsgebühren rechnen. Zudem gibt es die Möglichkeit, sich im eigenen Handgepäck zu verstauen und - gegen einen weiteren Unkostenbeitrag - in die Ablagefächer über den Sitzen wuchten zu lassen. Als Kabinenpersonal stehen künftig osteuropäische Erntehelfer auf 400-Euro-Basis bereit, weil auch die Stewardessen zu teuer sind.

Das alles ist der bedauerliche Alltag einer global operierenden Airline, die ihren Weg durch die Unbill der Wirtschaftskrise sucht. Franz will vor allem von den Billigfliegern lernen. Im ersten Schritt soll die Lufthansa "airberliniger" werden. Ab 2012 wird der Konzern "easyjettiger" auftreten, 2015 vollinhaltlich "ryanairig", was den Service angeht - nur teurer. Das bedeutet, dass für alle kerngeschäftsfremden Dienstleistungen zusätzliche Gebühren anfallen - außer für die üblichen Verspätungen. Ein Auszug aus der internen Liste: Sitzplatzaufschlag (59,99 Euro), Atemluft während des Flugs (5,49 Euro pro Stunde) usw.

Platz für 12.800 luftdicht verschweißte Passagiere

Überdies wird die Lufthansa ihre Drehkreuze in Frankfurt und München verkaufen oder stilllegen und nur noch von kleinen Militärflughäfen aus starten. Im badischen Lahr zum Beispiel wird künftig ein A380 mit Platz für 12.800 luftdicht verschweißte Passagiere so lange warten, bis er eben voll ist. Dem Auto-Pilot ist die Warterei egal. Er sucht derweil mit einem mitgelieferten Tom-Tom nach besonders günstigen Destinationen. Eine Alternative sind Jets mit Stehplätzen und an der Kabinendecke angebrachten Haltegriffen, die bisher aber nur im innerdeutschen Kurzstrecken-Verkehr experimentell zum Einsatz kommen.

Trotzdem legt die Lufthansa wert auf Komfort. Für Entspannung und verbesserte Kommunikation an Bord soll sorgen, dass die Rückenlehnen komplett ausgebaut werden, wodurch man es sich nach dem Start auf dem Schoß des jeweiligen Hintermannes gemütlich einrichten kann. Als nächstes sollen die Kaffeeküchen verschwinden, was Raum für weitere drei Sitzreihen schafft. Zum Schluss sind die Toiletten dran. Sie werden durch sogenannte Platzpfannen ersetzt, die man aber vor dem Start beim Bodenpersonal erwerben muss. Akzeptiert werden alle gängigen Kreditkarten, die nach der Abrechnung sofort eingezogen und an einen spanischen Datenhändler weiterverkauft werden.

Alle müssen jetzt mithelfen, damit diese tolle Fluggesellschaft weiterhin eine Zukunft hat. Nur so lässt sich für die Lufthansa vermeiden, dass die Wirtschaftspresse all die abgenudelten Sprachbilder wieder reanimiert von wegen "Der Kranich im Sinkflug". Die sind schlimmer als alles andere.

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